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Selten blickte die Schweiz mit so viel Selbstvertrauen Olympia entgegen.

Mit Akira Schmid (Vegas Golden Knights), Roman Josi (Nashville Predators), J.J. Moser (Tampa Bay Lightning), Kevin Fiala (Los Angeles Kings), Philipp Kurashev (San Jose Sharks), Nino Niederreiter (Winnipeg Jets), Pius Suter (St. Louis Blues), Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler (alle New Jersey Devils) stehen zehn aktive NHL-Profis im Aufgebot für die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026.

Niederreiter kennt das Gefühl, bei diesem Mega-Event auf dem Eis zu stehen. „Ich hatte das Glück, 2014 bereits bei den Olympischen Winterspielen dabei zu sein. Damals war ich natürlich viel jünger. Es war eine ganz andere Erfahrung. Jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich höchstwahrscheinlich meine letzten Olympischen Spiele erleben werde. Es gibt keine zweite Chance. Deshalb freue ich mich riesig darauf“, sagt er im Gespräch mit NHL.com/de. „Und natürlich werden die Teams alle mit ihren besten Leuten spielen. Das wird bestimmt ein großer Spaß.“

Die Schweiz kann es mit den Besten aufnehmen

Bei den Olympischen Winterspielen 2014, die damals in Sotschi stattfanden, belegte die Schweiz den neunten Platz - und war längst nicht so stark besetzt wie jetzt. „Wir müssen uns vor niemandem mehr verstecken. Also werden wir rausgehen und unser Spiel spielen“, kündigt Niederreiter an.

Dies dürfte auch Auswirkungen auf die taktische Herangehensweise haben. „Man muss nicht mehr so defensiv spielen wie früher, nur um sicherzugehen, dass man nicht zu viele Gegentore kassiert. Wir Schweizer können es jetzt mit den Besten aufnehmen. Niemand weiß, wie es ausgehen wird“, sagt Niederreiter.

Die Schweiz trifft in der Gruppe auf Frankreich (12. Februar), den Top-Favoriten Kanada (13. Februar) und auf Tschechien (15. Februar). Bei allem Selbstvertrauen weiß Niederreiter auch um die Schwere der Aufgabe: „Natürlich haben Teams wie Kanada noch immer eine große Chance, uns zu schlagen. Aber es herrscht definitiv ein anderes Gefühl bei uns als früher. Die Stimmung in der Kabine unserer Nationalmannschaft ist einfach super. Wir kennen uns sehr gut, das hilft definitiv.“

Bei den Weltmeisterschaften vorne dabei

Die einzigen Medaillen der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Winterspielen gab es 1928 und 1948 zu bejubeln - jeweils Bronze. Danach mischte die Schweiz nicht mehr ganz vorne mit. Das beste Ergebnis der vergangenen 70 Jahre war der 6. Platz bei den Olympischen Winterspielen 2006.

Dafür war die Schweiz bei den Weltmeisterschaften vielfach vorne mit dabei und gewann 2024 und 2025 jeweils die Silbermedaille. Ein Grund dafür ist, dass die Schweizer NHL-Spieler meist sofort zur Nationalmannschaft stoßen, wenn sie die Playoffs nicht erreicht haben oder früh ausgeschieden sind. „Ich denke, es ist eine Frage des Stolzes, für sein Land zu spielen“, erklärt Moser gegenüber NHL.com/de.

„Der Nationaltrainer (Patrick Fischer, Anm.d.Red.) hat in den letzten zehn Jahren gute Arbeit geleistet. Er hat klar gesagt, dass man nicht jedes Jahr neu entscheiden kann, ob man für die Nationalmannschaft spielt oder nicht. Entweder man will für sein Land spielen oder man lässt es.“

Viele NHL-Stars heizen den Konkurrenzkampf an

Auch für Niederreiter hatte die Nati immer einen hohen Stellenwert. „Als ich erwachsen wurde, war die Nationalmannschaft immer das Größte überhaupt für mich. Die NHL schien damals noch unerreichbar zu sein, fast unmöglich“, erzählt er.

Nun allerdings ist der Kader mit NHL-Stars prall gefüllt. Das spielerische Niveau ist dementsprechend hoch. „Dadurch herrscht jetzt ein richtiger Konkurrenzkampf unter den Spielern, die für die Nationalmannschaft spielen wollen. Das gab es früher in dieser Form noch nicht“, so Niederreiter.

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Moser will mit der Schweiz „etwas Großartiges leisten“

Die Mannschaft ist individuell stark und eingespielt. Dementsprechend zuversichtlich blickt Moser Olympia entgegen: „Wir werden konkurrenzfähig sein. Wir fahren dorthin, um jedes Spiel zu gewinnen.“

Gleichwohl ist ihm der Unterschied zwischen Weltmeisterschaften und Olympia bewusst: „Natürlich ist es etwas Anderes, wenn die Besten gegeneinander antreten und alle Top-Spieler dabei sind. Wir werden also sehen, wie sich das entwickelt und wie konkurrenzfähig wir sein können. Aber das Ziel ist ganz sicher immer, dorthin zu fahren und etwas Großartiges zu leisten.“

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Niederreiter erinnert sich an Wunder von 2006

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass auch bei Olympia große Überraschungen möglich sind. Niederreiter denkt gerne an die Olympischen Winterspiele 2006 zurück, bei denen die Schweiz in der Vorrunde mit 2:0 gegen Kanada gewann.

„Ich erinnere mich noch heute daran, wie Paul DiPietro damals die beiden Tore geschossen hat“, berichtet Niederreiter von seinen Kindheitserinnerungen. „Als ich das Spiel gesehen habe, konnte ich es kaum fassen. Das war natürlich ein großartiger Moment für die Schweiz und das Schweizer Eishockey.“

Möglicherweise werden bei den Olympischen Winterspielen 2026 weitere große Momente folgen.

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