CAR one to remember

NHL.com/de bat Top-Spieler der Liga während der Player Media Tour 2022 in Europa und Nordamerika um ihre Meinung zu Themen rund um den Sport und seine Protagonisten.

In dieser Ausgabe wurden die Spieler von NHL.com/de zu den Lacrosse-Toren gefragt.

Es ist ein Kunststück, das in der Vorsaison für eine Menge Aufsehen in der NHL gesorgt hat: die sogenannten "Lacrosse-Tore" oder auch der "Michigan-Trick". Beides meint einen technisch anspruchsvollen Treffer, bei dem der Schütze den Puck auf die Kelle legt und in einer schwingenden Bewegung von hinter dem Tor ins Netz löffelt. Die Fans und auch die meisten Spieler und Stars sind begeistert von diesem Kunstschuss, insbesondere bei den Torhütern hält sich diese Freude aber in Grenzen. Auch unter den Deutschen und Schweizern gehen die Meinungen auseinander.

ANA@ARI: Zegras mit einem Tor im Lacrosse-Stil

Gemischte Gefühle bei McDavid und Matthews

"Sie sind schön anzuschauen und beeindruckend", sagt Connor McDavid von den Edmonton Oilers zu den Lacrosse-Toren. "Auch die Kinder scheinen sie zu lieben, also macht es mehr Leute auf diese Sportart aufmerksam, was großartig ist. Am Ende des Tages ist es aber nur einer von vielen Wegen, beim Eishockey ein Tor zu erzielen." McDavid zählt zu den besten Spielern dieser Welt. Selbst traut er sich diesen Trick aber nicht zu: "Ich weiß gar nicht, ob ich das könnte. Es ist beeindruckend, wie sie überhaupt den Puck aufnehmen. Ich meine, manchmal stellt sich die Scheibe auf, dann ist es leichter, aber wenn sie flach auf dem Eis liegt und sie wird trotzdem in einer fließenden Bewegung aufgenommen, dann ist das schon beeindruckend. Für mich ist es schöner, an ein paar Spielern vorbeizugehen, ein, zwei schöne Pässe zu spielen und diese typischen Dinge eben. Das allerdings ist schwerer und braucht ganz individuelle Fähigkeiten, die manche haben und manche eben nicht."

CGY@CAR: Svechnikov schießt ein Tor im Lacrosse-Stil

Torjäger Auston Matthews von den Toronto Maple Leafs räumte zuletzt zwei Jahre in Folge die Maurice Richard Trophy für die meisten Treffer in der regulären Saison ab. Mit dem Michigan-Trick aber war der Knipser bislang noch nicht erfolgreich. "Ich habe es ein paarmal ausprobiert. Ich finde, man kann es mal wagen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Gleichzeitig denke ich nicht jedes Mal, wenn ich hinter das Tor fahre, dass ich jetzt ein Lacrosse-Tor schießen möchte. So etwas muss sich einfach ergeben", so Matthews. "Dieser Trick ist sehr beliebt geworden, nachdem Svechnikov damit angefangen hat. Wenn es passiert, dann passiert es. Ich will einfach sehen, dass der Puck ins Tor geht. Wie, ist mir egal."

Andrei Svechnikov von den Carolina Hurricanes und Trevor Zegras von den Anaheim Ducks sind die beiden prominentesten Spieler, denen ein Lacrosse-Tor in der NHL gelang und beeindruckten damit die Eishockey-Welt. Svechnikovs Mitspieler Sebastian Aho würde sich gerne davon anstecken lassen: "Ja, manchmal probiere ich es aus Spaß im Training aus. Wenn man es nur für sich selbst macht, dann ist es gar nicht so schwer. Aber wenn noch fünf Gegenspieler und ein Torwart dabei sind, die einen stoppen wollen und man es schnell umsetzen muss, dann wird es kniffelig", sagt Aho. "Es ist also ziemlich beeindruckend und mich stört es überhaupt nicht, insbesondere, wenn Svech auf diese Weise trifft."

