Glötzl stammt aus dem bayerischen Schongau, spielte in der Jugend für den EC Peiting und wechselte im Jahre 2016 in die Nachwuchsabteilung der Kölner Haie, bezog das dortige Internat und richtete sein Leben voll auf den Sport aus. Sein Talent war offensichtlich: 2017/2018 wurde er beim Kölner EC zum U16 Most Valuable Player (wertvollsten Spieler) ernannt, 2018/2019 gelang ihm selbiges bei der U17. Der Lohn: In der zurückliegenden Saison hatte der 1,89 Meter große Verteidiger seine ersten beiden Einsätze für die Kölner Haie in der DEL - und zwar gegen Iserlohn und gegen Augsburg. Beim DEB durchlief er die Nachwuchs-Nationalmannschaften und spielte für die U17, U18 und zuletzt die U20.
Dort wurde der Traum von der NHL konkreter. "Bei den Nationalmannschafts-Maßnahmen, die ja auch immer von den Scouts beobachtet werden, hat man gemerkt, dass vielleicht eine Chance besteht", erzählt er. Sein Berater, der ehemalige Profi Günter Oswald, stellte über seine Partneragentur in Nordamerika Kontakte in die NHL her.
Ob es ein bestimmtes Team gibt, für das Glötzl besonders gerne spielen würde? "Meine Lieblingsmannschaft waren immer die Chicago Blackhawks - auch wegen meiner Lieblingsspieler Patrick Kane und Duncan Keith", verrät er. "Ansonsten auch die Vancouver Canucks. Vancouver ist eine schöne Stadt und hat eine tolle Historie im Eishockey. Aber im Endeffekt würde ich mich über jede Mannschaft gleich freuen."
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Sollte Glötzl beim Draft wirklich ausgewählt werden, könnte sich sein Leben komplett ändern. Möglicherweise dürfte er noch in Deutschland bleiben und bei den Kölner Haien Spielpraxis sammeln. Genauso gut möglich wäre allerdings ein baldiger Umzug in die USA bzw. nach Kanada. "Grundsätzlich wäre ich bereit, jetzt den Schritt nach Nordamerika zu gehen. Ich könnte mir aber genauso gut vorstellen, noch in Köln zu bleiben. Ich wäre für alles bereit", sagt er. "Vermutlich wird das eh über meinen Kopf hinweg entschieden."
Der deutsche Defensivspieler weiß, welche Stärken er einbringen könnte, nennt dabei das physische Spiel, seinen guten Schuss und seine defensive Stabilität. "Man kann bei mir auf einen guten und einfachen Aufbaupass hoffen. Außerdem bin ich mental für die Mannschaft da, versuche meine Mitspieler zu pushen und opfere mich für die Mannschaft auf", fügt er hinzu. Gleichwohl ist ihm bewusst, dass er ganz am Anfang seiner sportlichen Entwicklung steckt.
"In der Defensive kann man sich natürlich immer verbessern, zum Beispiel wenn es um die Gaps und die Zweikampfkontrolle geht", erklärt er. "Vor allem gegen die älteren Spieler, die an der Scheibe abgeklärter sind als die Nachwuchsspieler, ist das wichtig. An dieses Niveau muss ich herankommen. Man hat bei den Profis keine Zeit. Das Spiel ist sehr schnell."
Während für Glötz der Draft unmittelbar bevorsteht, müssen sich andere deutschsprachige Defensiv-Talente noch gedulden. Die Webseite "eliteprospects.com" nennt die Schweizer Noah Meier (ZSC Lions) und Brian Zanetti (Lugano U20) als Kandidaten für den NHL Draft 2021. Zanetti wurde beim CHL Import Draft an Position 35 ausgewählt und schließt sich den Peterborough Petes in der Ontario Hockey League an. Meier wurde kürzlich erst bei den ZSC Lions in Zürich mit einem Profivertrag ausgestattet. Deren Sportchef Sven Leuenberger sagt: "Noah ist ein sehr spielstarkes Verteidigertalent. Die Herausforderung wird nun sein, ihn in Sachen defensives Verhalten, Tempo und Physis an das Niveau der National League heranzuführen."
Sollte das gelingen, dürfte er im kommenden Jahr für einige NHL-Teams sehr interessant sein.