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Leon Draisaitl sieht die Edmonton Oilers für die neue Saison bestens gerüstet. "Wir haben uns im Sommer gut verstärkt. Von daher wird das hoffentlich unser Jahr", sagte er bei der NHL European Player Media Tour in Paris. Begeistert zeigte sich der Kölner über die Vertragsverlängerung mit Angreifer Evander Kane und die Verpflichtung von Torhüter Jack Campbell.

"Kaner hat eine enorme Ausstrahlung auf dem Eis. Er geht einfach raus und macht sein Ding. Er hat uns enorm geholfen. Deshalb freue ich mich sehr, dass er zurückkommt. Und Soupy ist ein etablierter Goalie, der eine ganze Reihe herausragender Spielzeiten in Toronto hingelegt hat. Deshalb bin ich ebenfalls froh, ihn im Team zu haben", beschrieb Draisaitl die besonderen Qualitäten von Kane und Campbell.
Sein Optimismus ist jedoch nicht nur dem Zustand des Kaders geschuldet, sondern speist sich aus weiteren Quellen. Dazu zählt Draisaitl die Erfahrungen der Oilers, die sie während ihres langen Laufs in den zurückliegenden Stanley Cup Playoffs machten. Erst der spätere Champion Colorado Avalanche erwies sich für Edmonton in der Finalserie der Western Conference als unüberwindliche Hürde.
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"Das war ein wichtiger Schritt für uns. Wir können aus diesem Run eine Menge Lehren ziehen. Ich denke da an die Höhen und Tiefen innerhalb eines Spiels oder sogar eines Drittels. Man könnte das Ganze sogar noch weiter herunterbrechen. Es gab viele wertvolle Lektionen für uns", erläuterte Draisaitl.
Wer weiß, wie die Serie gegen die Avalanche geendet hätte, wenn er selbst im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen wäre. Denn Draisaitl plagte sich während der gesamten Endrunde mit einer Verletzung herum, die ihn nach eigenen Angaben in vielerlei Hinsicht beeinträchtigte. "In so einer Situation ist es wichtig, einen Weg zu finden, um seinen Job ordentlich zu erledigen. Man muss dafür sein Spiel ein wenig anpassen. Ich denke, dass mir das ganz gut gelungen ist. Die Adrenalinstöße helfen einem dabei, manches wegzustecken und einfach nur von Tag zu Tag zu denken", verdeutlichte der Stürmerstar der Oilers.
Nach dem Aus gegen Colorado legte er eine weitreichende Pause vom NHL-Geschehen ein. Nicht einmal in den Medien verfolgte er den weiteren Verlauf der Playoffs. "Ich war dazu nicht in der Lage. Es wäre zu hart für mich gewesen. Ich wollte selbst weiterspielen und nicht anderen zusehen", lautete seine Begründung.

Draisaitls Top 5 Tore in 2021/22

Trotz des unglücklichen Playoff-Endes fiel das Fazit zu seinen persönlichen Auftritten positiv aus. "Alles in allem war es eine erfolgreiche Saison für mich. Natürlich gibt es immer Dinge, die man verbessern kann, aber im Großen und Ganzen war ich glücklich mit dem, was ich geleistet habe", resümierte er.
In einigen Tagen beginnt unter der Leitung von Trainer Jay Woodcroft die heiße Vorbereitungsphase auf die Saison 2022/23. "Wir werden mit Sicherheit ins Detail gehen", prophezeite Draisaitl und fügte hinzu: "Es wird spannend für ihn und für uns. Hoffentlich bestätigt sich unser Trend."
Während der Übungseinheiten dürfte es wieder das ein oder andere Kabinettstückchen von Connor McDavid zu bestaunen geben. "Er vollführt jeden Tag unglaubliche Dinge im Training. Darunter sind Sachen, die andere nicht einmal probieren. Zumindest nicht auf diesem Geschwindigkeitslevel", verriet Draisaitl. Nach 472 gemeinsamen Partien verwundert ihn aber kaum noch etwas hinsichtlich der Qualitäten des Oilers-Kapitäns. "Er ist ein ganz besonderer Spieler. Für mich ist es ein Privileg, jeden Tag mit ihm zu spielen. Ich habe in den vergangenen Jahren viel von ihm gelernt." Vor allem die Art, wie er sich als Leader präsentiere, sei beispielgebend. "Er ist sicherlich nicht der lauteste Typ. Er führt eher dadurch, dass er bei allem mit gutem Beispiel vorangeht."
Gespannt ist Draisaitl auf die Duelle mit den Calgary Flames. Der große Rivale der Oilers hat in der Offseason mit einigen Veränderungen im Kader für Schlagzeilen gesorgt. "Das habe ich selbstverständlich mitverfolgt. Es war ein verrückter Sommer für sie, mit einigem Hin und Her. Wir werden sehen, wie das alles ausgeht", äußerte er sich zu den Transferaktivitäten von Calgary. Die Chancen, dass sich die Oilers und die Flames erneut in den Playoffs gegenüberstehen, stellt für ihn ein realistisches Szenario dar.

Das Beste der Edmonton Oilers

Glücklich ist Draisaitl über die positive Entwicklung des Eishockeys in Deutschland, die sich auch in den Leistungsnachweisen der deutschen Spieler in der NHL manifestiert. Vor 20 Jahren brachten es dort sechs Deutsche auf insgesamt 82 Scorerpunkte, vor zehn Jahren sammelte die gleiche Anzahl an Akteuren bereits 104 Punkte und in der abgelaufenen Saison gelangen den sechs besten deutschen Scorern sage und schreibe 239 Zähler. "Das zeigt, dass wir inzwischen einige Spieler in der Liga haben, die bedeutende Rollen ausfüllen, sei es als Verteidiger im Top-Paar oder als Top-6-Stürmer. In den nächsten Jahren werden bestimmt weitere junge Leute hinzukommen", meinte er.
Trotz seiner Erfolge in jüngster Vergangenheit und seiner Popularität würde Draisaitl sich selbst nicht als das Gesicht des deutschen Eishockeys bezeichnen. "Wenn andere dieses Bild von mir zeichnen oder es so sehen, okay. Aber ich behaupte das nicht von mir. Mir geht es eher darum, dass viele Kinder daheim mit Eishockey in Kontakt kommen", betonte er.