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Der Wendepunkt: Stars im Karriereherbst

35 Jahre und 15 Saisons als magische Leistungsgrenze für NHL-Profis

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Jeden Samstag ermöglicht Euch NHL.com/de mit dem wöchentlichen Advanced Analytics Feature einen Blick hinter die Zahlen. Von Schüssen über Tore bis hin zu Eiszeit und darüber hinaus möchten wir Euch die statistischen Trends und Themen näherbringen, um Euer NHL-Wissen zu erweitern. In dieser Ausgabe analysieren wir den Wendepunkt für NHL-Stars im hohen Alter.

Spieler wie Joe Thornton (38, San Jose Sharks), Jarome Iginla (40, Free Agent, zuletzt Los Angeles Kings) oder Jaromir Jagr (45, Calgary Flames) standen auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren für viele Tore und noch mehr Scorerpunkte. Mittlerweile hat das Trio ihre Produktion ein wenig zurückgefahren. Doch wann war der Höhe- und Wendepunkt in den jeweiligen Laufbahnen? Und welche Rolle spielen die alternden Stars heute?

Thornton: Wichtig bis zum Schluss

Thornton war bereits ein gefürchteter Punktejäger, bevor ihn die San Jose Sharks von den Boston Bruins nach Kalifornien holten. In der Bay Area aber erlebte der Mittelstürmer seine erfolgreichste Zeit. Sein Zenit war zwischen 2005 und 2008, also im Alter zwischen 26 und 29 Jahren, in seinen Karrierejahren neun bis elf. Seine stärkste Saison spielte der Kanadier 2006/07, als er in seinem 10. NHL-Jahr im Alter von 27 Karriere-Höchstwerte in Sachen Assists (92) und Scorerpunkte (114) erreichte. Danach nahm die Produktivität des Linksschützen ein wenig ab, ehe ihm zwischen 2012 und 2014 ein Zwischentief erreichte, was sicher auch mit Verletzungen sowie Zoff mit den Verantwortlichen zusammenhing. Der Wendepunkt dann 2016/17 als der damals 37-Jährige in seiner 20. Saison nur noch auf 50 Scorerpunkte (sieben Tore, 43 Assists) kam.

Bis heute ist "Jumbo Joe" allerdings ein wichtiger Anführer der Sharks und geht mit gutem Beispiel voran. Unvergessen die Play-offs 2017, als er trotz eines Kreuz- und Innenbandrisses im Knie spielte. Der 1,93-Meter-Hüne aber kehrte im hohen Eishockey-Alter von 38 zurück und centert weiterhin San Joses erste Sturmreihe zwischen Joonas Donskoi und Kapitän Joe Pavelski. Durch seine Erfahrung, Übersicht, Bully-Stärke und körperliche Präsenz ist Thornton trotz fallender Zahlen bis heute ein wichtiger Stützpfeiler der Fins. Seine aktuelle Bilanz: 17 Spiele, zwei Tore, acht Vorlagen und der längste Bart in der NHL.

Video: NSH@SJS: Thornton mit 1.400. Punkt seiner Karriere

Iginla: Karriere-Tief im Trade-Jahr

Iginla machte sich als Scharfschütze der Calgary Flames über viele Jahre einen Namen. Seine Hochzeit hatte der Rechtsaußen zwischen 2006 und 2009 mit der Saison 2007/08 als krönenden Höhepunkt. Damals gelangen dem Kanadier als 30-Jähriger in seiner 11. NHL-Saison 50 Tore, 48 Assists und 98 Scorerpunkte. Ausgerechnet in dem Jahr, in der er von Calgary nach Pittsburgh wechselte, gab es eine Delle in seiner Punktebilanz: 2012/13, zweifelsohne der Wendepunkt in Iginlas Karriere, gelangen ihm in 44 Spielen nur noch 14 Treffer, 19 Assists und 33 Punkte für beide Klubs. Der Rechtsschütze war damals 35 Jahre alt und bestritt seine 16. Saison.

Danach konnte Iginla nicht mehr annähernd an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen - auch nicht bei seinen späteren Stationen Boston Bruins, Colorado Avalanche und Los Angeles Kings. Seit Sommer 2017 ist er Free Agent und auf Vereinssuche. Seine Verletzungshistorie und sein Alter von mittlerweile 40 Jahren dürften die NHL-Teams bisweilen abgeschreckt haben.

Jagr: Der Jungbrunnen als Sonderfall

Ein Sonderfall ist Jagr, der lange Zeit überhaupt nicht zu altern schien. Seine beste Saison hatte der Tscheche 1995/96, als er 62 Tore schoss, 87 Vorlagen gab und somit auf satte 149 Scorerpunkte kam. Der Flügelstürmer war damals erst 23 Jahre alt, spielte aber schon seine 6. NHL-Saison. Seine heiße Phase dauerte bis 2001 an. Nach seinem Wechsel von den Pittsburgh Penguins zu den Washington Capitals büßte seine Produktion ein wenig ein, erholte sich aber wieder, sodass Jagr zwischen 2005 und 2007 bei den New York Rangers seinen zweiten Frühling erlebte und an alte Zeiten anknüpfte. Der Knackpunkt dann 2007/08, als die Produktion des damals 35-Jährigen in seinem 18. Karrierejahr um 25 Scorerpunkte einbrach.

Es folgten drei Jahre in der KHL sowie die NHL-Rückkehr bei den Philadelphia Flyers, Dallas Stars, Boston Bruins, New Jersey Devils und Florida Panthers. Im Sommer befand sich "Jungbrunnen" Jagr lange im Wartestand als Free Agent, ehe im Oktober die Calgary Flames zuschlugen und den 45-Jährigen nochmal mit einem Vertrag ausstatteten. Dort übernahm der Stürmer mit der Nummer 68 eine Bottom-Six-Rolle, spielte zuletzt als Rechtsaußen in der dritten Sturmreihe neben Sam Bennett und Mark Jankowski und kommt aktuell in neun Spielen auf ein Tor und vier Assists. Die Person Jagr hat an Strahlkraft bei Fans und in Medien aber dadurch kaum verloren und gilt als absolute Kultfigur im Eishockeysport.

Video: STL@CGY: Jagr assistiert bei Jankowskis Treffer

Weitere Beispiele: Sedin-Zwillinge und Zetterberg

Thornton, Iginla und Jagr sind nur drei Beispiele für Stars im Karriereherbst mit durchaus unterschiedlichen Werdegängen. Ebenso die mittlerweile 37-jährigen Zwillinge Henrik (Höhepunkt 2009/10 mit 29 im 9. Jahr; Wendepunkt 2015/16 mit 35 im 15. Jahr) und Daniel Sedin (Höhepunkt 2010/11 mit 30 im 10. Jahr; Wendepunkt 2015/16 mit 35 im 15. Jahr) erleben bei den Vancouver Canucks ähnliches. Auch Henrik Zetterberg von den Detroit Red Wings (Höhepunkt 2007/08 mit 27 im 5. Jahr; Wendepunkt 2012/13 mit 30 im 13. Jahr) muss sich diesem Phänomen beugen.

35 Lebens- und 15 Karriere-Jahre als magische Grenze?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in den meisten Fällen ab dem 35. Lebensjahr oder ab dem 15. Karrierejahr so etwas wie ein Karriereknick sichtbar wird. Die Hochzeiten waren damals mit Mitte/Ende zwanzig. Heutzutage werden diese nach aktuellen Studien wohl bereits im Alter von 23 bis 25 Jahren erreicht. Ob damit dann auch ein früherer Karriereherbst einhergeht, werden wohl erst die nächsten Jahre zeigen.

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