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Mit seinem 1.678. Einsatz in einem NHL-Spiel der regulären Saison hat Patrick Marleau von den San Jose Sharks am Montag die NHL-Legende Gordie Howe als Rekordspieler der Liga abgelöst. Marleau kam im Auswärtsspiel bei den Vegas Golden Knights in der T-Mobile Arena, das seine Mannschaft nach einem Shootout mit 2:3 verlor, auf 17:21 Minuten Eiszeit, blieb dabei punkt- und torlos. Im Penaltyschießen scheiterte Marleau zudem mit seinem Versuch an Torhüter Robin Lehner.

"Ich werde versuchen, alles so gut wie möglich in mich aufzunehmen", sagte Marleau bereits am vergangenen Samstag, nach Spiel 1.767. "Der spaßige Teil ist, ein richtiges Spiel zu spielen und all das. Meine Familie wird dabei sein, um mitzufeiern, also wird es etwas ganz Besonderes sein, sie im Gebäude zu haben."
Auch sein Trainer war sich bereits im Vorfeld des Rekordspiels sicher, dass dies ein historischer Moment sein wird, wenn Marleau in Las Vegas das Eis zu seinem Rekordeinsatz betreten wird. "Es wird die Ehre sein, bei einem Spiel dabei zu sein und zu sehen, wie Patty Geschichte schreibt, und der andere Teil ist, dass wir gut mit ihm spielen und stolz auf die Art und Weise sein können, wie wir spielen", orakelte Coach Bob Boughner. Und so kam es letztendlich auch.
Nach der Begegnung hob der Coach noch einmal explizit hervor, wie besonders dieser Tag für Marleau, die gesamte Mannschaft und den Betreuerstab war: "Das war heute ein extrem emotionaler Tag. Wir haben viel über seine Karriere und den Rekord gesprochen. Wir werden uns für immer daran erinnern."

SJS@VGK: Marleau ist neuer NHL-Rekordspieler

Marleau selber gab sich nach dem Spiel eher wortkarg und rang mit seinen Gefühlen, die ihn zeitweise zu überwältigen drohten: "Ich möchte mich einfach bei allen bedanken, die diesen Tag für mich zu einem ganz besonderen in meinem Leben gemacht haben, die heute an mich gedacht haben."
Auch wenn das Ergebnis am Ende nicht dem entsprach, was dem Anlass aus Sicht von Marleau bzw. den Sharks entsprochen hätte, bleibt ein Abend in Erinnerung, von dem noch lange erzählt werden wird. Die historische Dimension wird unbenommen bleiben.
Marleau ist aktuell in seiner 23. NHL-Saison und hat in 21 Spielzeiten 1.596 Spiele für die Sharks bestritten, darunter 45 in dieser Saison, womit er seine Serie von aufeinanderfolgenden Regular-Season-Spielen auf 899 verlängert hat, die viertlängste in der NHL-Geschichte.
"Es ist unglaublich! Er ist in seiner ganzen Karriere so konstant gewesen", sagte Golden Knights-Torwart Marc-Andre Fleury voller Respekt vor Marleau. "Er hat sich nicht verletzt, war nicht für längere Zeiträume außer Gefecht. In jedem Jahr seiner langen Laufbahn war er immer ein sehr guter Spieler. So lange durchzuhalten und jedes Spiel zu spielen, ist erstaunlich. Er wird in der Liga sehr respektiert. Ich kenne ihn persönlich nicht sehr gut, aber er war immer respektvoll und im persönlichen Umgang sehr nett. Ich denke, dass er das Lob, das er für das Erreichen dieses Meilensteins aktuell bekommt, sehr verdient hat."
Marleau, der in Aneroid, Saskatchewan, geboren wurde, hat in zwei Spielzeiten 164 Spiele für die Toronto Maple Leafs (von 2017 bis 2019) und in der vergangenen Saison acht Spiele für die Pittsburgh Penguins bestritten.

