STL@COL, Sp5: Bozaks OT-Siegtor bringt Spiel 6

Die St. Louis Blues haben mit einem beeindruckenden Comeback die Best-of-7-Serie der 2. Runde der Stanley Cup Playoffs in der Western Conference gegen die Colorado Avalanche am Leben gehalten. Durch einen 5:4-Erfolg in der Verlängerung von Spiel 5 in der Ball Arena von Denver schicken die Blues die Serie zurück nach St. Louis, wo am Freitag (8 p.m. ET; NHL.tv; Sa. 2 Uhr MESZ) Spiel 6 im Enterprise Center über die Bühne gehen wird.

"Es fühlt sich natürlich großartig an", erklärte der Siegtorschütze Tyler Bozak, der die Partie nach 3:38 Minuten in der Verlängerung mit einem Schlagschuss entschied. "Keiner von uns wollte natürlich, dass die Saison beendet ist. Wir haben uns durch späte Tore zurückgekämpft und waren glücklich genug, das Spiel für uns zu entscheiden. Wir sind begeistert und freuen uns auf das nächste Spiel."
Selbst ein glänzender Hattrick von Colorados Kapitän Nathan MacKinnon, der in den vier Spielen der Serie zuvor ohne Treffer blieb, reichte für die Avalanche nicht aus, um die Blues zum Aufgeben zu bewegen. St. Louis überwandt nicht nur einen 0:3-Rückstand, sondern kämpfte auch weiter, nachdem MacKinnon mit seinem dritten Treffer zum 4:3 in der 58. Minute das Ticket für Colorado für das Western Conference Finale bereits gelöst zu haben schien. Diese Art von Widerstandskraft kommt nur mit der Erfahrung, und die Champions von 2019 haben noch viel Kampfgeist.

Es waren schließlich keine Zufalls- oder Glückstreffer, die die Blues wieder ins Spiel brachten. Natürlich sprang der Puck in der einen oder anderen Szene positiv zu ihren Gunsten, aber dieses Glück des Tüchtigen, wie es so häufig redensartlich heißt, hatten sie sich auch verdient.
Durch viel Zeit in der Offensivzone und Druck auf das von Colorados Torhüter Dracy Kuemper (25 Saves) gehütete Gehäuse machten die Blues das zweimalige Comeback letztendlich möglich. Die Avalanche müssen sich die Frage gefallen lassen, warum sie nicht in der Lage waren, das Spiel zu beruhigen. Stattdessen schafften sie es in den letzten zehn Minuten des dritten Drittels kaum, kontrolliert aus ihrer Zone heraus zu kommen und Entlastungsabgriffe zu fahren. So wurde St. Louis zunehmend ermöglicht Oberwasser zu bekommen und Profit daraus zu schlagen.

Vladimir Tarasenko hatte die Blues erst in der 35. Minute erstmalig auf den Videowürfel gebracht und seinen Farben neue Hoffnung eingehaucht. Zuvor gab es für St. Louis wenig zu erben. MacKinnon hatte nach 3:51 Minuten des ersten Drittels das 1:0 erzielt, als er einen Pass von Artturi Lehkonen aufnahm und aus dem Slot traf. Nach 18:23 Minuten erhöhte er auf 2:0, als der Abpraller seines Schussversuchs im Powerplay von seiner Brust ins Netz abgefälscht wurde. Gabriel Landeskog baute die Führung bei 4:02 Minuten des zweiten Drittels auf 3:0 aus, als er einen Schuss abfälschte.

Es lief eigentlich alles für die Hausherren, die sich schon auf der Siegerstraße wähnten. Doch wieder einmal ließen sie den Gegner herankommen, ohne jedoch dieses Mal das Happy End auf ihrer Seite zu haben. Robert Thomas verkürzte im dritten Drittel mit seinem ersten Tor in den Playoffs auf 2:3 (9:57) und Jordan Kyrou erzielte den 3:3-Ausgleich (15:14), als er einen Abpraller im Netz versenkte.

