Flyers 9/11

Vor dem Start der NHL Preseason 2025/26 am 20. September bietet NHL.com/de einen detaillierten Einblick in jedes Team.

In dieser Ausgabe: Philadelphia Flyers

Die gute Nachricht für die Philadelphia Flyers und deren Anhänger: Es kann in der Saison 2025/26 sportlich im Prinzip nur besser werden. Mit 76 Zählern war das Team aus der Stadt der brüderlichen Liebe am Ende der vergangenen Spielzeit punktgleich mit den Boston Bruins am Ende der Tabelle der Eastern Conference zu finden. Deutlich zu wenig für die Anhänger, die in Philadelphia traditionell sehr leidenschaftlich mit ihren Teams mitfiebern.

Das Team in höhere Tabellenregionen führen soll der neue Coach Rick Tocchet. Er wurde zur neuen Saison verpflichtet, nachdem John Tortorella am 27. März entlassen worden war und Brad Shaw die Mannschaft in der Schlussphase der Saison 2024/25 betreut hatte. Tocchet weiß, was es bedeutet, in der Organisation der Flyers aktiv zu sein. Der 61-Jährige begann seine Spielerkarriere in der NHL (1144 Spiele, 440 Tore, 512 Assists) 1984 dort und beendete sie 2002 auch hier. 1992 gewann er mit den Pittsburgh Penguins den Stanley Cup. Er weiß also, was es braucht, um als Team erfolgreich zu sein.

Auch als Trainer hat er schon bewiesen, dass er es kann. 2024 führte er die Vancouver Canucks an die Spitze der Pacific Division und wurde mit dem Jack Adams Award als bester Trainer der Saison ausgezeichnet. Allerdings verpasste er in der vergangenen Spielzeit mit dem Team die Playoffs. In Philadelphia wartet ein Berg Arbeit auf ihn. Entsprechend ihrer Tabellenposition, waren auch die Teamstatistiken der Flyers nicht gerade berauschend. Mit 232 Treffern landete der Sturm der Flyers im ligaweiten Vergleich lediglich auf Platz 24. Noch schlechter war die Verteidigung, die mit 283 Gegentoren die fünftschlechteste der NHL in der abgelaufenen Saison war.

Fast schon eine logische Folge davon war, dass auch die Special Teams der Flyers nicht überzeugten. Das Überzahlspiel war mit einer Quote von 15 Prozent das drittschlechteste der NHL. Die Unterzahleinheit war mit 77,6 Prozent Erfolgsquote auf Platz 20 bestenfalls Mittelmaß. Es gibt also genügend Punkte, an denen der neue Chef hinter der Bande ansetzen kann und muss.

Die Ziele erreichen soll Tocchet mit einem lediglich punktuell ergänzten Kader. General Manager Daniel Briere hat das Team zusammengehalten. Prominentester Neuzugang ist Trevor Zegras. Der 24-jährige Stürmer war 2019 in der ersten Runde des NHL-Drafts an neunter Stelle von den Anaheim Ducks gezogen worden. Mit großen Hoffnungen. Doch in den vergangenen beiden Spielzeiten kam er verletzungsbedingt in Kalifornien nicht mehr richtig in die Gänge. Briere holte ihn im Trade für Angreifer Ryan Poehling und zwei Draftpicks nach Pennsylvania. Hier will Zegras seiner NHL-Karriere neues Leben einhauchen.

Die erste Reihe bei den Flyers scheint allerdings schon vor dem Start der Preseason nach Lage der Dinge gesetzt mit Matvei Michkov, Sean Couturier und Travis Konecny. Die Hoffnungen ruhen hier vor allem auf dem Russen. Michkov überzeugte in seiner Rookiesaison mit 26 Toren und 37 Vorlagen in 80 Spielen. Ein Sophomore Slump, also eine Formdelle in der zweiten Saison, ist nicht eingeplant. Im Gegenteil. Die Erwartungen gehen eher in die Richtung, dass der Linksaußen seine Produktion noch steigert.

