SeiderWings

Moritz Seider setzt alles daran, um dieses Jahr den Sprung in den NHL-Kader der Detroit Red Wings zu schaffen. Daran ließ er bei einer Pressekonferenz am Freitag während des Trainingscamps keinerlei Zweifel aufkommen. "Ich bin hier und will mir einen Spot verdienen. Das ist mein großes Ziel. Ich freue mich, dass ich jetzt die Chance habe, mich für einen Platz in der Mannschaft zu empfehlen", sagte er.

Die Vorzeichen für den Erstrundenpick der Red Wings beim NHL Draft 2019 (Nr. 6) stehen gut. Der 20-Jährige legte eine starke Saison 2020/21 bei Rögle BK in der schwedischen SHL hin. Fast hätte er sogar den Meistertitel gewonnen. Doch in der Finalserie zog er mit seinem Team nach fünf Spielen gegen die Växjö Lakers den Kürzeren. Trösten durfte sich Seider damit, dass er zum besten Verteidiger der Liga gewählt wurde. Bei der IIHF Weltmeisterschaft 2021 in Lettland wusste er im Trikot der deutschen Nationalmannschaft ebenfalls zu überzeugen.

Die Verantwortlichen der Red Wings haben die Entwicklung von Seider wohlwollend registriert. Sie sehen in ihm längst mehr als ein reines Nachwuchstalent. Das zeigte sich auch an der Entscheidung, ihn gleich fürs Trainingscamp zu nominieren und nicht erst den Umweg über das vorgeschaltete Prospect Tournament gehen zu lassen, wie dies bei anderen jungen Spielern der Fall war.
"Er hat in der schwedischen Liga, die wirklich ausgezeichnet ist, hervorragende Leistungen geboten. Wir sind daher optimistisch, dass er bereit ist, die kommenden Herausforderungen anzunehmen", sagte Detroits Vizepräsident und General Manager Steve Yzerman über das deutsche Verteidiger-Juwel. Allerdings bemühte er sich darum, überzogene Erwartungen zu dämpfen. Von der AHL und selbst von der SHL sei es noch ein gewaltiger Sprung in die NHL.

Seider weiß, dass das Unterfangen, sich einen Stammplatz in Detroit zu erkämpfen, kein Selbstläufer für ihn wird und er sich in den nächsten Tagen von seiner besten Seite zeigen muss. "Ich will mich in allen Situationen auf dem Eis bewähren, den Puck gut bewegen und solide verteidigen. Darauf kommt es für mich am meisten an. Alles andere folgt dann ganz automatisch", beschrieb er sein Konzept fürs Trainingscamp.
Ein wertvoller Ratgeber für Seider ist Detroits Verteidigerlegende Niklas Kronwall, der nach seinem Karriereende vor zwei Jahren ins Management der Red Wings wechselte. "Er war immer für mich da. Wir hatten einige wirklich gute Treffen während des vergangenen Jahres in Schweden. Es ist cool, dass er jetzt in diesen Tagen wieder bei uns ist. Es ist etwas Besonderes für mich, von so einem Mann profitieren zu können, der für seine Persönlichkeit und seine harte Arbeit auf und abseits des Eises bekannt ist", hob der ehemalige Mannheimer hervor.
Das Trainingscamp soll für Seider diesmal endgültig die Durchgangsstation in die NHL sein. Er möchte nach eigenen Worten auf jeden Fall beim Saisoneröffnungsspiel der Red Wings am 14. Oktober dabei sein. Gegner vor eigenem Publikum ist dabei kein Geringerer als der amtierende Meister Tampa Bay Lightning. "Die NHL ist die beste Liga der Welt und man will natürlich ein Teil davon sein. Ich möchte gegen die besten Spieler der Welt antreten und am Ende die Spiele gewinnen. Es geht bei all dem aber gar nicht um mich, sondern um die Mannschaft. Unser Ziel ist es, als Team stärker zu werden und unsere Matchbilanz zu verbessern, so dass wir in der Zukunft auch mal wieder um einen Platz in den Playoffs kämpfen", führte Seider weiter aus.

Bei den Trainingseinheiten in dieser Woche spielte er in der Defensive mit Nick Leddy zusammen. Das könnte durchaus ein Fingerzeig für die bevorstehende Saison gewesen sein. Darauf deutet auch eine Aussage von Trainer Jeff Blashill hin, selbst wenn der zu diesem frühen Zeitpunkt die Karten natürlich noch nicht offen auf den Tisch legen will. "Ich denke, dass Nick nicht nur Seider, sondern auch den anderen Spielern viel von seiner Erfahrung weitergeben kann", so der Coach.
Die erste Möglichkeit für die Red Wings, das potenzielle Top-Verteidigerpaar Leddy-Seider unter Wettkampfbedingungen zu testen, besteht beim Preseason-Auftakt am 29. September bei den Chicago Blackhawks. Tags darauf hat Detroit die Buffalo Sabres zu Gast. Weitere Sparringspartner in der Preseason sind die Columbus Blue Jackets und die Pittsburgh Penguins.
Red-Wings-Kapitän Dylan Larkin ist jedenfalls gespannt auf Seider. "Er ist ein ganz besonderer Spieler", betonte er. Das gelte auch für Lucas Raymond. "Beide sind clevere Burschen. Sie sind unheimlich talentiert und zeigen eine äußerst professionelle Einstellung. Sie fügen sich gut bei uns ein. Es macht Spaß, sie beim Skaten mit den erfahrenen NHL-Spielern zu sehen", sagte er.