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Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga mit Blick auf die Saison 2023/24 unter die Lupe. Die zweiteilige Bestandsaufnahme besteht aus einer Analyse der wichtigsten personellen Veränderungen, der Schlüsselspieler, der Stärken und Schwächen, der Playoff-Chancen und einem gesonderten Spielerporträt.

In dieser Ausgabe: Los Angeles Kings

Die Los Angeles Kings wollen schnellstmöglich wieder ein Titelanwärter sein. Den Beweis dafür erbrachte General Manager Rob Blake, indem er im Verlaufe der vergangenen zwei Jahre Stars wie Phillip Danault, Viktor Arvidsson, Vladislav Gavrikov und den Schweizer Kevin Fiala nach Kalifornien holte. Gemeinsam mit Franchise-Ikonen wie Anze Kopitar und Drew Doughty, die bereits bei den Stanley-Cup-Siegen 2012 und 2014 dem Team angehörten, bilden sie eine erfolgsorientierte Mannschaft.

Fialas Top-5-Tore der Saison 2022/23

Die Entwicklung ist positiv: Nachdem die Kings dreimal in Folge die Stanley Cup Playoffs verpasst hatten, konnten sie sich in den vergangenen beiden Spielzeiten für die Postseason qualifizieren, scheiterten aber jeweils in der 1. Runde an Leon Draisaitl und die Edmonton Oilers. Trainer Todd McLellan blickt in Los Angeles seiner fünften Saison entgegen und möchte mit seinem Team den nächsten Entwicklungsschritt machen.

Die wichtigsten Veränderungen im Kader
Die namhafteste wie auch kostspieligste Verpflichtung ist der Trade von Pierre-Luc Dubois. Der Center kam von den Winnipeg Jets im Austausch für Alex Iafallo, Rasmus Kupari und Gabriel Vilardi sowie einem Zweitrunden-Pick für den NHL Draft 2024. Der Flügelstürmer unterzeichnete einen Achtjahres-Vertrag über 68 Millionen US-Dollar. Vergangene Saison spielte der 25-Jährige mit 27 Toren und 36 Assists die effektivste Saison seiner Karriere.

"In den letzten Spielzeiten hat er bewiesen, dass er in der Lage ist, zu allen Facetten des Spiels beizutragen, und wir freuen uns sehr, einen Spieler dieses Kalibers in unsere Aufstellung aufnehmen zu können", sagt Blake. Dubios glaubt an eine erfolgreiche Zukunft: "Es ist mein Traum, den Stanley Cup zu gewinnen. Ich schaue mir hier die Organisation an, die Spieler, den Kader, den Staff, und ich sehe diese Chance. Das hat mich von Anfang an begeistert."

Mit Trevor Lewis gibt es zudem einen Rückkehrer. Der 36-Jährige, der von 2008 bis 2020 für die Kings spielte und somit beide Stanley-Cup-Siege miterlebte, unterschrieb einen Einjahresvertrag und könnte als erfahrener sowie defensiv ausgerichteten Stürmer ein wichtiger Baustein sein.

Für die Torwart-Position wurde Cam Talbot, der zuletzt das Tor der Ottawa Senators hütete und die Erfahrung aus 432 NHL-Spielen mitbringt, sowie David Rittich, der von den Jets kam und bislang 172 NHL-Partien absolvierte, verpflichtet. Im Gegenzug verließ Joonas Korpisalo, der erst im März nach Los Angeles getradet wurde, Kalifornien in Richtung Ottawa. Talbot und Rittich bilden gemeinsam mit dem in Los Angeles verbleibenden Pheonix Copley ein verhältnismäßig günstiges Torwart-Trio.

Schlüsselspieler
Kopitar ist der beste Beweis dafür, dass ein Eishockey-Star mit 35 Jahren seinen Zenit noch längst nicht überschritten haben muss. Der Kapitän hat in der vergangenen Saison alle 82 Saisonspiele absolviert und verbuchte dabei 28 Tore sowie 46 Assists. Insgesamt 74 Scorer-Punkte waren für ihn die beste Ausbeute seit der Spielzeit 2017/2018. Zudem wurde er dadurch noch vor Fiala zum Top-Scorer der Kings.

