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Wenn eine Mannschaft - egal in welcher Sportart - ohne ihre Superstars auskommen muss, gibt es zwei Möglichkeiten, wie sie reagiert: Sie kann komplett auseinanderfallen, weil sie sich zu sehr auf die Leistungen der besten Spieler fokussiert hat, oder sie kann daran wachsen und diese Phase als Chance begreifen. Bei den St. Louis Blues scheint zu Beginn des neuen Jahres Letzteres der Fall zu sein. Die Mannschaft von Coach Craig Berube begann das neue Jahr jedenfalls mit einem 6:5-Erfolg nach Penaltyschießen bei den Toronto Maple Leafs. Und das ohne etliche Leistungsträger.

Keine Stars? Kein Problem. So einfach werden es sich die Spieler der St. Louis Blues selbstverständlich nicht gemacht haben, bevor sie in Toronto das Eis der Scotiabank Arena betreten haben. Immerhin begann der Stanley Cup-Sieger von 2019 das Jahr ohne den ohnehin schon länger verletzten Torey Krug. Und jetzt fallen auch noch Ryan O'Reilly (gebrochener Fuß) und Vladimir Tarasenko (Handverletzung) aus. Hinzu kam noch der kurzfristige Ausfall von Logan Brown, der sich am Montag im Training verletzte. O'Reilly, der Kapitän, fehlt den Blues wohl mindestens sechs, Tarasenko wohl wenigstens vier Wochen.

STL@TOR: Schenn trifft zum Sieg der Blues im Shootout

Doch das hielt die Blues nicht davon ab, beim Zweiten der Atlantic Division eine mehr als ordentliche Leistung abzuliefern und zu Beginn eines vier Partien dauernden Roadtrips mit Spielen in Toronto, New Jersey, Montreal und Minnesota gleich mal zwei Punkte mitzunehmen. Berube hatte im Vorfeld bereits an sein Team appelliert: "Verletzungen sind Teil des Spiels. Jedes Team muss da durch, und wir sind jetzt an der Reihe. Jeder muss jetzt ein bisschen mehr geben und seinen Job machen. Wir müssen uns, auf uns als Team verlassen können." So komme man gut aus dieser Situation raus."
In Toronto waren es vor allem die Special Teams, die die Blues zum Erfolg führten. Brandon Saad brachte die Gäste in Unterzahl in Führung (5.). Und als Routinier Brayden Schenn in Überzahl sogar auf 2:0 erhöhte, war schon zu ahnen, dass an diesem Abend etwas gehen könnte - auch ohne viele Leistungsträger. Auch wenn der Treffer etwas glücklich zustande kam, da der Puck vorbeigegangen wäre, von Schenns Schlittschuh aber ins Tor abgefälscht wurde.
St. Louis durfte sich über weite Strecken des Spiels über eine Zwei-Tore-Führung freuen. Jordan Kyrou zementierte mit dem 3:1, seinem 18. Saisontor, seine Führung in der internen Torschützenliste der Blues. Auch dies war ein Überzahltor. Beim 4:2 profitierte Josh Leivo von einem tollen Hit von Jake Neighbours gegen Torontos Verteidiger Mark Giordano. Leivo nahm den Puck auf, zog vors Tor und markierte seinen vierten Saisontreffer. Neighbours war wie der in Burgwedel geborene Nikita Alexandrov von den Springfield Thunderbirds (AHL) zu den Blues hochgezogen worden. Und beim 5:3 Mitte des zweiten Drittels schnürte Saad den Doppelpack.

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Dass es allerdings kein winterlicher Abendspaziergang in Toronto werden würde, dürfte den Blues klar gewesen sein. Zumal die Gastgeber über eine der stärksten Angriffsreihen per se und mit Auston Matthews und Mitch Marner eben noch ihre Superstars zur Verfügung haben. So ließen sich die Maple Leafs nicht abschütteln, blieben immer in Schlagdistanz. Matthews verkürzte noch vor der zweiten Drittelpause auf 4:5. Und Michael Bunting sicherte dem Team von Coach Sheldon Keefe mit dem 5:5 im Schlussabschnitt zumindest einen Zähler.
In Toronto durfte man sich auch noch darüber freuen, dass Matthews mit seinem Treffer und der Vorlage zum 2:3 durch William Nylander die Marke von 500 Scorerpunkten geknackt hat, und das als viertjüngster Spieler in der Geschichte der NHL. Mit 25 Jahren und 108 Tagen muss er sich nur hinter Sidney Crosby (22, 244), Connor McDavid (24, 35) und Alex Ovechkin (24, 140) einreihen. Matthews brauchte nur 445 Spiele, womit er in der Geschichte der Maple Leafs am schnellsten bei 500 Punkten war und damit schneller als Mats Sundin und Rick Vaive (495).
"Das hat schon eine ganz besondere Bedeutung mit der ganzen Geschichte der Organisation und den vielen Spielern, die das Trikot vor uns getragen haben", sagte Matthews, der nun bei 501 Scorerpunkten steht. Er sei glücklich, jedes Jahr mit großartigen Spielern zusammenzuspielen und ein tolles Team zu haben.
Über den Sieg freuten sich am Ende allerdings die Blues, weil Schenn auch noch den entscheidenden Penalty versenkte und sich Keeper Jordan Binnington (20 Saves) zuvor gegen Rasmus Sandin ganz lang gemacht hatte. "Das ist enorm wichtig. Darauf können wir aufbauen", meinte Schenn. Ja, im dritten Drittel hätte das Team besser spielen können. Aber Toronto habe alles versucht, und die Blues hätten sich dem Sturm entgegengestellt.

STL 6, TOR 5 - F/SO

Ähnlich sah es auch Teamkollege Kyrou: "Die Jungs haben richtig Gas gegeben. Und das müssen wir auch in Zukunft machen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was wir zur Verfügung haben und was wir machen können, um zu gewinnen." Es gehe darum, die Zweikämpfe zu gewinnen und in der Defensive gut zu stehen.
"Uns fehlen gerade ein paar Spieler. Aber wir konzentrieren uns auf uns als Gruppe und was wir damit machen können. Das war heute auch ein großer Sieg für unseren Charakter", meinte Doppeltorschütze Saad. Jeder in der Umkleidekabine denke, dass das Team bislang unter seinen Möglichkeiten geblieben sei. Die Blues stehen mit 39 Punkten auf Platz fünf der Central Division.