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Jonathan Toews im 600er-Club mit dabei

Der Teamkapitän der Chicago Blackhawks erreichte am Samstag einen persönlichen Meilenstein

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Mit seinen erst 28 Jahren gehört der Kanadier Jonathan Toews schon seit Jahren zu den absoluten Schlüsselfiguren bei den Chicago Blackhawks. Der Mannschaftskapitän der 'Hawks' war bzw. ist nicht nur maßgeblich am Wiederaufstieg des Teams aus den Niederungen der besten Eishockeyliga der Welt zu einem absoluten Top-Team der Liga entscheidend beteiligt gewesen, was in den Stanley Cup-Triumphen der Jahre 2010, 2013 und2015 gipfelte, Toews wurde zudem bereits 2010 in den Triple Gold Club aufgenommen und ist somit der jüngste Spieler, der die Olympischen Spiele, die Weltmeisterschaft und den Stanley Cup gewann.

Seine herausragenden Qualitäten lassen sich nun ganz aktuell aber auch an der Tatsache ablesen, dass er am gestrigen Abend, beim Heimspiel seiner Blackhawks, welches gegen die Edmonton Oilers letztendlich mit 1:3 verloren ging, beim Ehrentreffer seiner Mannschaft, mit einer Vorlage seinen bereits 600. Scorer-Punkt (262-338-600) ) auf NHL-Ebene beisteuern konnte.

Ein weiterer bedeutender persönlicher Meilenstein also in der ohnehin schon herausragenden Karriere des im Jahre 1988 in Winnipeg geborenen Stürmers, der uns somit heute an dieser Stelle einmal eine nähere Betrachtung seiner wirklich herausragenden bisherigen Laufbahn wert sein soll.

Dass das Team aus Chicago noch vor rund zehn Jahren zu den häufig eher hoffnungslos erscheinenden Fällen in der NHL gehörte, diess kann man sich aktuell kaum noch vorstellen. Doch als ich Anfang 2006 erstmals persönlich die Gelegenheit hatte mir einige Heimspiele des Teams in Chicago live anzuschauen, da war von der heutigen Situation tatsächlich noch nicht viel zu erkennen. Die Blackhawks waren in der Stadt seinerzeit zudem nicht gerade 'in', waren in den Playoffs der NHL ein seit Jahren schon äußerst rarer Gast geworden.

Das heute aufgrund seiner herausragenden Stimmung schon fast legendäre United Center war von dem stimmungsvollen Eishockeytempel der heutigen Zeit seinerzeit ebenfalls noch weit, weit entfernt. Kaum mehr vorstellbar zudem, dass vor rund 10 Jahren auch keines der Spiele die ich damals bei meinem ersten Besuch dort anschaute auch nur ansatzweise ausverkauft war.

Das sich die Situation schon kurz darauf grundlegend änderte, das hat die Franchise u.a. auch der Entscheidung pro Jonathan Toews und Patrick Kane zu verdanken, welche das Team innerhalb kürzester Zeit bereicherten und zu einem echten Titelanwärter machten, der Truppe bereits im Jahre 2010 zum Titel verhalfen. Eine Rasanz, wie man sie sich Anfang 2006 so noch gar nicht vorstellen konnte.

Video: EDM@CHI: Toews bedient Panik beim Meilenstein

Toews spielte in den Jahren 2004 und 2005 noch für die Eishockeymannschaft der Shattuck St. Mary's im High-School-Ligensystem der Vereinigten Staaten. Seine College-Ausbildung begann er zur Saison 2005-06 an der University of North Dakota und schloss sich dem dortigen Eishockey-Team der Universität, den Fighting Sioux an.
Nach einer guten Rookie-Saison wurde er im NHL Entry Draft des Jahres 2006 in der ersten Runde an dritter Position von den Chicago Blackhawks ausgewählt. Kein Wunder also, dass er auch bei meinem Besuch dort damals noch keine Rolle im United Center spielte.

