100123 David Reinbacher MTL

Der Traum des jungen österreichischen Verteidigers David Reinbacher in der Saison 2023/24 bei den Montreal Canadiens in der NHL zu spielen, er endete am Samstag nach der 1:3-Preseason-Niederlage seiner Mannschaft gegen die Toronto Maple Leafs unsanft - vorerst zumindest.

Die Canadiens gaben in einer Pressemeldung nach dem Spiel bekannt, dass sie Reinbacher für die kommende Saison auf Leihbasis zurück zum EHC Kloten in die Schweiz schicken. Der Nummer-5-Pick aus dem NHL Draft 2023 war nicht der einzige Akteur aus dem Kader, für den die Saisonvorbereitung mit dem Team aus Montreal an diesem Abend vorzeitig zu Ende ging.

Reinbacher kam in der Partie am Samstagabend im Bell Centre auf 16:27 Minuten Eiszeit, wobei er an der blauen Linie mit Kaiden Guhle zusammenspielte, der das einzige Tor für die Canadiens erzielte. Nach dem Spiel - und noch bevor offiziell bekannt wurde, dass Reinbacher in die Schweiz zurückkehrt – sagte Montreals Trainer Martin St. Louis, er sei beeindruckt von Reinbachers Ausgeglichenheit und Reife auf dem Eis.

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Auch Reinbacher selber zog nach der Begegnung noch ein sehr positives Fazit seiner Zeit mit dem Team: „Ich bin, seit ich hier bin, deutlich selbstbewusster geworden, die Mitspieler helfen mir, sprechen mit mir, das macht die Aufgabe etwas einfacher. Ich bin sehr dankbar dafür.“

Nun steht fest, dass die Canadiens mit Reinbacher offenkundig einen anderen Entwicklungsweg verfolgen, als mit Stürmer Juraj Slafkovsky, den sie beim NHL Draft 2022 als Nummer 1 ausgewählt hatten und der im vergangenen Jahr direkt im NHL-Team berücksichtigt wurde. Slafkovsky hatte als 18-jähriger NHL-Neuling mit einer Minus-13-Bilanz in 39 Spielen (4 Tore, 6 Assists) jedoch zu kämpfen, bevor er sich eine Knieverletzung zuzog, die die Saison für ihn vorzeitig beendete.

Dass Reinbacher in die Schweiz zurückgeschickt wird, ist nach den Äußerungen von Jeff Gorton, dem Executive Vice-President of Hockey Operations der Canadiens, die er kürzlich bei einem Golfturnier des Teams vor Beginn des Trainingslagers tätigte, grundsätzlich keine Überraschung. Auf die Frage, ob Reinbacher die Saison mit den Canadiens beginnen könnte, sagte Gorton damals: "Wir werden das prüfen. Es gilt seine Entwicklung von Tag zu Tag zu beobachten und dann die beste Entscheidung in seinem Sinne zu treffen. Ich möchte nicht sagen, dass er dies oder jenes macht. Aber wenn ich eine Prognose abgeben würde, dann würde ich sagen, dass er wahrscheinlich zurück nach Europa geht, um ein weiteres Jahr zu spielen. Aber schauen wir mal, was er macht. Wir werden ihm ein offenes Forum bieten, damit er so gut wie möglich abschneiden kann.“

Nach starken Auftritten im Trainingscamp der Canadiens zuletzt, kommt die Entscheidung, Reinbacher in der kommenden Spielzeit in der Schweiz spielen zu lassen, zu diesem Zeitpunkt ein Stück weit überraschend. Im Vorjahr hatte der gebürtige Vorarlberger in Kloten mit drei Toren und 19 Assists zu 22 Punkten in 46 Spielen einen starken Eindruck hinterlassen.

Reinbacher kann sich zumindest ein wenig damit trösten, dass er sich in guter Gesellschaft befindet. Am Samstag hatten die Canadiens zudem bekannt gegeben, dass 25 weitere Spieler zu den Laval Rockets geschickt wurden, die am Montag ihr AHL-Trainingslager eröffnen werden. Darunter waren auch so namhafte Spieler wie Stürmer Filip Mesar, der in der ersten Runde (26. insgesamt) des NHL Draft 2022 ausgewählt wurde, und Stürmer Joshua Roy, der als einer der besten Nachwuchsspieler des Teams gilt. Stürmer Owen Beck, der in der zweiten Runde (33. insgesamt) des Draft 2022 ausgewählt wurde, kehrte zu seinem Juniorenteam, den OHL Peterborough Petes, zurück.

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Neben Mesar und Roy wurden auch die Stürmer Gabriel Bourque, Jared Davidson, Isaac Dufort, Brandon Gignac, Nathan Légaré, Riley McKay, Jan Mysak, Jakov Novak, Xavier Simoneau, Ty Smilanic, Alex-Olivier Voyer und Nolan Yaremko in die AHL beordert, sowie die Verteidiger Tobie Bisson, Stanislav Demin, Olivier Galipeau, Noah Laaouan, Christopher Ortiz, John Parker-Jones, Jayden Struble und Miguël Tourigny sowie die Torhüter Zachary Émond, Strauss Mann und Joe Vrbetic nach Laval geschickt.

33 Spieler verbleiben damit im Trainingslager Montreals: 18 Stürmer, elf Verteidiger und vier Torhüter. Die Canadiens haben noch zwei weitere Spiele in der Preseason zu absolvieren. Am Montag sind sie bei den Maple Leafs zu Gast und am kommenden Samstag geht es für sie in Ottawa gegen die Senators von Tim Stützle. Nur dann ohne Reinbacher, der sich mit seinem Traum vom NHL-Debüt mindestens noch bis zum kommenden Herbst wird gedulden müssen.

Er selber wollte am Samstag nach Spielende kurzfristig denken: „Ich schaue nicht zu weit nach vorne, konzentriere mich ganz auf mich und meine Leistungen. Es gibt hier so viele gute junge Spieler hier. Man muss hier früher seine Entscheidungen fällen, alles auf dem Eis läuft viel schneller ab. Bevor du den Puck erhältst, musst du schon wissen, wohin du ihn spielen wirst.“

Wenn Reinbacher nach der Verkündigung der Entscheidung in Montreal auch enttäuscht gewesen sein dürfte, in der Schweiz können sie sich auf ihn freuen. Nicht nur, dass der 18-Jährige im Trainingscamp der Canadiens viel gelernt hat, Kloten liegt in der 14er-Liga der Schweiz derzeit nur auf Platz zwölf (7 Punkte aus 7 Spielen). Da ist eine Verstärkung von Reinbachers Kaliber sehr willkommen.

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