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Als nach Spiel 5 im Stanley Cup Finale das Schlusssignal ertönte, gab es bei der Belegschaft der Tampa Bay Lightning kein Halten mehr. Trainer und Spieler lagen sich nach dem Triumph in der Best-of-7-Serie gegen die Montreal Canadiens in den Armen und formierten sich zu Jubeltrauben mit wechselnder Größe. Dass die Saison 2020/21 mit der Titelverteidigung enden würde, war vor dem ersten Puckwurf im Januar keineswegs ausgemacht.

Wenige Wochen dem Saisonstart ereilte die Lightning eine Hiobsbotschaft. Bei Nikita Kucherov, dem teaminternen Topscorer der vergangenen fünf Jahre, war eine Hüftoperation unumgänglich. Die medizinische Abteilung stellte dem Rechtsaußen ein Comeback frühestens zu Beginn der Stanley Cup Playoffs in Aussicht.
Hinzu kamen weitere Unwägbarkeiten. Dazu zählten die Neueinteilung der Divisionen, der eng getaktete Spielplan mit 56 Partien innerhalb der eigenen Gruppe binnen dreieinhalb Monaten sowie die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den laufenden Spielbetrieb.
Tampa Bay wurde in die Discover Central Division einsortiert und bekam es dort mit einer Reihe von Kontrahenten zu tun, die auf einen der ersten vier Tabellenplätze und damit die Playoff-Qualifikation spekulierten. Dazu gehörten Vorjahresfinalist Dallas Stars, Angstgegner Columbus Blue Jackets, die Carolina Hurricanes, Florida Panthers, Nashville Predators und Chicago Blackhawks. Lediglich bei den Detroit Red Wings war davon auszugehen, dass sie nicht ernsthaft in den Kampf um ein Endrunden-Ticket würden eingreifen können.

CBJ@TBL: Hedman trifft nach 10 Sekunden in Overtime

Die Lightning absolvierten eine gute reguläre Saison mit wesentlich mehr Höhen als Tiefen. Mit einer Matchbilanz von 36-17-3 und 75 Punkten landeten in der Endabrechnung an dritter Stelle in der Division. Die Playoff-Teilnahme war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, an den Hurricanes und den Panthers gab es jedoch kein Vorbeikommen. Der direkte Vergleich mit den beiden Rivalen fiel aber fast ausgeglichen aus. Gegen Florida gelangen Tampa Bay drei Siege in acht Spielen, gegen Carolina waren es vier.
Der letztlich souveräne Einzug in die Playoffs gelang den Lightning vor allem deshalb, weil außer Kucherov keine weiteren Stars der Mannschaft langfristig ausfielen. Die einzige Ausnahme war Kapitän Steven Stamkos, der in der Endphase der Hauptrunde einige Zeit pausieren musste, nachdem er zuvor durchweg überzeugende Vorstellungen abgeliefert hatte.
Zum besten Scorer der Lightning in der regulären Saison avancierte Brayden Point mit 48 Punkten. Mit 23 Treffern war er zugleich der erfolgreichste Torschütze seines Teams. Der offensivstarke Verteidiger Victor Hedman lag im klubinternen Ranking mit 36 Assists vorne. Barclay Goodrow führte die Plus-Minus-Statistik mit einem Wert von +16 an. Eine herausragende Bilanz hatte Torhüter Andrei Vasilevskiy vorzuweisen. Er gewann 31 seiner 42 Starts, sein Gegentorschnitt betrug 2,21 pro Begegnung und die Fangquote lag bei 92,3 Prozent. Fünfmal hielt er seinen Kasten sauber. Bei der Wahl zur Vezina Trophy für den besten Torwart der regulären Saison belegte er den zweiten Rang.

TBL@NYI, Sp6: Point vollstreckt mit der Rückhand

Im Hinblick auf die Playoffs legten die Lightning bei der NHL Trade Deadline in der Defensive personell nach. Von den Blue Jackets holten sie David Savard im Tausch für drei Draftpicks. Der erfahrene Blueliner benötigte keinerlei Anlaufphase und gehörte sofort zu den unumstrittenen Stammkräften. Er bildete meist mit Mikhail Sergachev ein Verteidigerduo.
In den Playoffs konnten die Lightning wieder auf Stamkos und Kucherov zurückgreifen. Deren Rückkehr kam gerade recht, denn in der Stanley Cup First Round hatten die Mannen von Trainer Jon Cooper mit den Panthers eine harte Nuss zu knacken. Tampa Bay legte einen Blitzstart hin und behielt in den ersten beiden Duellen in Sunrise die Oberhand. Kucherov glänzte bei seinem Einstand nach der langen Pause beim 5:4 in Spiel 1 mit einem Doppelpack. Am Ende setzten sich die Lightning mit 4:2 in der Serie durch.

TBL@FLA, Sp1: Kucherov haut Hedmans Pass im PP rein

In der Stanley Cup Second Round mussten die Lightning erneut zuerst auswärts antreten. Mit zwei 2:1-Erfolgen hintereinander in Raleigh bei den Hurricanes legten sie den Grundstein fürs Weiterkommen. Mit einem souveränen 4:1 in der Gesamtwertung zogen sie ins Stanley Cup Halbfinale ein, wo mit den New York Islanders zum ersten Mal in diesem Jahr ein Gegner wartete, mit dem sie es nicht schon vorher in der Discover Central zu tun hatten.
Die als Geheimfavorit gehandelte Vertretung aus Long Island machte den Lightning das Leben schwer. Erst nach sieben meist hart umkämpften Spielen erreichte Tampa Bay das Stanley Cup Finale. Die einzige Partie zwischen beiden Teams, die nicht auf des Messers Schneide stand, war Spiel 5. Mit dem 8:0 vor eigenem Publikum in der Amalie Arena feierten die Lightning den höchsten Sieg in den Playoffs.

MTL@TBL, Sp5: Savard setzt Colton zum 1:0 in Szene

Mit den völlig überraschend bis ins Finale vorgestoßenen Montreal Canadiens hatte Tampa Bay keine Mühe. Bei konsequenter Chancenverwertung in Spiel 4 wäre sogar ein Sweep möglich gewesen. So dauerte es bis Spiel 5, ehe die Titelverteidigung mit dem vierten Erfolg in der Serie endgültig feststand. Die Lightning waren damit nach den Pittsburgh Penguins (2016/2017) erst der zweite Klub in den zurückliegenden 23 Jahren, der zweimal hintereinander den Stanley Cup gewann.
Ihre Dominanz in den Playoffs manifestierte sich auch in vielen Einzelstatistiken. Mit Kucherov (32 Punkte), Point (23), Hedman, Stamkos (beide 18) und Alex Killorn (17) führten fünf Spieler aus Tampa Bay die Scorerwertung an. Point stand darüber hinaus in der Torjägerliste mit 14 Treffern auf Platz eins. Kucherov war mit 24 Assists bester Vorlagengeber, Hedman punktbester Verteidiger. Mit fünf Shutouts und einer Fangquote von 93,7 Prozent hatte Vasilevskiy ebenfalls zwei Playoff-Bestwerte zu verzeichnen. Verteidiger Ryan McDonagh sicherte sich im Plus-Minus-Ranking mit einer +18 den Spitzenwert.
Wie bereits in der vergangenen Postseason mussten die Lightning auch diesmal keine zwei Niederlagen in Folge hinnehmen. Das war ein weiterer Beweis ihrer Klasse. Von daher steht es außer Frage, dass sie sich den zweiten Stanley Cup nacheinander redlich verdient haben.