Erst im Mai des Jahres 2007 unterschrieb Jonathan Toews einen Einstiegsvertrag über drei Jahre bei den sportlich schwächelnden Blackhawks. Bei seinem Debüt für die Franchise in der NHL gelang ihm unmittelbar mit dem ersten Schuss in der Partie gegen die San Jose Sharks sein erstes Tor in der höchsten Spielklasse Nordamerikas. Der Anfang des Aufschwungs war damit, damals noch vergleichsweise wenig beachtet, jedenfalls gemacht.

Und obwohl der junge Angreifer aufgrund einer im Januar 2008 erlittenen Knieverletzung insgesamt 18 Saisonspiele verpasste, beendete er die Saison 2007-08 mit starken 54 Punkten und war damit trotz der Verletzungsproblematik immerhin der viertbeste Rookie des Jahres.

Im Sommer des Jahres 2008 ernannten ihn die Blackhawks mit seinen damals gerade einmal 20 Jahren bereits zum Mannschaftskapitän. Damit war er nach den beiden Eishockeylegenden Sidney Crosby und Vincent Lecavalier zum jüngsten Kapitän der NHL-Geschichte geworden. Die Älteren unter unseren Lesern hier werden sich vielleicht noch an die Aktion erinnern. Die Berufung sorgte damals nämlich für so einige Diskussionen. Viele Beobachter hielten den Kanadier noch für deutlich zu jung und unerfahren für diese bedeutende Anführer-Rolle in einem recht unstrukturiert wirkenden Team im Neuaufbau. Doch Toews sollte alle Skeptiker, wie wir heute wissen, rasch Lügen strafen.

Denn bereits in der anschließenden Saison 2008-09 konnte der Stürmer seine Offensivleistungen aus dem Vorjahr weiter steigern und nahm zusätzlich auch bereits am All-Star Game der NHL teil.

Im Februar 2009 erzielte er in einem Spiel gegen die Pittsburgh Penguins den ersten Hattrick seiner Profikarriere. Mit am Ende insgesamt 69 Scorer-Punkten war Toews dann auch schon maßgeblich für den erstmaligen Playoff-Einzug seiner Mannschaft seit dem Jahre 2002 beteiligt. Hier gab es gegen die damals noch extrem stark agierenden Detroit Red Wings im Westen Conference Finale jedoch zunächst noch eine Niederlage.

Im Dezember 2009 verlängerte Toews seinen Vertrag bei den Blackhawks vorzeitig bereits um fünf weitere Jahre. Ein eindeutiger Vertrauensbeweis für den jungen Kapitän, der die seit Jahren vor sich hin dümpelnde Franchise bereits zu diesem Zeitpunkt auf beachtliche Art und Weise frisch belebt hatte.

 In den Playoffs seiner zweiten Saison führte er die Mannschaft dann mit 29 Scorer-Punkten aus 22 Partien zum Stanley Cup-Sieg und wurde anschließend mit der Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler ausgezeichnet.
Mit dem Titelgewinn wurde Toews zum jüngsten Mitglied des Triple Gold Club, nachdem er zuvor bereits mit der kanadischen Nationalmannschaft sowohl bei der Weltmeisterschaft als auch bei den Olympischen Winterspielen die Goldmedaille gewann. Bereits damals war der Kanadier also zu einer echten Eishockeylegende geworden. Und das in diesen jungen Jahren.

Für viele Sportler wäre der rasche Erfolg sicherlich ein Signal gewesen nun erst einmal einen Gang zurückzuschalten, da die sportlichen Ziele ja bereits alle zumindest einmal erreicht werden konnten. Doch so tickt der Hawks-Kapitän nicht, wie er in den kommenden Jahren eindrucksvoll vorführte.

Bereits im folgenden Jahr spielte Toews mit dann 76 Scorer-Punkte die punktbeste Spielzeit seiner bisherigen NHL-Karriere, schied mit den Blackhawks diesmal allerdings etwas überraschend bereits in der ersten Runde der Playoffs gegen die Vancouver Canucks aus.

Die Saison 2011-12 war für den Kanadier in erster Linie von Verletzungen überschattet, so dass er in dieser Runde lediglich 59 Partien bestreiten und dabei 57 Punkte erzielen konnte. Ein sportliche Rückschritt, wenn auch ein von der Gesundheit erzwungener.

