Am Ende sollte es einfach nicht sein, die Dallas Stars scheiterten am Montag endgültig mit einer 0:2-Niederlage gegen die Tampa Bay Lightning in Spiel 6 des Stanley Cup Finales. 20 Jahre nach ihrem letzten Auftritt in einem Finale und 21 Jahre nach dem einzigen Titel der Stars in ihrer Geschichte, war die Enttäuschung dementsprechend groß.

"Ich bin sehr stolz auf unsere Spieler und unsere Organisation", erklärte Trainer Rick Bowness. "Unsere Spieler haben alles gegeben. Ich weiß, wir waren heute über 40 Minuten nicht sehr gut. Sie waren überlegen und haben uns nicht ins Spiel kommen lassen. Aber ich bin stolz auf unsere Spieler. Sie haben alles gegeben und das ist alles, was man als Trainer verlangen kann."
Doch mit etwas Abstand betrachtet dürften die Stars und ihre Fans zu dem Schluss kommen, dass die diesjährigen Playoffs keine reine Enttäuschung waren, sondern ein Erfolg, der für die Zukunft Mut macht. In einem Team, das mit Veteranen wie Jamie Benn, Tyler Seguin, Joe Pavelski und Corey Perry ausgerüstet ist, glänzten auch einige junge Talente, die auf eine goldene Zukunft hoffen lassen.
"Man kann nur verlangen, dass die Spieler ihr Bestes geben und das haben sie getan", lobte Bowness. "Deshalb waren wir in Spiel 6 des Stanley Cup Finales. Niemand hat erwartet, dass wir es so weit schaffen würden, aber wir haben an uns geglaubt und füreinander gespielt. Wir hatten Teamgeist, Kameradschaft und großartige Anführer. Wir haben das Team so weit getrieben, wie es nur ging. Am Ende hat es nicht ganz gereicht, aber ich bin stolz ihr Trainer zu sein... und es liegen noch bessere Zeiten vor uns."
Diese Zeiten könnten von einigen Spielern geprägt werden, die in diesen Playoffs in jungen Jahren bereits großes Potenzial zeigten. Allen voran lieferte der 21-jährige Verteidiger Miro Heiskanen nach einer starken regulären Saison überragende Playoffs. Er führte Dallas und alle Verteidiger mit 26 Punkten (sechs Tore, 20 Assists) an und hatte mit 25:57 Minuten die meiste Eiszeit der Stars pro Spiel.

TBL@DAL, Sp3: Heiskanen trifft mit springenden Puck

Heiskanen ist aber kein Einzelfall, er führt eine Gruppe junger Spieler an, die alle großen Anteil daran hatten, dass Dallas im Finale stand. Neben ihm gehörten Denis Gurianov, Roope Hintz und Jason Dickinson zur Stammbesetzung in der Postseason und standen immer wieder im Rampenlicht. Hinzu kommt Joel Kiviranta, der zwar nur auf 14 Einsätze kam, mit wichtigen Toren aber zu einem Helden der Stars wurde. Der älteste diese Spieler ist Dickinson mit 25 Jahren, gefolgt von Kiviranta mit 24, Hintz und Gurianov sind 23.
Gurianov war hinter Pavelski (zwölf Tore) mit neun Treffern der beste Torschütze der Stars in den Playoffs und mit 17 Punkten ihr sechstbester Scorer. Hintz folgte ihm mit 13 Punkten (zwei Tore, elf Assists) und war der viertbeste Vorbereiter des Teams. Kiviranta kam auf sechs Punkte. Seine fünf Tore hatten es aber in sich.
In der zweiten Runde der Western Conference standen die Stars gegen die Colorado Avalanche in Spiel 7 kurz vor Ende des dritten Drittels mit einem 3:4-Rückstand am Rande des Ausscheidens. Kiviranta glich mit seinem zweiten Tor des Abends aber noch aus, erzwang die Verlängerung und entschied das Spiel dann, indem er seinen Hattrick komplettierte. Gegen die Vegas Golden Knights führten die Stars im Western Conference Finale mit 3:1-Spielen, als der Finne Spiel 5 mit einem späten Tor in die Verlängerung schickte. Gurianov lieferte später den Treffer zum Sieg.
Dickinson war mit zwei Toren und zwei Assists zwar keiner der Topscorer in der Postseason, erfüllte aber eine wichtige Rolle als Kämpfer und Arbeiter. Unter den Stürmern der Stars hatte er die meisten geblockten Schüsse und hinter Blake Comeau (93), Gurianov (89) und Benn (80) die viertmeisten Checks (71).

TBL@DAL, Sp3: Hintz und Dickinson zum Shorthander

Im Tor boten die Playoffs ebenfalls eine Chance auf einen ersten Blick auf die mögliche Zukunft der Stars. Der 21-jährige US-Amerikaner Jake Oettinger kam im Conference Finale zu seinem ersten Einsatz in der NHL, als er Anton Khudobin im dritten Drittel ersetzte. Es folgte eine weitere Einwechslung gegen die Lightning. Zwar spielte er nur 36:40 Minuten, dabei hielt er aber alle acht Torschüsse.
Bis auf Perry und Verteidiger Andrej Sekera stehen die Veteranen der Stars alle noch mindestens ein Jahr unter Vertrag. In Verbindung mit den nachrückenden Talenten, die sich in den Playoffs auf hohem Niveau beweisen konnten, dürften die Texaner in den kommenden Jahren eine schlagkräftige Truppe in den Wettkampf um die begehrteste Trophäe der Eishockeywelt schicken. Die Playoffs 2020 endeten zwar nicht mit dem Stanley Cup, sie gaben Dallas aber Grund für viel Optimismus im Hinblick auf die Zukunft.