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Pittsburghs große Leader

Sidney Crosby steht als Teamkapitän in einer Reihe mit großen Namen - allen voran Lemieux

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

"Er ist der Fahnenträger der jetzigen Generation …", sagte Pittsburgh Penguins Eigentümer Mario Lemieux am vergangenen Freitag beim NHL 100 Event auf dem Podium über Penguins Teamkapitän Sidney Crosby und fügte hinzu: "So wie es Wayne [Gretzky] während seiner aktiven Zeit war. Er ist ein hart arbeitender Spieler. Ob bei einer Übung oder bei einem 3-gegen-3 Spiel im Training, er möchte gewinnen und er möchte der Beste sein."

Was zeichnet einen guten Kapitän eines Eishockeyteams aus? Er ist der Wortführer seines Teams gegenüber der sportlichen Leitung und gleichzeitig deren erster Ansprechpartner, wenn es darum geht die Vorstellungen des Managements seinen Mitspielern zu übermitteln. In der Kabine ergreift er das Wort, wenn es darum geht die Mannschaft aufzurütteln. Er ist häufig der Spieler, der den Medienleuten bis zuletzt zur Verfügung stehen und deren Fragen beantworten muss. Hinzu kommen einzuhaltende Termine mit Sponsoren und Businesspartnern der Franchise. Er soll als Vorbild fungieren und als Aushängeschild des Teams jeder Situation gewachsen sein - sportlich und menschlich. Kurzum das Amt des Teamkapitäns ist so vielfältig, dass es nur außergewöhnliche Persönlichkeiten richtig gut ausfüllen können.

Als Sidney Crosby am 31. Mai 2007 von General Manager Ray Shero zum zwölften Teamkapitän in der Geschichte der Pittsburgh Penguins ernannt wurde, gewährte er dem damals 19-jährigen Stürmer einen enormen Vertrauensvorschuss. Die sportlichen Erwartungen hatte Crosby in seinen ersten zwei Spielzeiten vollends erfüllt. Seine Rookie-Saison 2005/06 hatte er mit 102 Scorerpunkten abgeschlossen und im Folgejahr räumte er die Hart Memorial Trophy als wertvollster Spieler der Liga, die Art Ross Trophy als NHL-Topscorer (36 Tore, 84 Assists) und den Lester B. Pearson Award der NHLPA als überragender Spieler ab.

Doch wird er auch mental, als jüngster Kapitän in der Geschichte der NHL, den weiteren Anforderungen gewachsen sein, die dieser Posten ihm abverlangen wird?

Video: BOS@PIT: Crosby schließt mit der Rückhand ab

Es waren keine leeren Worthülsen als Crosby damals auf der Pressekonferenz, nachdem er sich beim Trainerstab, Shero und Lemieux bedankt hatte, sagte: "Ich habe immer davon geträumt einmal diese Chance zu bekommen. Ich weiß, dass nun eine größere Last auf meinen Schultern liegt, doch ich bin bereit sie zu tragen. Als ich im Laufe der vergangenen Saison auf die Kapitänsrolle angesprochen wurde, glaubte ich noch nicht so weit zu sein. Doch jetzt mit dieser Mannschaft im Rücken, die aus einer Mischung junger und älterer Spieler besteht, könnte ich mir keine bessere Ausgangssituation vorstellen."

Knapp ein Jahrzehnt später wissen wir es genau: Crosby wird als einer der besten Teamkapitäne der Penguins in die Geschichte eingehen!

In wessen Fußstapfen konnte er treten.

Vor gut 50 Jahren, am 8. Februar 1966, bekam Pittsburgh den Zuschlag ein NHL-Team etablieren zu dürfen, am 5. Juni 1967 wurden die Penguins gegründet und in der Saison 1967/68 nahm die Franchise aus der Stahlstadt erstmals am Ligabetrieb teil.