Wirf einen Blick auf die besten fünf Tore von Matvei Michkov aus der vorigen Saison

Folglich würde sich Zegras in der zweiten Reihe auf dem linken Flügel wiederfinden. Sein Center könnte dann Christian Dvorak sein. Den Routinier mit neun Saisons NHL-Erfahrung nahm Briere als Free Agent unter Vertrag (ein Jahr, 5,4 Millionen US-Dollar). In Montreal brachte es der Stürmer in 82 Partien der abgelaufenen Saison auf zwölf Tore und 21 Vorlagen. Von seinen über 15 Minuten Spielzeit pro Partie kamen dabei mehr als zwei Minuten in Unterzahl zusammen. Das könnte dafürsprechen, dass die Flyers mit Dvorak als Anführer der Penalty Killing Einheit planen. Ihn mit Zegras in einer Reihe spielen zu lassen, wäre ebenfalls ein kluger Schachzug. Denn Dvorak kennt Tocchet und dessen System bereits. Dvorak trug das Trikot der Arizona Coyotes, als Tocchet dort Trainer war, was dem Spieler den Einstieg und beiden die Zusammenarbeit erleichtern sollte.

Am Ende wird es aber darauf ankommen, dass Tocchet der Defensive zu mehr Standfestigkeit verhilft. Nicht hilfreich ist da, dass die Flyers wohl noch einige Zeit auf Rasmus Ristolainen verzichten müssen. Der Finne musste sich Ende März einer Operation an der rechten Trizepsehne unterziehen. Briere rechnete damals damit, dass sich Ristolainen wieder voll erholen werde. Den Start des Trainingscamps wird er allerdings verpassen.

So müssen in der Abwehr erstmal andere Spieler den Ton angeben. Cam York, zum Beispiel. Der damalige Restricted Free Agent unterzeichnete Anfang Juli einen neuen Vertrag bei den Flyers über fünf Jahre, der ihm durchschnittlich 5,15 Millionen US-Dollar pro Jahr einbringen wird. In der vergangenen Saison kam er in 66 Spielen auf vier Tore und 13 Vorlagen.

„Ich liebe Philadelphia. Das ist mein Zuhause, hier fühle ich mich wohl und will so lange wie möglich bleiben“, sagte York im Juli. Er habe unbedingt bei den Flyers bleiben wollen und ein Teil dessen sein, was bei der Mannschaft gerade passiere. York gab unumwunden zu, dass er in der vergangenen Saison nicht sein komplettes offensives Potenzial habe abrufen können. In der Saison davor hatte er noch Bestleistungen aufgestellt, was Tore (zehn) und Vorlagen (20) anbelangt.

„Ich fühle, dass ich offensiv noch so viel mehr zu geben habe. Ich fühle, dass ich viele Fähigkeiten habe, die andere Verteidiger nicht haben. Ich denke, wenn ich auf der Höhe meines Schaffens bin, bin ich ein sehr vielseitiger Spieler.“ Auch er freut sich auf einen Neustart unter dem neuen Trainer. Wenn sich in der Vorbereitung kein anderer Akteur in den Vordergrund spielt, wird York nach Lage der Dinge das erste Verteidigerpärchen mit Travis Sanheim bilden.

„Wir sind froh, dass wir Cam für die nächsten fünf Jahre unter Vertrag haben. Er wird ein Hauptbestandteil unserer Abwehr“, meinte Briere. „Cam war in den vergangenen Jahren ein Arbeitspferd für unser Team. Wir freuen uns über seine Entwicklung und freuen uns darauf, dass weiter in seine Rolle als junger Leader unseres Teams hineinwächst.“

Cam York 5 year contract with PHI

Dahinter sieht es allerdings sehr dünn aus, was die Qualität des Personals angeht. Zwar hat Briere auch die Defender Noah Juulsen und Dennis Gilbert nach Philadelphia geholt, doch die beiden sind mehr als Ergänzungsspieler zu sehen.

Im Tor haben die Flyers den Konkurrenzdruck etwas erhöht. Samuel Ersson hatte sich in der vergangenen Saison als Nummer eins etabliert. Mit Dan Vladar verpflichtete Briere in der Offseason aber einen Keeper, der offenbar richtig Lust auf die Flyers hat. „Dan Vladar hat uns sehr früh mitgeteilt, dass er hier eine Chance gesehen hat. Er wollte nach Philadelphia kommen und sich beweisen. So sind wir darauf gekommen“, erläuterte Briere, wie es zu der Verpflichtung kam.

