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In der Saison 2020/21 war Michael Raffl der einzige Österreicher in der NHL. Das dürfte sich 2021/22 ändern: Mit Marco Rossi steht ein österreichisches Top-Talent in den Startlöchern. Nach einem echten Horror-Jahr ist der 20-jährige Stürmer besser denn je.

Von den Vorgängern inspiriert
Sechs Österreicher spielten bislang in der NHL: Christoph Brandner, Thomas Pöck, Andreas Nödl, Thomas Vanek, Michael Grabner und als einzig aktiver noch Raffl (Dallas Stars). "Ich habe zu ihnen aufgeschaut und mich von allen inspirieren lassen. Ich habe mir immer gesagt: Ich komme auch aus Österreich, ich werde es auch schaffen. Sie waren meine Motivation", sagt Rossi, der nächste Stern am österreichischen Eishockey-Himmel.
Rossi wurde beim NHL Draft 2020 in der 1. Runde an 9. Stelle von den Minnesota Wild ausgewählt und kämpft derzeit um einen Platz im NHL-Kader. "Die Chance ist sehr groß", glaubt der in Feldkirch geborene Angreifer. "Die Trainer haben das bestätigt. Sie sind sehr zufrieden mit mir momentan. Aber man muss sich den Platz verdienen und jeden Tag die maximale Leistung bringen. Ich habe ein gutes Gefühl und bin extrem selbstbewusst. Jetzt muss ich beweisen, dass ich bereit bin. Dann steht nichts mehr im Weg."
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"Ich hatte Angst, dass ich nicht mehr aufwache"
Dass Rossi aktuell so nah dran ist, sich seinen NHL-Traum zu erfüllen, ist nicht selbstverständlich. Im November 2020 erkrankte der Linksschütze an Covid-19. "Zunächst war ich zehn Tage in Quarantäne und konnte danach eigentlich wieder Sport machen. Aber ich war die ganze Zeit müde. Es hat nie aufgehört. Das war der Horror für mich, denn ich wusste nicht, was abgeht. Irgendwann musste ich ein Training auslassen, weil ich nicht mehr konnte. Ich brauchte eine Pause. Das war der Moment, wo ich zu mir selbst gesagt habe: Da stimmt was nicht."
Daraufhin ließ sich Rossi medizinisch durchchecken. "Die Ärzte haben gesagt, ich soll keinen Sport mehr machen. Wir haben über drei Wochen jeden Tag Tests gemacht. Jeden Tag gab es eine neue Diagnose. Es hieß: Wenn ich ein Spiel mehr gemacht hätte, dann hätte es zu Ende sein können", erinnert sich das Talent, das als Folge von Corona an einer Herzmuskelentzündung litt. "Es geht dir viel durch den Kopf, wenn du hörst, dass du fast gestorben wärst. Das war nicht leicht. Vor allem vor dem Schlafengehen hatte ich Angst, dass ich am nächsten Morgen nicht mehr aufwache. Es war schrecklich."

Rossi aber überstand diese schlimme Zeit und kämpfte sich mit einer Jetzt-erst-Recht-Einstellung zurück. "Ganz der alte Marco bin ich nicht mehr - ich bin jetzt der bessere Marco", betont der 20-Jährige. "Ich bin viel hungriger, meine Ziele zu erreichen. Die Vorfreude ist umso größer. Vielleicht hat es genauso kommen müssen."
500.000 Kilometer durch die Alpen
Schon im Juniorenbereich musste Rossi lernen, sich durchzubeißen: Während seiner Zeit in Zürich pendelte er von Feldkirch aus über die Grenze in die Schweiz. Für ihn bedeutete das nur wenig Schlaf und viel Zeit im Auto. "Wir sind in dreieinhalb Jahren 500.000 Kilometer gefahren", berichtet Rossi, dessen Vater als Chauffeur einsprang. "Darüber zu reden ist auch für mich gerade Gänsehaut pur. Mir kommen ab und zu die Tränen, weil es so rührend ist, was er alles für mich gemacht hat. Ich bin sehr dankbar. Es war eine sehr harte Zeit für die ganze Familie. Auch für meine Mama und meine Schwestern, ohne deren Unterstützung das alles nicht möglich gewesen wäre. Ich habe dadurch so einen großen Ehrgeiz entwickelt, jeden Tag Vollgas zu geben, wollte immer der Beste sein, noch mehr lernen, noch mehr trainieren und für sie gewinnen."
Mit diesem Ehrgeiz sammelte der 1,76 Meter große und 84 Kilogramm schwere Stürmer nicht nur Scorerpunkte in Zürich, sondern später auch in der OHL bei den Ottawa 67's, für die er bis zu seinem Draft spielte. In der Saison 2019/20 wurde er mit 120 Scorerpunkten (39 Tore, 81 Assists) in 56 Spielen sogar der ligaweite Top-Scorer.

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"Ich bin ein Spielmacher", sagt Rossi über sich. "Mein Ziel ist, dass ich gut in der Offensivzone, aber auch in der Defensivzone spiele. Ich will jeden Zweikampf gewinnen und hasse es zu verlieren."
Kontakt zu Sturm und Fiala
Mit dieser Einstellung will er sich nun in der NHL durchsetzen und scheint nach dem eingeleiteten Verjüngungsprozess in Minnesota genau am richtigen Ort. "Wir haben viele Rookies, die sich in jedem Training zeigen wollen. Jeder will sich beweisen und es schaffen. Ich habe ein Ziel - und das ist die NHL", betont Rossi und verdeutlicht, dass er sich bei den Wild pudelwohl fühlt: "Die Mannschaft, die Spieler, der Klubleitung und auch die Stadt gefallen mir sehr gut. Selbst beim Training sind Hunderte von Zuschauern dabei. Man merkt, dass großer Eishockey-Support da ist und dass es hier sehr viele Eishockey-Verrückte gibt."

6.5 Marco Rossi

Mit dem Deutschen Nico Sturm und dem Schweizer Kevin Fiala hat Rossi gleich zwei Mitspieler, mit denen er Deutsch sprechen kann. "Wir haben uns schon ein paar Mal ausgetauscht", sagt Rossi, der jetzt in die Fußstapfen von Vanek und Grabner treten will. "Wir haben sehr gute Eishockeyspieler. Aus Österreich kommt kein Druck, den mache ich mir selbst, weil ich unbedingt in die NHL-Mannschaft kommen möchte."