Der vierfache Stanley Cup Champion Ab McDonald, der im Jahr zuvor noch für die Detroit Red Wings gespielt hatte, bekam als erster Penguin das Kapitänsamt übertragen. Er schloss zwar die Spielzeit mit 25 Toren und 31 Assists als zweitbester Scorer der Penguins ab, wurde aber nach Saisonende an die St. Louis Blues getradet. McDonalds Nachfolger wurde Earl Ingarfield, der jedoch während der Saison 1968/69 an die Oakland Seals abgegeben wurde. Die Penguins entschieden sich in den folgenden fünf Jahren ohne Teamkapitän anzutreten.

Ron Schock wurde dann zur Saison 1973/74 ihr Kapitän und sollte vier Jahre lang das Amt innehaben. Während dieser Zeit bestritt er 313 Spiele für die Penguins in Folge und stellte damit einen Franchiserekord auf, der erst am 6. Dezember 2014 von Craig Smith überboten werden konnte. Mit Schock als Kapitän zogen die Penguins dreimal in Folge in die Stanley Cup Playoffs ein. Schocks Nachfolger wurde Jean Pronovost.

Im folgenden Jahrzehnt trugen Pronovost (1977/78) sowie Terry Ruskowski (1986/87) für jeweils ein Jahr, und Orest Kindrachuk (1978-81), der jetzige Cheftrainer der Anaheim Ducks Randy Carlyle (1981-84) und der aus seinen Landshuter-, Berliner und Schwenninger DEL-Zeiten auch in Deutschland allseits bekannte Mike Bullard (1984-86, 86/87) drei Spielzeiten lang das 'C' des Teamkapitäns auf der Brust.

Einhergehend mit der Amtsübernahme durch Lemieux im Jahre 1988 folgten die erfolgreichsten Jahre der Penguins. Mit Lemieux als Spielführer (1987-1994, 1995-97, 2001-06) gewannen die Penguins zweimal in Folge den Stanley Cup (1991, 1992) und verpassten in den neun Jahren seiner ersten zwei Amtsperioden nur zweimal die Playoffs. Während seiner Auszeiten übernahmen Ron Francis (1994/95, 1997/98) und Jaromir Jagr (1998-2000) das Kapitänsamt.

Lemieux setzte in seiner Funktion als Teamkapitän nicht nur in sportlicher Hinsicht Maßstäbe, an denen sich jeder Kapitän in der Liga messen lassen muss. Zu überbieten sind sie wohl kaum.

Der frankokanadische Center wurde zum Gesicht der Penguins. Er blieb der Franchise, deren Trikot er 17 Spielzeiten lang trug, immer treu und er unterstützte sie, wo es nur ging. Sei es auf dem Eis während seiner aktiven Zeit, sei es während seiner Erkrankung am Hodgkin-Lymphom oder nach seinem ersten Karrierende im Anschluss der Spielzeit 1996/97, er stand ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite. Auch als Finanzier und Teameigentümer, in einer Phase, in der die Franchise kurz vor dem Bankrott stand, ließ Lemieux die Penguins nicht im Stich.

Eines ist gewiss: Ohne Lemieux würden die Penguins wahrscheinlich nicht mehr existieren.

Lemieux war es auch, der Crosby unter die Fittiche als dieser nach Pittsburgh kam. Während der Saison wohnte Crosby bei den Lemieuxs und hat als junger Mann ganz sicher vom großen Vorbild einer ganzen Generation einige Tipps mitbekommen, von denen er noch heute profitieren kann.

Crosby füllt mittlerweile in der zehnten Saison in Folge das Amt des Teamkapitäns aus und ist damit Pittsburghs zweitlängster Amtsinhaber. Noch zwei Jahre fehlen ihm bis er in diesem Punkt mit Lemieux gleichgezogen hat, doch nur noch ein paar Tage dürfte es dauern, bis der Center mit der Nummer 87 auf dem Rücken seinen 1000. NHL-Scorerpunkt feiern wird. Sechs Zähler muss er noch erzielen, dann darf er die vom Herzen kommenden Gratulationen seiner Teamkollegen in Empfang nehmen.

Einen Lemieux (690 Tore, 1033 Assists) wird er vermutlich punktemäßig nicht mehr überbieten können, doch sein Gesicht wird von einer neuen, einer jüngeren Generation immer mit sportlichen Erfolgen der Penguins verbunden sein.

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