Der erfolgreichste Torschütze der vergangenen Spielzeit war Adrian Kempe, der 41 Tore erzielte und zudem 26 Treffer vorbereitete. Mit seinen 26 Jahren spielte er die effektivste Saison seiner Karriere. Der Top-Star der Verteidigung ist Doughty, der mit einem Jahresgehalt von elf Millionen Euro zudem der höchstbezahlte Spieler im Kader ist.

Kempes Top-5-Tore der Saison 2022/23

Spieler aus DACH
Der Schweizer Fiala zählt zu den absoluten Top-Stars der Kings. Wie er seine erste Saison bei den Kings bewertet und ob er sich die Los Angeles bereits heimisch fühlt, lässt sich in der Extra-Story nachlesen.

Stärken
Die große Stärke der Kings war in der vergangenen Saison das Powerplay. Mit einer Erfolgsquote von 25,3 Prozent hatten sie die viertbeste Ausbeute aller NHL-Teams. Dieser Wert wurde lediglich von den Edmonton Oilers (32,4 Prozent), den Toronto Maple Leafs (26,0 Prozent) und Tampa Bay Lightning (25,4 Prozent) übertroffen. Bemerkenswert war auch die Faceoff-Erfolgsquote von 53,3 Prozent. Dies war der dritthöchste Wert der Liga.

Die Kings waren vor allem in der heimischen Crypto.com Arena schwer zu bezwingen. 26 ihrer 41 Heimspiele konnten sie gewinnen. Keine Mannschaft in der Western Conference gewann in der eigenen Arena öfter. Umso bitterer, dass ihnen die Heimstärke in den Playoffs abhandenkam. Gegen die Oilers verloren sie zwei von drei Heimspiele und schieden dadurch aus.

Verbesserungspotenziale
Der Grund dafür, dass die Kings in der 1. Playoff-Runde scheiterten, war nicht zuletzt in der Defensive zu finden. Lag die Verteidigung in der regulären Saison zumindest noch im Liga-Durchschnitt (3,1 Gegentore pro Spiel, Platz 16), waren die Probleme in der K.o.-Runde gegen die Oilers unübersehbar. Mit 25 Gegentoren in sechs Spielen (4,17 Gegentore pro Spiel) stellten die Kings die schlechteste Defensive aller 16 Playoff-Teams. Auch das Penalty-Killing von 43,8 Prozent war das mit Abstand schwächste Unterzahlspiel der Postseason.

Ein großes Fragezeichen steht hinter den Torhütern. Copley hat bislang 68 NHL-Spiele bestritten und eine durchschnittliche Fangquote von 90,2 Prozent vorzuweisen. Rittich kommt in seiner gesamten Karriere auf 90,4 Prozent, Talbot immerhin auf 91,4 Prozent. In der vergangenen Spielzeit hatte Talbot mit 89,8 Prozent allerdings noch viel Luft nach oben. Es ist kaum vorauszusehen, wie gut das Goalie-Trio funktionieren wird.

Vielversprechende Talente
Die Kings profitierten davon, in den vergangenen Jahren viele junge Talente verpflichtet zu haben.

Junge Spieler wie die Stürmer Quinton Byfield, Arthur Kaliyev, Jaret Anderson-Dolan oder Verteidiger Mikey Anderson sammelten wertvolle Playoff-Erfahrung und können darauf in den nächsten Jahren aufbauen.

Ein weiterer junger Spieler, der sich zeitnah zum Top-Spieler entwickeln könnte, ist der 20-jährige Verteidiger Brandt Clarke, der in der vergangenen Saison seine ersten neun Spiele in der NHL absolvierte und zwei Tore vorbereitet hatte. Der Nummer-8-Pick des NHL Draft 2021 wird nun versuchen, sich dauerhaft bei den Kings festzuspielen.

Playoff-Chancen
Nachdem die Kings in den vergangenen beiden Jahren jeweils die Playoffs erreichten, wäre alles andere als eine erneute Qualifikation enttäuschend. Ein Selbstläufer wird das allerdings nicht, weil die Mannschaft im Tor und auch in der Verteidigung Defizite haben könnte. Ob Dubois die Top-Verstärkung sein wird, und vor allem den Abgang von dem aufstrebenden Vilardi rechtfertigt, bleibt ebenfalls abzuwarten.