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Zwei Torhüter, die eine Antwort parat hatten

Islanders Thomas Greiss und Red Wings Jared Coureau meldeten sich mit Shutouts zurück

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

"Wenn du gegen ein schnelles Team spielst, das das Tempo hochhält, dann bekommst du Druck im Spielaufbau. Wenn du an große Spieler wie Staal rangehst, dann schießen sie. Dennoch die Tore die gegen uns fielen waren vermeidbar."

New York Islanders Cheftrainer Jack Capuano hatte explizit keine Namen genannt, er wollte mit dieser Aussage auch nicht seinen Schlussmann Thomas Greiss ins Gericht nehmen. Der deutsche Torhüter in Diensten der Islanders ist selbstkritisch genug, weiß selbst am besten, welche Scheibe er am Samstag in der Begegnung bei den Carolina Hurricanes hätte halten müssen oder können. 36 Torschüsse der Hausherren wurden ja sogar Greiss' Beute, doch wenn man gleichzeitig sieben kassiert und sechs Minuten vor Spielende noch ausgewechselt, oder sollte man besser sagen, erlöst wird, dann ist es eben eine ganz bittere Angelegenheit.

Sieben Gegentore hatte Greiss in seiner mittlerweile achtjährigen NHL-Karriere noch in keinem Spiel hinnehmen müssen. Einen klasse NHL-Torwart zeichnet aus, dass er sich von einem einzigen Spiel nicht aus der Bahn werfen lässt, vor allem nicht, wenn er sich sicher sein kann, dass der Trainer und die Mitspieler hinter ihm stehen. Keine 48 Stunden nach dem 4-7 Debakel gegen die Hurricanes setzte Capuano wieder auf den Füssener im Tor. Der Coach der Islanders begründete die Entscheidung damit, dass er vorher bei Greiss nachgefragt habe, ob er sich fit fühle. Die positive Antwort des Deutschen kam prompt. Somit stand Greiss am Montag im Spiel gegen die Boston Bruins im Kasten und zahlte das in ihm gesetzte Vertrauen eindrucksvoll zurück. In ihrer Franchisegeschichte waren die Islanders 81 Mal in Boston angetreten und nur einmal hielten sie hinten die 'Null' - vergangenen Abend! Greiss konnte alle 32 Schüsse, die auf seinen Kasten kamen, parieren und damit seinen ersten Saison-Shutout feiern. "Spiele gegen die Bruins bereiten mir wirklich Freude. Sie sind aber auch ein gutes Team, dem man Respekt zollen muss. Sie gehen einen ziemlich hart an."

Greiss war nicht der einzige Schlussmann, der sich unmittelbar nach einem durchwachsenen Auftritt eindrucksvoll zurückmeldete. Aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls ihres Stammtorwarts Jimmy Howard greifen die Detroit Red Wings auf die Dienste von zwei jungen Schlussleuten zurück. Petr Mrazek war zunächst die erste Wahl für Headcoach Jeff Blashill. Der 24-jährige Tscheche konnte aber im Dezember nicht mehr überzeugen und somit bekam der um ein Jahr ältere Jared Coureau die Chance sich zu beweisen. In seinen ersten vier NHL-Partien hatte der Kanadier 14 Gegentore kassiert. Außenstehende sprachen davon, dass er noch nicht NHL-reif sei. Lassen wir es einmal dahingestellt, wie viele dieser Treffer wirklich haltbar gewesen wären, eines ist sicher Coureau lässt sich von dem Gerede um ihn nicht beeindrucken. Vier Tage nach der 4-5 Pleite am Neujahrstag gegen die Toronto Maple Leafs durfte er mit 34 Saves im Spiel gegen die Los Angeles Kings seinen ersten NHL-Shutout feiern. Auch wenn er in seinen nächsten zwei Auftritten erneut sechsmal die Scheibe hinter sich aus dem Netz holen musste, er schaut immer wieder nach vorne und sagt sich, dass jedes Spiel bei null beginnt. Eine Einstellung die sich auszeichnet: In der Heimpartie gegen die Montreal Canadiens, also gegen keinen Geringeren als den Tabellenführer in der Atlantic Division, hielt er erneut seinen Kasten sauber. Ein Tormann, der nach sieben Einsätzen eine Bilanz von (5-1-1) ausweist, kann kein Schlechter sein, vor allem, wenn man sie in Relation zur Gesamtbilanz der Red Wings zieht (19-19-6). Coureau überbewertet nicht seine guten Vorstellungen und lässt das auch jeden wissen: "Ich versuche die Ruhe zu bewahren und technisch fehlerfrei zu bleiben. Ich genieße es, doch es gibt keinen Grund abzuheben. Ein Shutout ist immer eine Teamleistung."

Eine solche Einstellung ist die beste Voraussetzung für eine lange NHL-Karriere.

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