In der durch den damaligen Lockout verkürzten NHL-Spielzeit der Saison 2012-13 konnte er dann wieder mit den bereits zuvor gezeigten guten Offensivleistungen vollends überzeugen und verzeichnete mit diesmal 23 Treffer sowie 25 Torvorlagen in 47 Saisonspielen wieder stärkere Quoten für sein Team.

Anschließend half der talentierte Angreifer zudem mit 14 Punkten in den 23 Playoff-Partien seines Teams beim zweiten Stanley-Cup-Sieg der Blackhawks innerhalb von drei Jahren entscheidend mit, und der Kapitän des Titelgewinners erhielt anschließend zudem auch die Frank J. Selke Trophy als seinerzeit defensivstärkster Stürmer der gesamten Liga.

Im Juli des Jahres 2014 verlängerte er seinen Kontrakt bei den Blackhawks dann noch einmal, diesmal gleich um beachtliche acht Jahre, steigerte sein zuvor schon recht üppiges Gehalt nun auf kolportierte 10,5 Millionen US-Dollar pro Spielzeit.

Und auch in der darauf folgenden Spielzeit 2014-15 überzeugte Toews einmal mehr mit starken Leistungen und markierte bei seinem bereits insgesamt dritten Stanley-Cup-Erfolg mit dem Team insgesamt 21 Punkte in 23 Playoff-Spielen. Im Anschluss an diese abermalige Meisterschaft mit 'seinem' Team gewann er persönlich zudem den Mark Messier Leadership Award, welcher jährlich für herausragende Führungsqualitäten verliehen wird.

Doch Toews vermochte in den letzten Jahren nicht nur in der NHL mit seinen 'Hawks' auf allerhöchstem Eishockey-Niveau auf sich aufmerksam zu machen und zu begeistern. Auch international trat er mit kanadischen Auswahlmannschaften regelmäßig groß in Erscheinung.

Bereits im Jahre 2005 war er Mannschaftskapitän bei der U-17 Hockey Challenge. Damals war er dementsprechend erst 17 Jahre alt. Hier gewann er die erste Goldmedaille seiner internationalen Laufbahn mit einer kanadischen Auswahl und wurde auch noch persönlich zum wertvollsten Spieler des damaligen Turniers gewählt.

Ein Jahr später überzeugte er bereits für Team Kanada bei der damaligen U20-Junioren-Weltmeisterschaft. Hier führte er die teaminterne Scorer-Wertung seiner Mannschaft an und gewann mit seinem Mutterland Kanada die dritte Goldmedaille der Nationalmannschaft in den letzten drei Turnieren. Der hierbei noch blutjunge Toews wurde zudem ins All-Star Team des Turniers berufen.

Und da er schon so früh so sehr auf sich aufmerksam machte, kam auch die Berufung in den A-Kader des Team Kanada für die Eishockey-Weltmeisterschaft 2007 in Moskau für die Experten nicht mehr ganz so überraschend. Dort gewann er mit einem hochkarätig besetzten Kader als Jungspund ebenfalls auf Anhieb den Weltmeistertitel im Seniorenbereich. Er trug als absoluter Neuling im Kader bereits zwei Tore und fünf Torvorlagen zum großen Erfolg im Turnierverlauf nicht unerheblich bei.

In den Jahren 2010 und 2014 wurde er mit der kanadischen Nationalmannschaft zudem auch noch Olympiasieger. Im Herbst 2016 war er beim Gewinn des World Cup of Hockey zudem ebenfalls am Titelgewinn von Team Kanada aktiv beteiligt.

Keine schlechte Bilanz also für den talentierten Kanadier. Der aktuell am gestrigen Samstagabend erreichte Meilenstein von 600 NHL-Punkten passt hier hervorragend zur Abrundung noch mit hinzu.

Und wer weiß, vielleicht folgt im Frühsommer ja auch noch der vierte Stanley Cup-Triumph für den dann 29-Jährigen. Unwahrscheinlich erscheint das jedenfalls aktuell, trotz der 1:3-Pleite gegen Edmonton gestern nicht.

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