STL@COL, Sp5: Thomas vollendet Spielzug vor dem Tor

"Wir erst in der zweiten Hälfte damit begonnen so zu spielen, wie wir das wollten und haben das dann ins dritte Drittel übernommen", erläuterte Blues-Trainer Craig Berube. "Wir müssen einfach mehr Druck entfachen, zum Tor ziehen und Zweikämpfe gewinnen. Das hat lange Zeit nicht gestimmt, aber wir haben rechtzeitig die Kurve gekriegt."
MacKinnon brachte die Avalanche danach mit einem sehenswerten Tor bei 17:14 Minuten wieder mit 4:3 in Führung. Er lief über das ganze Eis, ließ Blues-Verteidiger Nick Leddy, der auf drei Assists kam, aussteigen und schoss von links kommend über die Schulter von Ville Husso (30 Saves) hinweg ins Tor. Es war die erneute Führung der Avalanche aus dem Nichts und es hagelte Caps auf das Eis, womit die Fans MacKinnon für den zweiten Playoff-Hattrick seiner Karriere huldigten. Er ist damit gemeinsam mit Peter Stastny, Michel Goulet und Joe Sakic der erfolgreichste Spieler in der Geschichte der Avalanche/Nordiques.

MacKinnon (3-1-4) verbuchte außerdem das vierte Playoff-Spiel in seiner Karriere mit vier Punkten und überholte damit Peter Forsberg als erfolgreichsten Spieler in der Geschichte der Franchise. MacKinnon und Nazem Kadri erzielten jeweils einen Hattrick in zwei aufeinanderfolgenden Spielen. Dies ist erst das zweite Mal in der Geschichte der Franchise in einem Playoff-Spiel der Fall. Das andere Beispiel stammt aus dem Jahr 1987, als Peter Stastny (Spiel 3 des DSF 1987), Michel Goulet (Spiel 4 des DSF 1987) und John Ogrodnick (Spiel 5 des DSF 1987) drei aufeinanderfolgende Hattricks für die Nordiques erzielten.
"Natürlich ist MacKinnon einer der besten Spieler der Liga, der besondere Spielzüge macht und Momente kreiert", räumte Gegenspieler Bozak ein. "Doch wir haben große Führungsspieler in unseren Reihen und viele haben zuvor bereits gewonnen. Es blieb noch viel Zeit und wir haben es geschafft."
Wer nämlich glaubte, der Wille der Blues wäre danach gebrochen gewesen, sah sich getäuscht. Mit viel Einsatz und einem gezogenen Torhüter kämpfte sich St. Louis durch das zweite Tor des Abends von Thomas 56 Sekunden vor der Sirene erneut zurück und erzwang die Verlängerung. Es war das späteste Tor der Blues in ihrer Geschichte, wenn sie vom Ausscheiden in den Playoffs bedroht waren.

STL@COL, Sp5: Thomas gleicht in letzter Minute aus

Die Blues sind das erste von einem Ausscheiden bedrohte Team, das in den letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit zwei Rückstände aufholen konnte. Das einzige andere Team, das dies in einem normalem Playoff-Spiel schon geschafft hat, waren die Buffalo Sabres in Spiel 1 des Conference Halbfinales 2006 bei den Ottawa Senators.
"Bei beiden Toren hatte ich tolle Vorlagen von Leddy und Pavel Buchnevich, die es mir einfach gemacht haben zu treffen", erläuterte Thomas, der das Lob für seine Treffer an die Passgeber weiterreichte. "Ihnen gehört eigentlich die Anerkennung dafür."
Dort traf Bozak und schickte die Serie zu Spiel 6 zurück nach St. Louis. Die Avalanche schienen ihre Zweitrundenmisere der letzten drei Jahre bereits hinter sich gelassen zu haben, doch jetzt bleibt es spannend, wie die Mannschaft mit diesem Rückschlag umgehen und darauf reagieren wird. Die Blues haben zumindest neue Hoffnung geschöpft und werden bis zur letzten Sekunde kämpfen.