TBL@DAL, Sp4: Point markiert seinen zweiten Treffer

Den Tampa Bay Lightning fehlt nach dem 5:4-Overtime-Erfolg über die Dallas Stars in Spiel 4 des Stanley Cup Finales 2020 nur noch ein weiterer Erfolg zum Gewinn des Titels. In der bisherigen Serie konnten die Lightning sich in den entscheidenden Momenten immer auf ihre Top-Spieler und besonders das eigene Überzahlspiel verlassen. In 15 Überzahlsituationen traf Tampa Bay sechs Mal und liegt damit bei einer herausragenden Quote von 40 Prozent.

Vom Problemfall zum Aushängeschild
In den Stanley Cup Playoffs bereitete das nun so starke Überzahlspiel den Lightning und ihrem Trainer Jon Cooper schon einiges an Kopfzerbrechen. Während sie in der Platzierungsrunde noch gut harmonierten und in fünf Powerplays immerhin zwei Tore erzielen konnten, verloren die Lightning in der Folge ihren Überzahl-Faden und blieben vom 9. bis zum 25. August ohne Treffer mit mehr Spielern auf dem Eis. 14 Gelegenheiten hatte Tampa Bay in dieser Phase und konnte gegen die Columbus Blue Jackets, in der ersten Playoffrunde, und in den ersten beiden Partien gegen die Boston Bruins, in der zweiten Runde, nicht in Überzahl treffen.
Erst beim 7:1-Erfolg in Spiel 3 gegen die Bruins klickte das Powerplay wieder. Drei der sich bietenden sechs Chancen nutzten die Lightning und lösten so den Knoten in ihren Köpfen. Seitdem erzielte Tampa Bay in 51 Situationen 14 Tore und steht damit bei einer Quote von 27,45 Prozent. Besonders die Top-Formation mit Nikita Kucherov, Brayden Point, Ondrej Palat, Alex Killorn und Victor Hedman lehrt die Gegner das Fürchten.
Von seiner Top-Angriffs-Formation schwärmte Cooper auch nach dem vierten Match gegen Dallas am Freitag. "Sie spielen mit so viel Können und Geschwindigkeit", stellte der Trainer die außergewöhnliche Kombination in den Vordergrund. "Viele Teams haben großes Können, viele andere haben Geschwindigkeit. Beides zu haben ist ein besonderes Talent. Alle drei (Kucherov, Point, Palat) können das. Es ist so schwer das zu verteidigen. Ich wüsste nicht, ob wir es abwehren könnten, wenn sie gegen uns spielen würden."
Das Überzahlspiel wandelte sich von der Schwachstelle im August zum entscheidenden Faktor in den Finals. Genau zum richtigen Zeitpunkt haben beide Powerplay-Formationen ihre Chemie gefunden. "Es macht einfach Spaß ihnen zuzuschauen", sagte Cooper auf die Point-Formation bezogen, würde das aber sicher auch auf die zweite Reihe bei numerischer Überlegenheit ausdehnen.
Ähnliches: [Shattenkirk mit dem entscheidenden Tor für Tampa Bay]
Treffer im entscheidenden Moment
Die Quote allein beschreibt nicht den Wert der Powerplay-Formationen für die Lightning. Besonders in den wichtigen Momenten kann sich das Team auf die Spezialisten bei numerischer Überlegenheit verlassen. In Spiel 4 gegen die Stars zeigte sich das erneut deutlich. Alle drei Treffer mit einem Mann mehr auf dem Eis waren von entscheidender Bedeutung für den Ausgang der Partie. Point traf zum 2:2 und egalisierte damit schon früh im Mittelabschnitt die zwischenzeitliche 2:0-Führung der Stars.
Auch Yanni Gourde nutzte eine Überzahlsituation zum erneuten Ausgleich. "Es ist natürlich immer besonders ein Tor zu erzielen", gab er nach der Partie zu Protokoll. "Natürlich noch mehr in einer wichtigen Situation im Powerplay, wenn du 2:3 zurück liegst und es auf 3:3 stellst, bevor der Mittelabschnitt vorbei ist." Wie schon Points Ausgleich war das Timing bei Gourdes Tor herausragend. Nur etwas mehr als eine Minute stand noch auf der Drittel-Uhr, als der Puck die Linie überquerte und der Stars-Unterzahl-Formation etwas zum Nachdenken mit in die Kabine gab.