ANA@MTL: Zegras netzt Lacrosse-Tor ein

Seider: "Ich weiß nicht, ob ich die Eier habe, es zu machen"

Auch unter den NHL-Exporten aus Deutschland und der Schweiz sind Lacrosse-Tore ein Thema. "Je kreativer die Liga ist, desto größer ist das Interesse. Es sieht im Video gut aus und die Leute lieben es", outet sich Moritz Seider, Verteidiger bei den Detroit Red Wings, als Fan der Lacrosse-Tore. "Ich warte noch auf den Tag, an dem ich es erfolgreich umsetzen kann. Ich weiß gar nicht, ob ich das in meinem Werkzeugkoffer habe, aber es macht auf jeden Fall Spaß, dabei zuzuschauen. Ich habe es hier und da mal im Training ausprobiert, aber immer ohne Torwart. Ich weiß also nicht, ob ich die Eier habe, es im Spiel zu machen."

Tim Stutzle, Stürmer bei den Ottawa Senators, ist ebenfalls pro Michigan-Treffer: "Ich glaube nicht, dass ich das kann, auch nicht mit dem speziellen Taping. Für mich ist es aber cool zu sehen, dass Jungs wie Zegras das schaffen und es auch noch so einfach aussehen lassen."

"Ich finde diese Treffer cool", sagt auch der Schweizer Angreifer Nino Niederreiter von den Nashville Predators. "Ich glaube aber, dass sich die Verteidiger darauf einstellen werden und es für die Stürmer schwerer umzusetzen sein wird. Wir werden diese Tore also nicht konstant sehen."

Zegras stößt zu Svechnikov, Forsberg in Lacrosse-Klub

"Ziemlich beeindruckend", findet der Schweizer Center Nico Hischier dieses Kunststück. "Ich persönlich würde nicht daran denken, es auszuprobieren. Aber warum eigentlich nicht? Es ist ein unglaubliches Tor, aber ein Tor bleibt ein Tor."

Neutral äußert sich Hischiers Landsmann Timo Meier. "Mich kümmert das nicht wirklich. Ich meine, es ist schon cool, sich das anzuschauen. Manchmal, wenn ich mit meinen Kollegen aus der Hobbyliga trainiere, dann probiere ich es mal aus, aber ich kann es nicht wirklich. Es ist gut für die Jungs, die es können, aber es zählt auch nur ein Tor", erklärt der Power Forward der San Jose Sharks.

Doch es gibt nicht nur Befürworter. Der deutsche Superstar Leon Draisaitl meint etwa. "Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber mich beeindruckt das gar nicht mehr so sehr", sagt der Mittelstürmer der Edmonton Oilers. "Ich schaue mir lieber einen Spielzug mit schönen Pässen an. Ich bin eher ein Fan von traditionellem Eishockey, gleichzeitig könnte ich so einen Trick aber selbst auch gar nicht ausführen, also wovon rede ich eigentlich?"

Schwere Zeiten für die Goalies

Naturgemäß eher contra Lacrosse-Tore sind selbstredend die Torhüter. "Ja, das sollte verboten werden. Das sollte illegal sein", lacht Jacob Markstrom, Torwart der Calgary Flames. "Die Fans lieben es, wenn diese Jungs so verrückte Dinge machen. Einem Goalie aber macht das nicht so viel Spaß, wenn man so ein Tor kassiert und damit auch noch lange in den Highlight-Filmchen auftaucht. Man wird daran erinnert, egal wo man hingeht und wie oft man auf sein Mobiltelefon schaut und wenn deine Freunde darüber lachen. Ich bin also kein Fan davon - aber das ist ja klar als Torhüter."

NSH@EDM: Forsberg trifft im Lacrosse-Stil

Ähnlich sieht es Karel Vejmelka, Keeper bei den Arizona Coyotes, der selbst ein Michigan-Gegentor von Zegras hatte schlucken müssen. "Es ist immer toll, wenn ein Spieler so etwas macht, aber es ist nicht ganz so toll für den Torwart. Es ist schwer zu verteidigen, insbesondere, wenn der ausführende Spieler es gut kann. Es ist großartig für die Fans - aber ich mag es nicht", meint Vejmelka.

Eher entspannt sieht es Jake Oettinger, Schlussmann der Dallas Stars: "Für mich ist das kein Alptraum und bringt mich auch nicht ins Schwitzen. Nur Zegras hat es einmal bei mir probiert. Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, wie man diese Versuche am besten abwehrt. Aber ich bin ein großer Torwart, vielleicht decke ich den Winkel einfach mit meinem Kopf ab. Wir werden sehen, ob es in der kommenden Saison jemand versuchen wird."