Kuch-Vasi-TBL

Drei Siege in Folge konnten die Tampa Bay Lightning zu Beginn des Stanley Cup Finales gegen die Montreal Canadiens einfahren. Mit ihrem 3:0-Vorsprung in der Best-of-Seven-Serie stehen ihnen alle Türen auf den Erfolg und den zweiten Titelgewinn hintereinander offen. Ein Sieg am Montag in Spiel 4 (8 p.m. ET; NHL.tv, Sport1, Sport1+, DAZN; Di. 2 Uhr MESZ) würde den ersten Final-Sweep seit 1998 bedeuten. Damals ging der Stanley Cup an die Detroit Red Wings, die im Finale ohne Niederlage gegen die Washington Capitals blieben. Neben dem Hauptthema, der Titelverteidigung, bewegt auch die Frage um den besten Spieler der Playoffs die Lightning.

Sollten die Lightning, als erst zweite Mannschaft seit Einführung der Gehaltsobergrenze 2005/06, ihren Titelgewinn in der darauffolgenden Saison wiederholen können, so würde die Wahl des Gewinners der Conn Smythe Trophy zwischen Nikita Kucherov und Andrei Vasilevskiy fallen. Beide ragen mit ihren individuellen Leistungen noch aus der Masse der starken Akteure in Tampa Bay heraus.
Beim Blick auf die Statistiken fällt sofort Kucherov ins Auge. Der Angreifer musste die gesamte reguläre Saison verletzungsbedingt pausieren und kam erst zur Schlussrunde wieder in die Mannschaft zurück. Die Rückkehr hätten sich Kucherov und die Lightning nicht besser vorstellen können. Mit 32 Punkten ist der russische Stürmer der punktbeste Spieler der Stanley Cup Playoffs und hat so viele verbucht, wie seit 2009 (Evgeni Malkin; 36) kein Conn Smythe Gewinner mehr. Seine 24 Vorlagen sind acht mehr als der zweitplatzierte Victor Hedman vorweisen kann.

TBL@MTL, Sp3: Rutta erzielt das erste Tor des Abends

Sein Trainer, Jon Cooper, war von der Anzahl der Punkte überrascht und betonte die Bedeutung des Stürmers. "Ich weiß nicht, ob die Leute realisieren, dass sein Spiel mehr beinhaltete, als in Überzahl zu spielen. Er kann das Match an sich reißen. Er ist da draußen, wenn wir eine Führung verteidigen müssen. Er tut so viel mehr, was aufgrund seiner Punkte unbemerkt bleibt."
Besonders in den Finalpartien versteht es Kucherov dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Fünf Punkte (3 Tore, 2 Vorlagen) konnte er in den drei Duellen mit den Canadiens sammeln und ist damit der punktbeste Akteur auf dem Eis. Seine Zähler sammelte Kucherov meist in wichtigen Momenten. In Spiel 3 legte er das 2:0 in Überzahl auf und netzte selbst zum 3:1 ein.
Auch seinen Mannschaftskollegen ist klar, dass die Punkte einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg haben. "Es hilft uns natürlich Spiele zu gewinnen. Er ist einer der besten Spieler der Liga und sammelt Punkte, wie es nicht viele andere schaffen", schwärmte Ryan McDonagh von Kucherov. "Er kann in verschiedenster Weise punkten. In Überzahl und bei Fünf-Gegen-Fünf. Wenn er sein Spiel spielt, dann nimmt er einfach das, was er bekommt und ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit seinen großartigen Reihenkollegen kann er sie oft in Schusspositionen bringen, genau so wie sie es bei ihm machen können. Wenn er abliefert, dann ist das ein gutes Zeichen für uns."

TBL@MTL, Sp3: Hedman verdoppelt die Führung

In Spiel 1 sorgte er mit seinem Doppelpack zum 3:1 und 4:1 für klare Verhältnisse und ließ keine Zweifel mehr aufkommen, wer die erste Serienführung innehaben wird. Schon allein die Anwesenheit von Kucherov belebt die ohnehin schlagkräftige Lightning-Offensive. Während in den Playoffs die Produktivität häufig sinkt und die Defensivformationen dominieren, konnte Tampa Bay den Torschnitt von 3,21 auf 3,43 steigern. Einen großen Anteil daran trägt Kucherov.
Besonders die Entwicklung von Kucherov zu einem Führungsspieler, der nicht nur auf seine Punkte reduziert werden kann, hat die Lightning, schon im Vorjahr, auf ein neues Level gehoben. "Das beste an Kucherov in den vergangenen Jahren ist, dass er, wenn er an einem Abend nicht punktet, trotzdem eine großartige Einstellung an den Tag legt", unterstrich McDonagh die Bedeutung des Superstars auch ohne Punkte.

TBL@MTL, Sp3: Kucherov baut Führung aus

Während Kucherov in der gegnerischen Zone für Chaos sorgt, bildet Vasilevskiy den sicheren Rückhalt im eigenen Drittel. Der Schlussmann konnte schon in den Playoffs 2020 beweisen, wie stark er ist. Vor Jahresfrist parierte er 92,7 Prozent aller auf ihn abgegebenen Schüsse und erlaubte nur 1,90 Gegentore pro Partie. Trotz der herausragenden Werte musste er sich in der Vorsaison im Kampf um die Conn Smythe Trophy geschlagen geben. Verteidiger Hedman schnappte sie mit beeindruckenden zehn Toren seinem Schlussmann vor der Nase weg.
Für die Schlussrunde 2021 legte Vasilevskiy noch eine Schippe auf seine Leistungen drauf. 93,8 Prozent aller Schüsse parierte er und hielt seine Gegentorquote von 2020 nahezu konstant (1,94). Mit diesen Werten übertrumpft er sogar Carey Price, der bei den Canadiens im Fokus steht. Der Schlussmann der Frankokanadier kommt auf eine Fangquote von 92,1 Prozent bei 2,36 Gegentreffern pro Match.

TBL@MTL, Sp3: Vasilevskiy trotz Verkehr sicher

Egal ob am Ende Kucherov oder Vasilevskiy zum besten Akteur der Stanley Cup Playoffs gekürt wird, beiden dürfte der große Pokal für die Mannschaft wichtiger sein, als die individuelle Auszeichnung. Die Qual der Wahl zwischen Angreifer und Torhüter zeigt aber, dass bei den Lightning alle Puzzleteile vorhanden sind, um den Titel zu verteidigen. Seit Einführung des Salary Cap gelang das nur den Pittsburgh Penguins (2016 und 2017). Es wäre der Beginn einer Ära, besonders da mit Kucherov und Vasilevskiy die beiden Schlüssel zum Erfolg noch langfristig an die Lightning gebunden sind.