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Umstellung von Sturmreihen als Heilmittel

Warum Trainer wie Jon Cooper gerne mit ihren Reihen experimentieren obwohl sie erfolgreich sind

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Eine der schwierigsten Entscheidungen, vor denen ein Trainer im Eishockey regelmäßig steht, ist welche Spieler er einsetzt und vor allem in welcher Konstellation. Von der Zusammensetzung der Sturmreihen und der Verteidigerpaare hängt schließlich viel ab und selbst wenn das Spiel fortschreitet, müssen laufend Überlegungen angestellt werden, ob eine Veränderung der Reihen nicht der entscheidende Aspekt sein kann, um den Gegner letztendlich zu bezwingen.

Beim derzeit mit Abstand punktbesten Team der NHL, den Tampa Bay Lightning, wagte Trainer Jon Cooper am Dienstag im Spiel gegen die Carolina Hurricanes das Experiment seine bisher erfolgreiche erste Reihe mit Vladislav Namestnikov, Steven Stamkos und Nikita Kucherov auseinander zu nehmen und versetzte Namestnikov in die dritte Reihe, nachdem dieser in fünf der letzten sieben Spielen nicht mehr punktete.

"Teil des Spiels ist es herauszufinden, was funktionieren kann und was nicht funktionieren wird", betonte Cooper am Montag nach dem Training darauf angesprochen. "Die Dinge sind potenziell etwas eingeschlafen und bevor sie in Stillstand verharren, wollten wir ein paar Jungs aufwecken."

Prinzipiell hat Cooper mit seinem Vorgehen Recht, doch andererseits birgt die Umstellung einer eigentlich funktionierenden Reihe durchaus Gefahren in sich. Automatische Abläufe, blindes Verständnis und eintrainierte Spielzüge könnten gestört werden. Dem ist sich jeder Trainer bewusst, doch es steckt mehr hinter solchen Entscheidungen.

Auf dem linken Flügel wurde Chris Kunitz von der vierten in die erste Reihe befördert. "Ich konnte Chris zuletzt nicht die Eiszeit geben, die er gewohnt war und die er aufgrund seiner Leistungen verdient", merkte Cooper an. "Es sind viele Einflüsse, denen du als Trainer gerecht werden musst."

In der Tat müssen sich die Männer hinter der Bande einige Gedanken durch den Kopf gehen lassen, die von außen betrachtet, mit weniger Hintergrundwissen, sehr häufig als leicht erscheinen.

Die Lightning sind in der komfortablen Lage die NHL mit ein paar Punkten Abstand anzuführen. Das ermöglicht ihnen ohne Druck ein paar taktische Varianten zu testen und auszuprobieren, um für die Ernstfälle, in Form einer Verletzung oder wenn es einmal in einem Spiel nicht läuft, gewappnet zu sein.

"Wir haben noch nichts erreicht", wiegelte Cooper nach dem 5:4-Sieg am Dienstag ab. "Die Playoff-Plätze werden nicht im Januar vergeben. Doch wir haben ein paar Sachen umgestellt und es hat sich für uns ausgezahlt. Nur das ist von Interesse."

Video: CAR@TBL: Johnson erzielt seinen dritten NHL-Hattrick

Die dahinter steckenden Überlegungen sind deutlich. Eine Mannschaft, die nicht nur in eingespielten Formationen, sondern in flexibler Besetzung agieren kann, ist für die Gegner schwerer berechenbar und kann problemloser variieren, wenn es im Spielaufbau oder dem Torabschluss hapert. Aus diesen Gründen wird sie am Ende auch erfolgreicher abschneiden.

Namestnikov durfte in der dritten Reihe zwischen Alex Killorn und Yanni Gourde als Center agieren, nachdem er in der ersten Reihe noch als Linksaußen zum Einsatz gekommen war. Zumindest bei seinem ersten Auftritt konnte er seine neue Rolle nicht mit einem Erfolg krönen. Der 25-jährige Russe blieb ohne Punkt und in 17:34 Minuten Eiszeit weitgehend blass.

Video: NYI@TBL: Namestnikov haut den Rebound im PP rein

Ironie der Geschichte war, dass ausgerechnet die Reihe, die in unveränderter Besetzung antrat, dem Spiel ihren Stempel aufdrückte und es letztendlich zugunsten von Tampa Bay entschied. Die zweite Sturmformation mit Ondrej Palat, Brayden Point und Tyler Johnson war für drei der fünf Tore verantwortlich, wobei Johnson einen Hattrick markierte.

Eine gute Mannschaft zeichnet sich schließlich dadurch aus, dass andere in die Bresche springen, wenn die Kollegen weniger effektiv auftreten.

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