Patrick Marleau absolviert sein erstes NHL-Spiel

"Ich sehe dies aktuell als tolle Gelegenheit, mich bei allen zu bedanken, die mir auf meinem Weg in dieser Liga über die Jahre geholfen haben, denn es gibt keine Möglichkeit, in dieser Liga zu spielen oder so lange zu spielen, ohne ein riesiges Unterstützungssystem", sagte Marleau kürzlich gegenüber den Kollegen von "Hockey Night in Canada".
Überholt hat er mit NHL-Legende Howe einen Spieler, der den NHL-Rekord für Spiele in der regulären Saison seit dem 26. November 1961 hielt, als er Ted Lindsay überflügelte und der erste Spieler wurde, der die 1.000 Spiele-Marke erreichte. Howe spielte am Ende seine 1.687 Spiele in 25 Saisons bei den Detroit Red Wings, bevor er im Jahre 1971 offiziell in den Ruhestand ging.
Nachdem er zwei Jahre später aus dem Ruhestand zurückkam, und ab 1973 dann noch 419 Spiele in sechs Spielzeiten in der World Hockey Association für Houston und New England bestritt, kehrte er noch einmal für eine Saison in die NHL zurück. In der Saison 1979/80 spielte Howe weitere 80 Spiele für die Hartford Whalers, bevor er sich danach endgültig im Alter von 52 Jahren aus der NHL verabschiedete. Er starb am 10. Juni 2016 im Alter von 88 Jahren.
Zur Einordnung: Howe ist bis heute, mit 801 erzielten Toren nach Wayne Gretzky (894), der zweiterfolgreichste Torjäger der NHL-Geschichte und mit 1.850 Punkten der viertbeste Akteur in der Scorer-Wertung. Marleau ist 23. in Sachen Tore (566) und 50. in Bezug auf die Anzahl der gesammelten Punkte (1.196).
"Als ich aufwuchs und mir Eishockeykarten und Statistiken ansah, habe ich mir als Erstes immer alle Spieler aus Saskatchewan angesehen, die dort aufgewachsen sind und es in die NHL geschafft haben, denn dort war ich, und dort wollte ich hin, und er war natürlich ganz oben auf der Liste", schwärmte Marleau über sein Vorbild Howe.
Ausgewählt von San Jose mit der Nummer zwei im NHL-Draft 1997, gab Marleau sein Liga-Debüt direkt 16 Tage nach seinem 18. Geburtstag, am 1. Oktober 1997, gegen die Edmonton Oilers. Er war damit der jüngste Spieler, der sein NHL-Debüt gab, seit Hy Buller mit 17 Jahren und 267 Tagen am 7. Dezember 1943 bei den Red Wings erstmalig in Erscheinung trat.

SJS@MIN: Fans ehren Marleau

"Es ist unglaublich, ein bisschen mit Patty zusammen spielen zu dürfen und zumindest ein Stück weit Zeuge all der harten Arbeit zu sein, die er investiert hat, um an diesen Punkt zu kommen, an dem er diese Art von Rekord bricht", sagte San Jose-Stürmer Timo Meier in Richtung des neuen NHL-Rekordspielers. "Es ist natürlich unglaublich für ihn. Alle Teamkollegen sind unglaublich stolz, und wir fühlen uns wirklich geehrt, im selben Team zu sein und diesen Rekord mitzuerleben."
Anerkennend hat sich auch Marco Sturm geäußert: "Das ist eine unglaubliche Geschichte. Mit ihm habe ich meine Karriere begonnen. Er war mein Zimmerpartner, wir haben zusammen gewohnt. Wir waren sieben Jahre lang zusammen. Und jetzt: Ich fühle mich alt, alles tut mir weh und stehe hinter der Bank und er fährt immer noch auf dem Eis herum. Da muss ich schon immer schmunzeln, wenn wir gegen San Jose spielen. Der Patty ist oder war schon immer ein guter Spieler. Vor allem er war nie verletzt oder krank. Das hat es nie gegeben und das kommt ihm jetzt bei dem Rekord zu Gute. Man merkt, dass er aus einer kanadischen Farmer-Familie kommt, wo jeden Tag viel gearbeitet wird. Das hat man auch bei ihm gemerkt, als er kam. Er war schon ohne Training sehr muskulös und hat die Kraft vom Vater mitbekommen. Sein Bruder, den ich kennenlernen durfte, ist vom gleichen Schlag. Diese körperliche Konstitution hat ihm über die Zeit sicher geholfen, verletzungsfrei zu bleiben. Aber es gehört auch das Talent und spielerische dazu, das bei ihm außergewöhnlich ist. Es freut mich für ihn außerordentlich, dass Patty jetzt ganz oben steht."
Insbesondere auch die lange Serie von NHL-Spielen ohne Verletzungspausen beindruckt den ehemaligen Bundestrainer: "Vor allem früher war das Spiel noch deutlich härter und dabei immer komplett verletzungsfrei und immer im Kader zu bleiben. Das ist sehr schwierig. Von daher Hut ab!"