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Mit einigem Pech unterlagen die Kölner Haie am Mittwoch im Rahmen der NHL Global Series Challenge 2018 den favorisierten Edmonton Oilers. Am Ende mussten sich die Gastgeber in der ausverkauften heimischen Lanxess Arena, vor 18.400 Zuschauern, dem Team aus der National Hockey League, das mit den deutschen Nationalspielern Tobias Rieder und Leon Draisaitl zwei absolute Fanlieblinge mit in die Domstadt gebracht hatte, erst nach Verlängerung mit 3:4 geschlagen geben.

Über weite Strecken des Spiels hielt das Team aus der DEL gegen den großen Favoriten überraschend gut mit. Von den vor dem Spiel häufig zu vernehmenden Tipps, wonach nur die Höhe der quasi bereits feststehenden klaren Niederlage in Frage zu stehen schien, war jedenfalls, je länger das Spiel lief, immer weniger die Rede. Es hat letztendlich sogar gar nicht viel gefehlt und dem Underdog wäre fast die Sensation gelungen.
Am Ende sollte es nicht ganz sein. Doch zu hängenden Köpfen führte der Spielverlauf bei den Kölnern allenfalls kurzfristig. Nach ein paar Minuten der emotionalen Abkühlung, sahen die versammelten Journalisten jedenfalls ausschließlich fröhlich gestimmte Spieler in der Umkleide der Haie.
Teamkapitän Moritz Müller, der seinen Vertrag bei den Kölnern erst im August verlängert hatte, wirkte äußerst erleichtert: "Wir wissen das Spiel schon richtig einzuschätzen. Es hat riesig Spaß gemacht hier heute dabei gewesen zu sein. Es war ein tolles Event. Für uns Spieler, aber sicher auch für alle Fans, die live dabei gewesen sind. Ich denke, man hat uns angesehen, dass wir unsere Liga würdig vertreten wollten. Dies ist uns ganz gut gelungen. Für uns gilt es jedoch jetzt schon wieder den Blick nach vorne zu richten."

EDM@KLH: Draisaitl steht im Starting lineup

Angesprochen auf die sehr gute Stimmung in der Lanxess Arena geriet er regelrecht ins Schwärmen. "Es macht immer sehr viel Spaß hier zu spielen, wenn die Halle voll ist. Mich hat das heute ein Stück weit an die Heim-WM erinnert", so Müller gegenüber NHL.com/de.
Zu hoch aufhängen wollte er den Achtungserfolg gegen das NHL-Team jedoch nicht: "Wir haben schon am Sonntag in München gut gespielt. Ich meine, wir sollten vorsichtig mit der Einordnung dieses Spiels heute sein. Allerdings haben wir die Latte für uns selber damit jetzt schon ziemlich hochgelegt", lächelte Müller verschmitzt.
Auch Trainer Peter Draisaitl wirkte nach der knappen Pleite regelrecht erleichtert. "Mir persönlich fiel das Spiel heute leichter als ich vorher gedacht hätte. Ich meine, aus irgendeinem Grunde sind die Oilers ja mein Lieblingsteam in der NHL (lacht). Es ist schon eine komische Situation, wenn man das Team trainiert, das gegen den eigenen Sohn spielt. Natürlich wünsche ich ihm immer viel Glück vor den Spielen. Am Ende waren wir alle zufrieden heute, denke ich. Leon hat seinen Punkt erzielt, wir haben für unsere Leistung auch einen bekommen. Das passt schon so", resümierte der Coach zufrieden.
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In Bezug auf die Bedeutung dieses Spiels für die Entwicklung seiner Mannschaft merkte er an: "Für uns war das im Rückblick schon ein sehr wichtiger und guter Abend. Schon in der Liga haben wir zuletzt in München gut gespielt, konnten heute weiteres frisches Selbstvertrauen sammeln. Schön zu sehen, dass wir gegen solche Top-Mannschaften mithalten können. Daraus können wir für die nächsten Spiele hoffentlich Selbstvertrauen mitnehmen. Wir haben vieles richtig gemacht gegen die Jungs aus Edmonton."
Der Start gefiel dem Übungsleiter jedoch gar nicht, wie er anmerkte: "Nach dem ersten Drittel haben wir erst so richtig gemerkt, dass wir uns durchaus mehr zutrauen können gegen die Oilers. Zum Glück konnten wir das danach entsprechend umsetzen. Unser Puck-Management hat sich nach den ersten 20 Minuten deutlich verbessert."
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Strahlen konnte auch der erst 19-jährige Torhüter Hannibal Weitzmann, der nachdem er zum zweiten Drittel auf das Eis kam, einige herausragende Aktionen zeigen konnte. "Wir sind heute alle ein Stück weit über uns hinaus gewachsen. Es war ein besonderes Event. Jeder hat alles gegeben. Und obwohl ein spielerischer Unterschied da war, hat der Zuschauer schon gesehen, dass wir auch Eishockey spielen können. Die Stimmung in der Arena war heute unglaublich. Bei meinem ersten Spiel in der Lanxess Arena direkt vor ausverkauftem Haus gegen eine NHL-Mannschaft spielen zu dürfen, das war unglaublich", meinte Weitzmann gegenüber NHL.com/de.

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Stürmer Sebastian Uvira richtete seinen Blick nach dem Achtungserfolg bereits wieder in Richtung Zukunft: "Durch die Ergebnisse von Bern und dem von heute sieht man, dass das europäische Eishockey insgesamt im Kommen ist. Ich bin sehr froh, dass es heute für uns gegen Edmonton so positiv ausgegangen ist. Die drei Tore gegen die Oilers werden uns sicherlich Mut machen für die kommenden Aufgaben. Wir können aus diesem Spiel viel Schwung mitnehmen in die nächsten Wochen. Jetzt fahren wir nach Nürnberg und wollen dort einen Sieg einfahren."
Es machte insgesamt den Eindruck, als ob der Abend in der Domstadt in der Tat nur Gewinner und keine Verlierer kannte. Die Kölner Haie waren an diesem Tag jedenfalls ganz bestimmt keine Verlierer, auch wenn sie im Spiel am Ende knapp unterlagen. Das Spiel in Köln war von allen Beteiligten allerbeste Werbung für den Eishockeysport!