So gehen die Flyers mit vier Keepern in die Vorbereitung, die schon NHL-Erfahrung haben. Außer Ersson und Vladar stehen noch Ivan Fedotov und Aleksei Kolosov zur Verfügung und werden alles daransetzen, ihre Spielzeit zu bekommen. Nach den Leistungen der vergangenen Jahre sehe es zwar so aus, dass die Flyers mit Ersson/Vladar in die Saison gehen, sagt auch Briere. „Aber wie viele Teams gehen nur mit zwei Goalies in die Saison? Nicht sehr viele. Man braucht drei, vier Torhüter. Meine Botschaft ist, dass es keine Rolle spielt, an welcher Stelle man gerade ist. Komm her, sei bereit, und wenn du dran bist, musst du Leistung bringen.“ Er hoffe, dass die Flyers dafür die Rahmenbedingungen schaffen können. „Wir brauchen mindestens drei Goalies, vielleicht sogar mehr. Wir wissen das, und ich denke, dass uns Vladar in eine bessere Position bringt.“

Vorspielen darf der Kader in sieben Preseason-Partien – auswärts gegen die New York Islanders, Montreal Canadiens, Washington Capitals und Boston Bruins, Heimspiele gibt es gegen Boston, die Islanders und die New Jersey Devils. Und dann müssen die Flyers auch gleich sowas von bereit sein. Denn das Auftaktprogramm hat es in sich. Saisonauftakt ist bei Titelverteidiger Florida Panthers, dann geht es zu den Carolina Hurricanes. Im Anschluss geht es zu Hause wieder gegen Florida, die Winnipeg Jets und die Minnesota Wild – allesamt Mannschaften, die in der vergangenen Saison in den Playoffs waren. Nach diesen Spielen wird sich womöglich schon zeigen, in welche Höhen die Flyers abheben können.

Voraussichtliche Aufstellung

Matvei Michkov – Sean Couturier – Travis Konecny

Trevor Zegras – Christian Dvorak – Owen Tippett

Tyson Foerster – Noah Cates – Bobby Brink

Nicolas Deslauriers – Rodrigo Abols – Garnet Hathaway

Cam York – Travis Sanheim
Nick Seeler – Jamie Drysdale
Egor Zamula – Noah Juulsen

Samuel Ersson

Dan Vladar

Top-Talent, auf das es zu achten gilt

Porter Martone (F) – Der 18 Jahre alte Kanadier ist mit vielen Vorschusslorbeeren behaftet. Die Flyers zogen ihn in der ersten Runde des diesjährigen NHL Drafts an sechster Stelle. Er gilt als Powerforward (1,91 m groß, 95 kg schwer) und exzellenter Spielmacher. Im läuferischen Bereich muss er allerdings noch zulegen. In der vergangenen Saison lief er für die Brampton Steelheads in der OHL auf, verbuchte dabei in 57 Spielen 37 Tore und 61 Vorlagen und verpasste somit nur knapp die Marke von 100 Scorerpunkten. Schlägt bei den Flyers das Verletzungspech zu, könnte er schneller zu seinem NHL-Debüt kommen, als er vielleicht denkt.

Porter Martone von Philadelphia Flyers gedraftet

Was eine erfolgreiche Saison ausmacht

Die Philadelphia Flyers müssen sich in allen Bereichen steigern. Der Vorteil, wenn man vom letzten Platz in der Conference kommt, ist, dass die Erwartungen nicht zu hoch sein sollten. Für den neuen Coach Tocchet kommt es darauf an, wieder mehr Stabilität in die Defensive zu bringen und die Special Teams effektiver zu machen. Eine Steigerung, was die Punktausbeute betrifft, sollte automatisch mit einer besseren Platzierung verbunden sein. Die Playoffs sind in der Saison 25/26 wohl noch außer Reichweite. Ein Erfolg wäre es folglich, wenn bei den Flyers die Handschrift des neuen Übungsleiters auf dem Eis zu sehen ist und sich das auch noch in der Tabelle widerspiegelt.

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