Fiala sticht 2019/20 bei den Wild heraus

Wie halte ich mich während der Corona-Pandemie, die das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt hat, fit? Diese Frage stellen sich nicht nur Hobbysportler rund um den Globus. Das gilt auch für Athleten, die ihren Sport als Beruf ausüben. Der Schweizer Eishockeyprofi Kevin Fiala hat es da vergleichsweise gut getroffen. Der 23 Jahre alte Stürmer von den Minnesota Wild hält sich derzeit in Göteborg (Schweden) auf. Und da könne er tatsächlich auf einer Eisfläche trainieren, wie er in einer Videokonferenz am Mittwoch erzählt hat.

Den Freunden und der Familie zu Hause in der Schweiz gehe es gut. "Ich kenne zum Glück niemanden, der Symptome hatte. Darüber bin ich natürlich sehr glücklich." Über Facetime stehe er mit ihnen in Kontakt, schreibe viele Textnachrichten.

Wenn er auf seine Leistungen in dieser Saison zurückschaue, sei er zufrieden. "Der Start war offensichtlich nicht sehr gut. Aber mit zunehmender Dauer wurde es besser und besser. Am Ende habe ich mich sehr gut gefühlt. Das Team war großartig und hat mir sehr geholfen", sagte Fiala. Dafür sei er auch dankbar. Nach der eher durchwachsenen vergangenen Saison habe er im Sommer hart gearbeitet. Er habe nie aufgehört, an sich zu glauben. Und ab einem gewissen Punkt habe es geklappt. "Es war ein langer Weg." Und er wisse, dass es genauso gut auch wieder in die andere Richtung gehen könne. Doch er wolle zeigen, dass er mehr als eine gute Saison draufhabe.

In 64 Spielen kam er in dieser Saison auf 23 Tore und 31 Assists. Mit 54 Scorerpunkten führt er die interne Wertung der Wild an, und mit den 23 Treffern hat er in der eigenen Mannschaft nur zwei weniger als Zach Parise. Jetzt sei er zuversichtlich, dass er diese Leistung erneut bringen könne - egal ob noch in dieser, oder womöglich auch erst in der nächsten Saison.

NSH@MIN: Fiala nimmt den Puck klasse mit und trifft

Solche Leistungen sind natürlich auch den Fans im Eishockey-verrückten Minnesota nicht verborgen geblieben. In der Gunst der Anhänger klettert Fiala sukzessive nach oben. "Dafür bin ich natürlich dankbar. Ich weiß das zu schätzen, dass die Fans ein bisschen lauter schreien, wenn ich ein Tor schieße oder mein Name in der Startformation aufgerufen wird."

Und auch das Team sei gut drauf gewesen, als die Saison unterbrochen wurde. "Wir haben zum Schluss ein paar wichtige Siege eingefahren", erinnert sich Fiala. Nach aktuellem Stand sind die Wild nur einen Zähler außerhalb der Playoffränge. Schon deshalb wolle er, wolle das Team so schnell wie möglich zurück aufs Eis und den Job zu Ende bringen.

An der Entwicklung, die er genommen hat, habe auch der interimsmäßige Trainer Dean Evason seinen Anteil. Dieser löste Mitte Februar Bruce Boudreau bei den Wild ab. Von 2012 bis 2018 trainierte er das AHL-Team der Milwaukee Admirals. Einer seiner Schützlinge damals: Kevin Fiala. "Er war ein großartiger Trainer für mich in Milwaukee. Es war nicht immer leicht. Ich war manchmal nicht ruhig genug. Aber wenn ich zurückschaue, kann ich sagen, dass er mir viele Sachen beigebracht hat. Nicht nur auf, sondern auch neben dem Eis. Wie verhalte ich mich als Profi? Eine Saison in Nordamerika ist so lange. Man muss sich richtig ernähren, gut schlafen und vorbereitet sein." In Minnesota sei er zunächst sehr glücklich darüber gewesen, Evason als Assistenztrainer zu haben. Ihn jetzt als Interims-Cheftrainer zu haben, sei speziell. Und er hätte auch nichts dagegen, wenn die Bezeichnung "Interim" bald wegfalle.

Sollte die derzeit unterbrochene Spielzeit fortgeführt werden - Fiala wäre mit Sicherheit bereit. "Ich bin jeden Tag auf dem Eis", betonte der Stürmer, der 2014 von den Nashville Predators in der ersten Runde an elfter Stelle im Draft gezogen wurde. Es sei sehr positiv für ihn, dass er praktisch immer aufs Eis gehen könne, wann er wolle. "So bleibe ich in Form." Das sei auch mit einer der Gründe gewesen, warum er nach Schweden gegangen sei. Vielleicht werde es aber ein paar Spiele brauchen, um wieder in den Rhythmus zu kommen, meinte er.
Trainiert wird allerdings nur in kleinen Gruppen. Zu der Gruppe mit Fiala, die drei, vier Mann umfasse, gehört auch John Klingberg (Dallas Stars). Die Kollegen, die in den USA sind, hätten sich Gewichte und Geräte gekauft, um zu Hause trainieren zu können, erzählt er. "Wir haben hier einen Fitnessraum."

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Auf dem Flug von Minneapolis nach New York hätten nur etwa zehn Leute im Flugzeug gesessen. Das sei schon ein bisschen schockierend gewesen. In New York hätten dann alle Masken und Handschuhe getragen. "Das war ein bisschen unheimlich." Wenn man es so sagen wolle, dann sei die Krise dort realer gewesen als in Minnesota. In Schweden seien dann auch weniger Leute am Flughafen gewesen als üblich. "Es ist auch hier nicht normal", betont er. Selbst wenn es dadurch so erscheine, dass einige Restaurants aufhaben. "Jeder hat Angst vor dem Virus. Alle sind vorsichtig."

Und auch der gebürtige St. Galler lässt Vorsicht walten. Neben dem täglichen Training müsse er auch mal Lebensmittel einkaufen und gehe dafür zum Supermarkt. "Aber ich versuche so viel wie möglich zu Hause zu bleiben."