stutzle, rossi

Wird im Vorfeld des NHL Draft 2020, der vom 6. bis 7. Oktober durchgeführt wird, in diesen Tagen unter den Eishockeyfreunden in aller Welt über die Namen der Top-Talente Tim Stütze und Marco Rossi diskutiert, dann sind die Namen von Leon Draisaitl und Thomas Vanek in den Gesprächen meist nicht lange außen vor.

Kein Wunder, denn der im Januar 2002 im niederrheinischen Viersen geborene Stützle könnte nicht nur einer von drei deutschen Spielern sein, die beim NHL Draft 2020 in der ersten Runde ausgewählt werden. Er hat zugleich große Chancen, der an höchster Stelle gedraftete Deutsche aller Zeiten in der NHL zu werden. Das ist bislang eben Draisaitl, der beim NHL Draft 2014 an Gesamtposition drei von den Edmonton Oilers gezogen wurde.
Trotzdem scheut Stützle noch den Vergleich zum Superstar: "Es eine sehr große Ehre für mich mir so einem großartigen Spieler verglichen zu werden. Ich bin aber noch einmal ein etwas anderer Spielertyp. Wir haben auch unterschiedliche Persönlichkeiten. Für mich ist es toll, wenn ich mit ihm in einem Zusammenhang genannt werde und es motiviert mich zusätzlich. Ich will irgendwann auch einmal auf dieses Level kommen. Leon hat das in der vergangenen Saison super gemacht und auch die Jahre davor sehr gutes Eishockey gezeigt, damit viele junge Spieler motiviert, die alle zu ihm aufschauen. Da bin ich mit Sicherheit nicht der Einzige, denke ich", sagte Stützle am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

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Stützle landete im Schlussranking des NHL Central Scoutings auf Platz eins bei den internationalen Skatern. Der 18 Jahre alte Stürmer kam in der zurückliegenden DEL-Saison auf 41 Spiele für die Adler Mannheim und sammelte 34 Punkte (sieben Tore, 27 Assists). Er wurde wegen seiner starken Leistungen zum Rookie des Jahres in der DEL ernannt.
In Fachkreisen geht man davon aus, dass Stützle beim Draft an Position zwei oder drei aufgerufen wird. Als der große Favorit in Sachen First-Overall-Pick gilt in Expertenkreisen Angreifer Alexis Lafreniere von Océanic de Rimouski aus der Quebec Major Junior Hockey League.
"Mein Ziel ist es natürlich so hoch wie möglich gedraftet zu werden. Mein Wunsch wäre es am Ende unter den Top 3 zu landen", sagte Stützle.
Auf sein Vorbild angesprochen ergänzte er: "Leon hat eine überragende Saison gespielt und ganz Eishockeydeutschland stolz gemacht. Da habe ich sehr großen Respekt vor. Das war eine einmalige Leistung. Jeder junge Spieler nimmt sich ihn zum Vorbild und schauen zu ihm auf. Er hat uns den richtigen Weg aufgezeigt."
Im Falle von Rossi verhält es sich nicht viel anders. Dieser könnte seinerseits der am frühesten in einem NHL Draft gezogene, in Österreich geborene Spieler aller Zeiten werden.
Thomas Vanek, der aus Wien stammt, wurde von den Buffalo Sabres im Jahre 2003 einst an Nummer fünf ausgewählt. Er führt die Kategorie der Österreicher in der NHL mit 373 Toren, 416 Punkten und 1.029 Spielen an.
Rossi, am 23. September 2001 in Feldkirch geboren, ist in diesem Jahr als die Nummer sechs im finalen NHL Central Scouting der Spieler aus Nordamerika gelistet.

Rossi

Angesprochen auf Vorbild Vanek gab er sich jedoch ebenfalls bescheiden. "Thomas hat dem gesamten Eishockey in Österreich über viele Jahre hinweg viel geholfen. Es war schon immer mein Traum ihm nachzueifern, wenn ich gesehen habe, wie er in der NHL gespielt hat. Jeder junge österreichische Eishockeyspieler hatte ihn als Vorbild. Dass es ihm gelungen ist so lange in der NHL aktiv zu sein, das verstärkte den Traum bei den jungen Spielern noch mehr. Es zeigt dir, dass du es auch schaffen kannst", lobte Rossi.
Der Center führte zuletzt die Spieler der Canadian Hockey League mit 120 Punkten (39 Tore, 81 Assists) aus 56 Spielen für Ottawa aus der Ontario Hockey League an. Er kam dort im Durchschnitt auf 2,14 Punkte pro Spiel und lag in dieser Kategorie auf Rang zwei, knapp hinter Lafreniere (2,15).
Logisch also, dass die beiden Jungspunde sich permanent mit den beiden Stars der Szene vergleichen lassen müssen, nach ihrem Einfluss auf die eigene Entwicklung gefragt wird.
"(Thomas) Vanek und weitere erfahrene österreichischen NHL-Spieler waren hauptverantwortlich dafür, dass sich mein NHL-Traum entwickelt hat. Durch sie habe ich früher viele NHL-Spiele geschaut und natürlich versucht ihnen nachzueifern. Als Spieler kann ich mich jedoch nicht mit ihm vergleichen. Wir sind einfach unterschiedliche Typen. Daher stelle ich da keinen direkten Vergleich an", vermied auch Rossi einen vorschnellen Vergleich mit seinem Vorbild.
In einer Pressekonferenz, die im Vorfeld des diesjährigen NHL-Drafts abgehalten wurde, betonten beide Top-Talente ausdrücklich, dass sie gewillt sind ihren eigenen Weg zu beschreiten, wenn sie die Parallelen zu den bekannten Eishockeystars aus Deutschland und Österreich auf der anderen Seite natürlich auch sehr ehren.
Für beide wird es zunächst darum gehen, in Nordamerika ihre eigenen Erfolgsgeschichten zu schreiben, der Liga ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Zu viel Druck durch Vergleiche mit nationalen Superstars kann da nur schaden.
"Auf den Draft habe ich ja jetzt direkt ohnehin keinen Einfluss mehr. Ich gebe auf dem Eis immer mein Bestes und warte in den kommenden Tagen einfach ab, was konkret passieren wird", gab Stützle abschließend zu Protokoll.
Es dürfte nicht lange dauern, bis die Vergleiche mit den großen Namen der NHL in beiden Fällen wieder gezogen werden.