TBL@DAL, Sp4: Gourde trifft in Überzahl

In der Verlängerung glänzte dann erst das Gegenstück zum Lightning-Powerplay. Die Unterzahl-Spezialisten überstanden eine Strafe gegen Mikhail Sergachev und gaben ihren offensiven Kollegen die Chance auf den Siegtreffer. "Alle drei Spieler die in Unterzahl auf dem Eis waren haben das hervorragend gemacht", analysierte Alex Killorn die kritische Drei-Gegen-Vier-Unterzahl-Situation zu Beginn der Verlängerung. "Das hat das Momentum auf unsere Seite gezogen."
Das Momentum nutzte dann Kevin Shattenkirk für den entscheidenden Treffer, natürlich erneut in Überzahl. "Er hat in den Playoffs schon viele wichtige Tore für uns erzielt", brachte Point die Situation auf den Punkt. "Um Erfolg zu haben, brauchst du ein paar mentale Voraussetzungen", versuchte Cooper die Grundlagen zu erklären, die sein Team in entscheidenden Situationen so stark macht. Diese psychische Stärke sorgt auch dafür, dass die Lightning aktuell nicht verzweifeln, wenn das Powerplay nicht sofort harmoniert.
Keine Verunsicherung bei schwachem Start
"Wir sind drangeblieben", resümierte Killorn nach der Partie. "In einigen der Überzahlsituationen war die erste Minute nicht sonderlich gut, aber dann kommt die nächste Formation aufs Eis und ist bereit." Entsprechend schwer ist es für die Kontrahenten sich in Überzahl auf die Top-Reihe einzustellen. Mit den Treffern von Gourde und Shattenkirk am Freitag gegen Dallas war es die nominell zweite Überzahl-Einheit, die in den entscheidenden Momenten treffen konnte.
"Alle Tore waren, ich will nicht sagen dreckig, aber wir erarbeiten uns die Treffer. Sie entstehen nicht aus irgendwelchen Traumpässen", blickte Killorn auf die drei Treffer. Die harte Arbeit belohnt die Lightning meist mit einem Erfolg. Nur zwei der 23 absolvierten Begegnungen verlor Tampa Bay, wenn sie in Überzahl einen Treffer erzielten.

TBL@DAL, Sp4: Shattenkirk trifft in Überzahl zum Sieg

Entsprechend deutlich ist aber auch, wie wichtig die Ausbeute bei numerischer Überlegenheit für das Team ist. Während bei Siegen 25 Prozent der Powerplays erfolgreich abgeschlossen werden können, sind es bei Niederlagen nur 13,3 Prozent.
Auch in Spiel 5, dass bereits am Samstagabend (8 p.m. ET; So. 2 Uhr MESZ; NHL.tv, DAZN, Sport 1+, Teleclub Sport) auf dem Programm steht, werden die Lightning ihr Powerplay benötigen, um den Sack zu zumachen und den Stanley Cup in die Höhe recken zu können. "Wir haben in der Blase jetzt 15 Spiel gewonnen und nach diesem Sieg war es in der Kabine nicht so ausgelassen", gab Cooper einen Einblick in die Stimmungslage. "Sie waren alle unglaublich fokussiert. Die Spieler sind hierhin gekommen, um etwas zu erreichen und sie sind auf dem Weg. Aber wie wir es schon immer sagen, noch haben wir nichts gewonnen." Das soll sich mit Spiel 5 möglichst ändern, wenn es nach den Verantwortlichen des Klubs geht.