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Die Fans der Seattle Kraken können etwas durchatmen. Ihr Team hat fünf von sechs möglichen Punkten auf ihrer derzeitigen Auswärtsreise geholt (2-0-1) und den ersten Verfolger im Rennen um die beiden Wildcards in der Western Conference, die zur Teilnahme an den Stanley Cup Playoffs berechtigen, im zweiten direkten Duell in Folge am Samstag deutlich besiegt.

Ein unerwarteter 7:2-Sieg gegen die Nashville Predators in deren Bridgestone Arena sorgt für ein beruhigendes Polster von acht Punkten, nachdem das erste Spiel der beiden Kontrahenten am Donnerstag noch mit 2:1 nach Penaltyschießen für Nashville ausging. Die erste Qualifikation der jüngsten Franchise für die Playoffs in ihrem zweiten Jahr rückt damit näher.

SEA@NSH: Tolvanen knallt den Puck ins freie Tor

Die Kraken gingen mit einer Zwei-Tore-Führung in das dritte Drittel in der stets lauten Heimarena der Predators. Die Lautstärke steigerte sich noch, als Matt Duchene einen Schuss aus spitzem Winkel nahe der Torlinie der Kraken abfing und den Puck durch die Beine von Justin Schultz und Torwart Philipp Grubauer ins Tor beförderte. Eine Minute nach Beginn des Schlussabschnitts stand es plötzlich nur noch 3:2.
Doch keine drei Minuten später schlugen die Kraken zurück und stellten den alten Abstand wieder her. Sie zeigten damit eine Stärke, die sie schon häufiger in dieser Saison auszeichnete und mit ein Grund ist, warum die Mannschaft in diesem Jahr die Playoffs ins Auge fasst.
Der frühere Predator Eeli Tolvanen hatte mit einem Doppelpack nach dem 1:0 von Daniel Sprong für die Führung zur zweiten Pause gesorgt. Adam Larsson, Matty Berniers und Jared McCann mit einem Tor und zwei Assists sorgten im dritten Drittel dafür, dass der Sieg nicht mehr in Gefahr geriet. Oliver Bjorkstrand machte schließlich den Deckel drauf.
"Ich habe das Gefühl, dass wir uns in den letzten Spielen etwas schwergetan haben, ins Netz zu treffen und Torchancen zu bekommen", meinte Tolvanen. "Heute haben wir nicht nur im Powerplay einen ziemlich guten Job gemacht. Wir haben Schüsse abgegeben und auch ein paar Tore erzielt."

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Die ersten Spielzüge nach einem gegnerischen Tor sind immer von entscheidender Bedeutung, vor allem aber in einem engen Spiel im Playoff-Rennen. Nachdem Nashville, den von seiner Krankheit genesenen Grubauer zu Beginn des zweiten Drittels erstmals geknackt hatte und durch einen Abpraller, der erst der dritte Torschuss der Predators im Spiel war, ein Tor erzielte, wurde Yanni Gourde kurz darauf wegen Hakens rausgestellt. Das fällige Powerplay von Nashville überstanden Grubauer und seine Vorderleute jedoch bravourös und verhinderten so einen Wechsel des Momentums.
Unter anderem stoppte der Rosenheimer im weiteren Spielverlauf einen Alleingang von Nashvilles Philip Tomasino, der viel Zeit und Platz hatte, um Grubauer zu täuschen und zu verladen, doch der deutsche Torhüter ließ sich nicht beirren und streckte sein rechtes Bein aus, um Seattle die Führung zu sichern.
Stattdessen fiel später das 3:1 durch Tolvanen, doch die Predators entfachten weiter viel Druck. Grubauer, der neun von zehn Schüssen im zweiten Drittel abwehrte, nachdem er in den ersten 20 Minuten nur einen einzigen Torschuss auf sich zu verbuchen hatte, zeigte in dieser Phase eine starke Leistung und warum auf ihn Verlass ist.
Die statistischen Werte von Grubauer zum Ende des Spiels mit 14 Saves bei 16 Torschüssen (87,5 % Fangquote) sind nicht überragend, doch sein Anteil an diesem Sieg war zweifelsfrei groß.
Belebend auf das Offensivspiel der Kraken wirkte sich nach dem nur einen erzielten Treffer am Donnerstag besonders aus, dass die Trainer ihre Reihen umstellten. Center Morgan Geekie wurde in die zweite Reihe versetzt, um mit Alex Wennberg und Jaden Schwartz auf dem rechten Flügel zu spielen, und löste damit die Reihe auf, die in den ersten beiden Spielen dieses wichtigen Auswärtstrips die Tore für Seattle schoss. Ryan Donato wurde als Center der vierten Reihe mit Sprong und Brandon Tanev eingesetzt. Die vierte Reihe zeichnete gleich bei ihrem ersten Einsatz nach 3:13 Minuten für die Führung der Gäste verantwortlich.
Es war bereits das zweite Mal in dieser Woche, dass Sprong in den Anfangsminuten ein Tor erzielte, und das dritte Mal in den drei Auswärtsspielen, in denen die vierte Reihe als erstes traf. Am Dienstagabend eröffnete Tanev nach 2:28 Minuten den Torreigen beim Sieg in Dallas, wobei Sprong den entscheidenden Assist lieferte. Am Donnerstag war es Sprong, der im ersten von zwei Spielen in Nashville nach 2:32 Minuten mit einem wahnsinnig guten Pass von Geekie das 1:0 erzielte.

SEA 7, NSH 2

"Wir wollten uns selbst herausfordern, ein bisschen besser zu sein als am letzten Tag", sagte Seattles Trainer Dave Hakstol. "Wir wollten uns einfach in einigen Bereichen des Spiels ein wenig steigern. Wir hatten eine wirklich gute Antwort."
Für Nashville, die weiterhin ohne ihren verletzten Schweizer Kapitän und Leistungsträger in der Verteidigung Roman Josi antreten mussten, wird die Luft durch die Niederlage zunehmend dünner.
"Sie waren von Anfang an die bessere Mannschaft", sagte Predators-Trainer John Hynes. "Sie sahen einfach schneller aus, waren kämpferischer mit dem Puck. ... Man kann von Anfang an sehen, wenn wir in Fahrt sind - die Energie, das Wettbewerbsniveau, die Details, mit denen wir spielen - und das hatten wir nicht. ... Es war also ein harter Abend für uns."
Die Kraken haben in dieser Saison 88 Punkte vorzuweisen, nachdem sie in ihrer ersten Saison 2021/22 60 Punkte erzielt hatten. Der Zuwachs von 28 Punkten ist der größte in der Geschichte der NHL zwischen der ersten und der zweiten Saison eines Teams und übertrifft die New York Islanders (1972/73) und die Boston Bruins (1925/26), die sich in ihrer zweiten Saison jeweils um 26 Punkte steigern konnten. Zehn weitere Partien sind noch zu absolvieren. Zum Abschluss ihrer Reise steht für Seattle am Montag (8 p.m. ET; NHL.tv; Di. 2 Uhr MESZ) die nächste schwere Aufgabe bei den Minnesota Wild an.