Rangers 11.25

Im Madison Square Garden kam es am Samstag zum Duell der beiden besten Mannschaften der NHL. Während die Boston Bruins vor der Partie auf dem ersten Rang lagen und auf eine fantastische 14-2-3-Bilanz blicken konnten, waren die New York Rangers mit 29 Punkten auf Rang drei gelistet. Dabei hatten sie aber weniger Matches absolviert als die Vegas Golden Knights. Nach 60 torreichen Minuten zwischen New York und Boston überholten die Rangers den bisherigen Spitzenreiter und triumphierten mit 7:4.

Schnellstart und Blitzcomeback

Nach nur etwas mehr als zehn absolvierten Minuten konnten die Rangers eine 2:0-Führung verbuchen. Nick Bonino und Chris Kreider netzten ein und sorgten so für einen scheinbar komfortablen Vorsprung. Die Führung hätte den Rangers Sicherheit geben sollen. Keine andere Mannschaft konnte häufiger als New York (11) gewinnen, wenn sie zuerst trafen. Lediglich zwei Niederlagen und eine Overtime-Niederlage standen auf der anderen Seite der Waage.

Die Bruins konnten jedoch noch im ersten Abschnitt zeigen, warum sie bislang von der Tabellenspitze grüßten. Charlie Coyle und Morgan Geekie glichen binnen 24 Sekunden aus und schockten die Rangers kurzzeitig. Es war bereits das zweite Mal in der laufenden Saison, dass die Bruins binnen 30 Sekunden doppelt trafen. Erstmals gelang ihnen das am 19. Oktober, als sie gegen die San Jose Sharks innerhalb von 21 Sekunden auf 2:0 stellen konnten.

„Ich denke, dass das Publikum heute einen großen Unterschied für uns gemacht hat“, lobte Rangers-Kapitän Jacob Trouba die fantastische Unterstützung, die New York wieder auf die Erfolgswelle brachte. „Vor allem, als wir die frühe Führung aus der Hand gegeben haben, hat uns das Publikum wieder aufgemuntert und uns aufgerichtet.“

Es folgte im Eröffnungsdrittel noch ein Unterzahltreffer durch Kreider, ehe der Mittelabschnitt nach nur 26 Sekunden den Überzahlausgleich durch David Pastrnak bereithielt.

Harte Kritik an Bruins

Die Bruins spielen bislang eine starke Saison, doch nach der Niederlage gegen die Rangers zeigt sich eine Tendenz, die den Verantwortlichen in Boston nicht gefällt. Eine Zehn-Spiele-Bilanz von 5-3-2 und zwei Niederlagen in zwei Tagen sorgten für heftige Kritik durch Trainer Jim Montgomery.

„Wir sind nicht bereit, Forechecking zu betreiben, nicht bereit, für die Offensive zu arbeiten, und dann die Fehler in der Defensive“, so der Coach. „Wir geben unseren Torhütern nicht die Möglichkeit, den Schuss von der starken Seite zu stoppen. Sie müssen sich um die schwache Seite kümmern, sie müssen sich um den hinteren Pfosten kümmern. Es gibt leider eine Menge Dinge. Unsere Gewohnheiten und Details sind uns hier in der Defensive irgendwie abhandengekommen."

Es war das erste Mal in mehr als zwei Jahren, dass die Bruins an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei Niederlagen hinnehmen mussten. Bereits am Vortag unterlagen sie den Detroit Red Wings (2:5). Zuletzt passierte ihnen das am 27. und 28. Oktober 2021.

Torreigen und Quick

In der Offensive sorgten die Rangers mit drei Treffern innerhalb von knapp fünf Spielminuten für die Entscheidung. Jimmy Vesey und K’Andre Miller stellten vor der zweiten Pause auf 5:3 und Tyler Pitlick netzte nach 1:26 Minute im Schlussabschnitt ein. Der Sieg der Rangers wurde auch durch den Anschluss von Coyle nicht mehr gefährdet, so dass Artemi Panarin den 7:4-Schlusspunkt setzten konnte.

Für Panarin war es durch eine weitere Vorlage, die er zuvor gesammelt hatte, das 193. Mehrpunkte-Spiel seiner Karriere. Unter Spielern, die nach 1993/94 in der NHL debütierten und nicht gedraftet wurden, konnte nur Martin St. Louis (275) häufiger mehrfach punkten.

„Das war schon was“, blickte Rangers-Trainer Peter Laviolette auf ein temporeiches Match zurück. „Das war ein Auf und Ab und eine Menge Emotionen, die beide Teams in das Spiel gesteckt haben, dazu eine wirklich starke Leistung von uns, um dranzubleiben und am Ende gegen ein wirklich gutes Eishockeyteam durchzuhalten.“

Für das „Durchhalten“ der Rangers war mit Jonathan Quick auch der Schlussmann verantwortlich. Er parierte 27 der 31 Abschlüsse der Bruins und konnte so seine Punkteserie auf sieben Spiele ausbauen (6-0-1). Er ist damit einer von zwei Torhütern im Rangers-Dress, denen eine solche Serie im Alter von 37 Jahren oder älter gelang. Der andere war Jaroslav Halak (8 Spiele, 2022/23).

Spitzenreiter und Turnaround

Mit dem Erfolg überholten die Rangers nicht nur die Bruins, sondern konnten auch von der 0:2-Niederlage der Golden Knights gegen die Arizona Coyotes profitieren und den ersten Rang in der NHL übernehmen. Die Chance war den Akteuren vor dem Match durchaus bewusst, wurde aber mit Spielbeginn ignoriert. „Wir wussten, wo sie in der Tabelle stehen“, so Miller.

„Natürlich hatten wir das vor dem Spiel im Hinterkopf, aber sobald der Puck gefallen war, haben wir nicht mehr viel darüber gesprochen. Ich glaube, wir haben sofort angefangen zu spielen, und das erste Drittel hat uns gezeigt, wie wir den Rest des Spiels spielen wollten.“

Es folgte ein offensiver Ausbruch der Rangers, die bislang eher für ihre herausragende Defensive bekannt waren. Selbst nach den vier Gegentreffern stehen sie mit 45 Gegentoren in 19 Spielen noch auf dem ersten Rang.

Für die Bruins geht es darum, wieder in die Erfolgsspur zu finden. „Es gibt immer kleine Herausforderungen innerhalb einer Saison, und dies ist eine davon“, beschrieb Coyle die momentane Situation. „Man kann auf keinen Fall eine perfekte Saison spielen, und es gibt immer Höhen und Tiefen. Die besten Teams finden einen Weg, das Schiff schneller wieder aufzurichten als andere und wir haben das Team, um das zu schaffen.“