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Rund um die NHL Trade Deadline geraten im Tabellenkeller platzierte Mannschaften häufig in Gefahr eine Saison innerlich schon ein Stück weit abzuschenken. Haben namhafte Spieler das Team verlassen, wird das Auge von den Verantwortlichen schon vermehrt auf die kommende Spielzeit gerichtet, droht die hundertprozentige Motivation und innere Anspannung bei den Spielern, ein paar am Ende womöglich entscheidende Prozente nachzulassen.

So gesehen laufen auch die Ottawa Senators akut Gefahr, die notwendige Einstellung ein Stück weit zu verlieren. Mit mageren 32 Punkten (14-25-4) nach 43 gespielten Partien, hat die Mannschaft von Tim Stutzle in der Scotia North Division den Anschluss an die für eine Teilnahme an den kommenden Stanley Cup Playoffs berechtigenden ersten vier Tabellenplätze längst verloren.
Von den viertplatzierten Montreal Canadiens (18-12-9) trennen die Senators derzeit 13 Punkte. Zudem hat Montreal mit 39 Spielen vier Duelle weniger absolviert als Ottawa. Ernsthafte Playoff-Ambitionen hegt in der kanadischen Hauptstadt schon länger niemand mehr.

OTT@TOR: Stützle schießt aus dem Bullypunkt

Trotzdem zeigten die Senators am Montag, dass sie die laufende Saison keinesfalls frühzeitig herschenken wollen. Gegen die Winnipeg Jets lagen die Hausherren im heimischen Canadian Tire Centre zwischenzeitlich schon mit 0:2 im Hintertreffen, drehten die Begegnung in der Folgezeit jedoch noch zu einem 4:2-Erfolg. Diese Energieleistung war in Anbetracht der Tabellensituation, des gerade durchlebten Endes der Wechselfrist in der Liga und der zuvor erlittenen Niederlagenserie von vier Pleiten in Folge, keine Selbstverständlichkeit.
Ohne das eine Spiel direkt überbewerten zu wollen, blicken sie in Ottawa wieder zuversichtlicher in Richtung der verbleibenden Spiele der regulären Saison 2020/21.

WPG@OTT: Tkachuk im Breakaway zum 2. Tor

Nach den jüngsten Niederlagen gegen die Jets (3:4 am 5.4.), Edmonton Oilers (2:4 am 7.4., 1:3 am 8.4) und Toronto Maple Leafs (5:6 am 10.4.), stand es auch beim Heimspiel gegen Winnipeg am Montag zunächst gar nicht gut um die Senators.
"Ein ziemlich mutiger Sieg, nachdem wir 0:2 hinten lagen", sagte Ottawas Trainer D.J. Smith. "Viele junge Leute fangen manchmal an, auf ihre eigene Seite zu gehen, aber das haben wir heute Abend nicht getan. Wir haben einen Weg gefunden, uns einen Sieg zu holen."
"Alle vier Reihen haben in diesem Spiel ihren Beitrag geleistet", befand Connor Brown, der im achten Spiel in Folge traf. "Wir werden immer besser, haben auch schon vorher gute Spiele gespielt, gegen echte Top-Teams, die jetzt bereit sind, Cups zu gewinnen. Inzwischen können wir gut mit ihnen mithalten. Wir hängen nicht nur ständig hinten drin und verlassen uns auf unseren Torwart. Wir sind in den Spielen voll mit dabei."
Erfreulich auch, dass Neuzugang Victor Mete in seinem Debüt im Trikot der Senators direkt gut mit seinen Mitspielern harmonierte und auf 9:43 Minuten Eiszeit kam. Ottawa hatte ihn erst am Montag von den Canadiens über die Waiver Liste hinzubekommen.
"Es war schon ziemlich verrückt", erinnerte sich Mete. "Ich hatte am Morgen vor dem Spiel noch Training in Montreal und bin danach mit den Reservisten aufgelaufen. Am Mittag wurde mir dann mitgeteilt, dass ich von Ottawa verpflichtet wurde. Ich bekam einen Anruf von Senators General Manager Pierre Dorion und D.J., die mich fragten, ob ich zum Spiel kommen könnte, und ich sagte: 'Ja.' ... Meine Verlobte und ich haben schnell gepackt und sind direkt zur Eishalle gefahren."
Die Stimmung in Ottawa war auch beim Training am Tag nach dem Spiel entsprechend gelöst. Trotzdem wollte sich Coach Smith in seinen Gedanken am Dienstag nicht auf zu optimistische Aussagen einlassen: "Eishockey ist ein reines Tagesgeschäft. Es verändert sich immer so viel, so schnell. Wir schauen deshalb nicht zu weit voraus in die Zukunft, entscheiden und bewerten unsere Lage immer nur von Spiel zu Spiel. Nach dem kommenden Heimauftritt gegen die Jets steht für uns als nächstes eine Auswärtstour an. Da kann naturgemäß sehr viel passieren."
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Ihren guten Kampfgeist und die wiedergefundene Frische und Leichtigkeit können die Senators direkt am Mittwoch neu unter Beweis stellen, wenn abermals das Team aus Winnipeg der Gegner sein wird (7 p.m. ET; NHL.tv; Do. 1 Uhr MESZ).
Vielleicht ist dann auch der zuletzt längerfristig verletzt ausgefallene Torhüter Matt Murray, der sein letztes Spiel für Ottawa am 10. März gegen Edmonton bestritt, wieder im Einsatz. Nach dem Training am Dienstag gab er sich jedenfalls zuversichtlich und grundsätzlich einsatzbereit: "Ich fühle mich sehr gut. Ich mache täglich Fortschritte und vielleicht kann ich schon im kommenden Spiel wieder mitwirken. Das werden wir aber erst kurzfristig entscheiden."