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Als die Schläger noch aus Holz waren

Eine "Hommage" an den Holzschläger und warum er heute im Profibereich nahezu verschwunden ist

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Der älteste bekannte Eishockeyschläger ist im Canadien Museum of History in Gatineau, Quebec auf der anderen Seite des Ottawa Flusses gegenüber der Hauptstadt Ottawa ausgestellt und um die 180 Jahre alt. Natürlich ist er aus Holz, dem Material, aus dem bis noch vor 20 Jahren nahezu alle Schläger gefertigt wurden.

Erst gegen Ende der 80er Jahre wurden Schäfte aus Aluminium populär, in die eine Kelle aus Holz eingesetzt werden konnte. Ein Trend, der nicht zu lange anhielt, denn die Entwicklung ging von dem Zeitpunkt an rasant vorwärts.

Heute sind die sogenannten Composite Schläger aus Kevlar oder Karbon im Profibereich der Standard. Doch auch Schäfte aus Titan mit Einsätzen wie es früher bei den Aluminium Schäften der Fall war, sind wieder im Kommen. Fiberglas als Material konnte sich hingegen, insbesondere als 100 prozentiges Material nicht durchsetzen. Häufig wird Fiberglas mit anderen Materialien wie Holz, Karbon oder Kevlar kombiniert.

Der Schläger ist natürlich für die Spieler ein wichtiges Instrument, ähnlich wie die Schlittschuhe, aber vielleicht sogar noch wichtiger. Doch wie stark ist der Unterschied zwischen den einzelnen Schlägern für die Spieler wirklich?

"Es ist schon ein großer Unterschied", sagte Kyle Okposo von den Buffalo Sabres. "Wir hatten schon Karbon und Kevlar und andere Materialien. Es ist immer eine gewisse Umstellung."

Der 28-jährige Stürmer gehört mit seinem Geburtsjahr 1988 eigentlich zu der Generation, die weniger mit Holzschläger in Berührung gekommen sein dürfte.

"Ich selbst habe noch mit Holzschläger gespielt, weiß aber nicht mehr, wann ich umgestellt habe, irgendwann im Juniorenbereich", erzählte er hingegen. "Es war ein angenehmes Material wie ich mich erinnern kann, doch schießen kann man mit den Heutigen eindeutig besser."

Der Grund, warum viele Eishockeyspieler mit Holz als Material auch heute noch im Kinder- und Jugendbereich anfangen zu spielen, liegt auf der Hand.

"Ja klar habe ich mit Holzschläger gespielt, aber mit ungefähr 15 Jahren habe ich mich umgestellt", sagte der 23-jährige Vincent Trocheck von den Florida Panthers und liefert auch gleich die Begründung dafür. "Sie waren viel billiger, weil da hat man fünf oder sechs zu dem Preis bekommen, was heute einer aus einem anderen Material kostet."

Während Holzschläger schon für günstige 20 Euro aufwärts zu bekommen sind, müssen für einen modernen Composite Schläger leicht ein dreistelliger Betrag, für Spitzenmodelle auch bis zu 300 Euro, aufgebracht werden.

"Ich habe keine andere Wahl, weil es gibt sie kaum noch", betonte Jaromir Jagr fast wehmütig darauf angesprochen. Der 44-jährige Oldie der Panthers hat selbst in seiner aktiven Zeit als NHL-Profi, die 1990 bei den Pittsburgh Penguins begann, noch einige Zeit mit einem Holzschläger gespielt.

Er sieht indes den Unterschied nicht so krass wie seine jüngeren Kollegen. "Es hat sich nicht viel geändert", sagte er. "Der Schläger ist das eine, aber es spielt so viel mehr rein, wenn man Tore schießen will, richtige Körperhaltung und all diese Dinge. Also egal, ob du diesen nimmst oder einen anderen. Man gewöhnt sich daran und dann klappt es, aber es macht dich nicht zu einem besseren Spieler."

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Jagr sieht auch den Vorteil durch bessere Schläger nicht so groß, wie es vielleicht andere tun. "Die Entwicklung auf der einen Seite wird wieder ausgeglichen, weil sich dort auch etwas weiterentwickelt hat", argumentierte er. "Kommt was Neues für die Stürmer, dann führt das nicht dazu, dass mehr Tore fallen, weil gleichzeitig auch Sachen für die Verteidiger oder Torhüter besser werden. Es gleicht sich immer aus."

Der Tscheche mag einerseits recht haben, andererseits wird es für Torhüter zwangsläufig schwieriger, je schneller und platzierter die Schüsse werden. "Die Schläger heute sind mit denen von damals nicht zu vergleichen", sagte Trocheck. "Das Material hilft ungemein besser und härter zu schießen."

Retro ist in und gerade in der Mode kommen Trends in regelmäßigen Abständen wieder. Der Holzschläger wird seine Faszination behalten, weil er aus einem natürlichen Material ist und Eishockeyspielern länger als ein Jahrhundert gute Dienste geleistet hat. Zudem wird er aufgrund seines Preises seinen Status als Einstiegsmodell kaum verlieren. Im Profibereich allerdings dürften seine Tage gezählt sein und mit einem Comeback von ihm ist kaum zu rechnen.

Schade eigentlich.

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