JagrKladno

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In dieser Ausgabe: Jaromir Jagr (Rytiri Kladno)

Sein Bart und seine Schläfen sind mittlerweile ziemlich grau geworden. Doch an guten Tagen lässt Jaromir Jagr nach wie vor sein Können auf dem Eis aufblitzen. Vor zwei Wochen erzielte der frühere NHL-Superstar in der zweithöchsten tschechischen Liga sein erstes Saisontor für Rytiri Kladno. Im Spiel gegen den HC Dukla Jihlava traf er im Powerplay mit einem sehenswerten Schuss aus halblinker Position. Bei seinem Stammverein aus der Industriestadt vor den Toren Prags ist Jagr nicht nur Spieler, sondern auch Eigner und Präsident in Personalunion. Am Montag feiert er seinen 49. Geburtstag.
Lange hatte es den Anschein, als könnte Jagr einfach bis in alle Ewigkeit weitermachen. Mit 50 wolle er auf alle Fälle noch auf professionellem Niveau spielen und mit 60 dann zumindest bei einer Thekenmannschaft, hatte er vor ein paar Jahren halb im Scherz, halb ernsthaft zu Protokoll gegeben. Aber in der Zwischenzeit scheint der Jungbrunnen versiegt zu sein, in den er regelmäßig vor Beginn einer Spielzeit eintauchte. Körper und Geist fordern nach 33 Jahren Eishockey auf professionellem Niveau langsam aber sicher ihren Tribut, wie Jagr unumwunden zugab.

"Ich kann nicht sagen, wie lange ich noch spielen will", ließ er vor Kurzem auf die Frage nach seinen Zukunftsplanungen als Aktiver verlauten. "Das Spiel wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Es fällt mir nicht leicht, mich immer wieder neu zu motivieren. Dennoch denke ich nicht, dass diese Saison die letzte in meiner Karriere sein wird."
Gerne würde er in den nächsten Wochen und Monaten seinen Beitrag zum direkten Wiederaufstieg von Kladno in die Extraliga leisten. Im Vorjahr war das Team aus der obersten tschechischen Spielklasse abgestiegen, obwohl sich Jagr mächtig ins Zeug gelegt hatte, genau das zu verhindern. In 38 Einsätzen sammelte er 29 Scorerpunkte (15 Tore, 14 Assists). In dieser Saison trat er bislang deutlich kürzer und brachte es auf drei Zähler (ein Tor, zwei Assists) in 13 Partien. In Sachen Rückkehr in die oberste Klasse des tschechischen Eishockeys befindet sich Kladno auf einem guten Weg. Nach 27 Begegnungen rangiert der Klub punktgleich mit Spitzenreiter HC Stadion Vrchlabi und dem Zweiten Jihlava an dritter Stelle in der Tabelle.
Jagr ist weit über sein Heimatland hinaus eine Eishockey-Legende. Diesen Status verdankt er vor allem seiner überaus erfolgreichen NHL-Karriere. Sie begann in der Saison 1990/91 bei den Pittsburgh Penguins und endete 2017/18 bei den Calgary Flames. Dazwischen lagen weitere Stationen bei den Washington Capitals, New York Rangers, Philadelphia Flyers, Dallas Stars, Boston Bruins, und den Florida Panthers. Zwischendurch kehrte er der NHL für vier Jahre, verteilt auf zwei Etappen, den Rücken und spielte in der KHL bei Avangard Omsk.

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Die Penguins hatten Jagr beim NHL Draft 1990 in der ersten Runde an fünfter Position ausgewählt. Er schaffte in der folgenden Spielzeit auf Anhieb den Durchbruch und gewann zudem den Stanley Cup. Ein Jahr später sicherte er sich mit Pittsburgh seinen zweiten Meistertitel. Ein dritter Triumph blieb ihm trotz mannigfaltiger Anläufe verwehrt.
Dafür sorgte er auf persönlicher Ebene weiterhin für Furore. Bis heute gilt er als einer der besten Rechtsaußen in der NHL. Mit 1921 Scorerpunkten aus 1733 Saisonspielen ist er in der Bestenliste die Nummer zwei hinter Wayne Gretzky (2857). In der Torjägerliste steht er mit 766 Toren an dritter Position. Öfter als Jagr trafen nur Gretzky (894) und Gordie Howe (801) ins Schwarze.
Üppig bestückt ist seine Sammlung an individuellen NHL-Trophäen. Fünfmal (1995, 1998-2001) sicherte sich Jagr die Art Ross Trophy, die an den erfolgreichsten Scorer der regulären Saison verliehen wird. Dreimal (1999, 2000, 2006) bekam er den von der Spielervereinigung NHLPA an den besten Spieler der Saison verliehenen Lester B. Pearson Award (jetzt Ted Lindsay Award). Einmal (1999) erhielt er die Hart Trophy für den wertvollsten Spieler und einmal (2016) die Bill Masterton Memorial Trophy, die an einen Akteur für dessen besondere Ausdauer, Hingabe und Fairness vergeben wird.

jj

Unvergessen ist darüber hinaus Jagrs einmaliges Gastspiel in Deutschland während des Lockouts in der NHL-Saison 1994/95. Er ließ sich von seinem Kumpel Peter Fiala überreden, für ein Match das Trikot der Schalker Haie überzustreifen, die seinerzeit in der 1. Liga Nord am Start waren. Gerade einmal 27 Sekunden dauerte es, bis der Ausnahmekönner am Dreikönigstag 1995 in der Begegnung gegen den Herner EV das 1:0 markierte. Am Ende hieß es 20:5 für Schalke. Nach dem frühen Treffer hatte sich Jagr damit begnügt, seine Mitspieler in Szene zu setzen. An zehn Toren war er mit einem Assist beteiligt.