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NHL Pioniere: Mr. Hockey

Kein anderer prägte die Liga so lange, wie Gordie Howe, der in fünf Jahrzenten Eishockey spielte

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Am 1. Januar 2017 eröffnete die National Hockey League mit dem Eröffnungsbully zum Scotiabank NHL Centennial Classic die Feierlichkeiten zur Jahrhundertsaison. Seit ihrer Gründung im Jahr 1917 sah die Liga zahlreiche Kultpersönlichkeiten.

Während der Saison 2017 wird euch NHL.com/de mit zahlreichen Stories über die vergangenen 100 Jahre versorgen.

In dieser Ausgabe präsentieren wir euch Schlüsselfiguren der Ligageschichte. Von Gründern und Wegbereitern des Sports bis zu Pionieren der Neuzeit. Macht euch mit den Legenden vertraut, die unwiderrufliches für diesen großartigen Sport geleistet haben. Heute: Gordie Howe.

Stahl und Beton. Das sind die Stoffe aus denen Eishockeyspieler gemacht sind. Sechs Fahrstreifen und 850 Meter Spannweite -- ein imposanteres Denkmal wurde wohl noch keinem Spieler gesetzt. Die Gordie Howe International Bridge soll nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2019 oder 2020 den Detroit River und damit die US-amerikanisch/kanadische Grenze überqueren.

Etlichen Gegnern zum Trotz wurde das umstrittene Großprojekt Ende 2015 durchgewunken. Im Frühjahr 2018 soll planmäßig schweres Gerät anrollen und der Grundstein gelegt werden. Schätzungsweise bis zu 26.500 Fahrzeuge sollen im Jahr 2025 über den sprichwörtlichen Buckel von Mr. Hockey rollen.

Wie einst Gordie Howe, der den Spagat aus der kanadischen Eishockeyprovinz in die raue NHL schaffte und über Jahrzehnte das Aushängeschild des Ortsansässige Teams war, so soll sich die nach ihm benannte Brücke omnipräsent in das Stadtbild einfügen.

Täglich machen sich tausende Pendler aus dem 210.000-Einwohner Städtchen Windsor, Ontario auf dem Weg in die Metropole Detroit. Einen ähnlichen Weg nahm auch Mr. Hockey, nachdem er im zarten Alter von 16 Jahren das Aufsehen der Detroit Red Wings erregte. Von seinem Jugendclub, dem King George Athletic Club im beschaulichen Floral, Saskatchewan, zog es ihn in die weite Eishockeywelt.

Wobei diese weite Eishockeywelt zunächst nur aus der noch beschaulicheren Kleinstadt Galt, Ontario, bestand. Bei den Galt Red Wings, die als Juniorenteam der Red Wings fungierten, sollte Howe vor 73 Jahren seine ersten Schritte in einer Elite Junior Liga machen. Doch diese Station entwickelte sich für Howe zur Farce. Nach nur einem Spiel für Galt, in dem ihm immerhin drei Scorerpunkte gelangen, war die Saison für Howe bereits beendet. Zu viele Westkanadischen Spieler waren bei den Galt Red Wings gemeldet.

Über einen Zwischenstopp bei den Omaha Knights, die in der US-Amerikanischen Juniorenliga USHL antraten, landete Howe letztendlich zur Saison 1946-47 bei den Detroit Red Wings in der NHL. Dort dauerte es nicht lange, bis sich Howe als großartiger Torjäger, begabter Spielmacher und giftiger Fighter etablierte. Schon als 18-jähriger Grünschnabel ließ Howe regelmäßig die Handschuhe fallen und animierte gestandene NHL-Profis zum Fight, wie die Ausbeute aus seinem NHL-Debüt am 16. Oktober bezeugt: Ein Tor, zwei Fights.

Kaum war Howe in der NHL angekommen, da wurde die Legende um den "Gordie Howe Hattrick" geboren. Schießt ein Spieler in einem Spiel ein Tor, bereitet ein weiteres vor und lässt zusätzlich noch seine Fäuste für sich sprechen, so dauert es nicht lange, bis jemand "Gordie Howe Hattrick" ruft.

Doch während Spieler wie beispielsweise Brendan Shanahan oder Jarome Iginla zu ihren besten Tagen regelmäßig solche Kunststücke vollbrachten, scheint sich dies beim Namensgeber selbst um einen Mythos zu handeln. Einigen Eishockeyhistorikern zufolge soll Howe nicht öfter als zwei Mal ein lupenreiner Tor-Assist-Fight-Hattrick gelungen sein. Wie viele es in seinen 26 NHL- und sechs WHL-Saisons nun tatsächlich waren, bleibt wohl für immer Howes Geheimnis.

Kein Geheimnis sind dagegen die Auszeichnungen und Rekorde, die er in seiner aktiven Zeit sammelte. Weil eine vollständige Aufzählung amateurhaften Hochrechnungen der NHL.com/de Redaktion-zufolge mindestens 78 DinA4-Seiten, Arial 12 mit ein-einhalbfachem Zeilenabstand füllen würden, hier die wichtigsten: 23 Mal wurde er in das NHL All Star Team gewählt, vier Mal führte er die Red Wings zum Stanley Cup. Dazu gesellen sich sechs Art Ross Trophies sowie sechs Hart Memorial Trophies.

Bis Wayne Gretzky Anfang der achtziger Jahre auf der Bildfläche erschien, galt Howe als der leibhaftige Eishockeygott. Nicht umsonst wird er auch noch nach seinem Ableben am 10. Juni 2016 ehrfurchtsvoll als "Mr. Hockey" bezeichnet.

Eine Bezeichnung übrigens, deren Verwertungsrechte er sich und seiner Frau (Mrs. Hockey) sicherte. Mindestens genauso Verrückt ist die Tatsache, dass Howe sieben Jahre, nachdem er in die Hockey Hall of Fame eingeführt wurde (1972) noch eine komplette NHL Spielzeit absolvierte. Im zarten Alter von 51/52 Jahren bestritt Howe alle 80 Saisonspiele für die Hartford Whalers und erzielte dabei 41 Punkte (15 Tore, 26 Assists) an der Seite seiner
Söhne Marty und Mark.

In 22 NHL-Saisons in Folge schoss Howe mindestens 20 Tore. In fünf Dekaden -- zählt man seinen Auftritt für einen Wechsel bei den Detroit Vipers in der IHL-Saison 1997 hinzu, sechs -- spielte Howe Profieishockey. Ein Zeitraum, den das mit bis zu 2,2 Milliarden Dollar veranschlagte und nach ihm benannte Bauwerk ebenfalls prägen wird.

Bis zu seinem Tod lebte Howe für den Sport, Eishockey war ihn immer das Größte. Und nicht nur für Wayne Gretzky und Bobby Orr ist er: "Der größte Spieler aller Zeiten."

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