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Schweizer Männerfreundschaft ruht im Finale

Mark Streit von den Penguins trifft auf seinen guten Freund Roman Josi von den Predators

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

PITTSBURGH - Seit vielen Jahren verbindet die beiden Schweizer Mark Streit (Pittsburgh Penguins) und Roman Josi (Nashville Predators) eine enge Freundschaft. Die gebürtigen Berner haben nicht nur privat viele gemeinsame Interessen, sondern auch was ihren Beruf angeht. Beide sind offensivstarke Verteidiger und haben jahrelang im Sommer zusammen trainiert, um sich auf die bevorstehende NHL-Saison vorzubereiten. Nun wird ihre freundschaftliche Bande auf eine harte Probe gestellt. Ab Montag treffen beide mit ihren Klubs in der Finalserie um den Stanley Cup aufeinander. Das bedeutet, dass nur einer seine Karriere mit dem Gewinn des begehrten Silberpokals krönen wird.

Streit begann seine NHL-Laufbahn in der Saison 2005/06 bei den Montreal Canadiens. Sie hatten ihn beim Draft 2004 als achten Pick an Gesamtposition 262 ausgewählt. Am 1. Juli 2008 unterschrieb er als Free Agent bei den New York Islanders. Fünf Jahre später heuerte er bei den Philadelphia Flyers an. Im März dieses Jahres wechselte er in einem aufsehenerregenden Transfer im Rahmen der Trade Deadline zu den Penguins.

Josi spielt seine sechste Saison bei den Predators. Sie nahmen ihn beim Draft 2008 als dritten Spieler unter Vertrag. Der Verteidiger stand an 38. Gesamtposition auf der Liste der verfügbaren Akteure. In der Saison 2011/12 feierte er sein Debüt im Trikot der Predators.

Jeder, der vor Saisonbeginn auf ein Duell Josi gegen Streit im Stanley-Cup-Finale gesetzt hätte, wäre mitleidig belächelt worden. Die Predators hatten im Sommer ihren Kapitän und Superstar Shea Weber an die Canadiens abgegeben. Trotz der im Gegenzug getätigten Verpflichtung von Montreals Publikumsliebling P.K. Subban und eines in der Tiefe gut besetzten Kaders hatte niemand Nashville als Sieger der Western Conference auf der Rechnung. Zumal das Team sich lediglich über die zweite Wildcard für die Playoffs qualifiziert hatte.

Video: Roman Josi über die Schweizer

Webers Weggang schmerzte Josi besonders. In den vergangenen Jahren hatten beide ein kongeniales Defensiv-Duo gebildet. Der Plan, den vakanten Posten an Josis Seite nahtlos durch Subban zu ersetzen, funktionierte nicht. Zu allem Überfluss verletzte sich der Neuzugang während der Hauptrunde und fiel längere Zeit aus. Mit Ryan Ellis klappte es dagegen besser. Josi und er haben als Verteidiger-Paar großen Anteil daran, dass die Predators im Finale stehen. In den laufenden Playoffs war der 26-jährige Schweizer bei allen 16 Spielen im Einsatz. Dabei verbuchte er zehn Scorer-Punkte (fünf Tore, fünf Vorlagen).

Für seinen Landsmann Streit stand die Playoff-Teilnahme lange Zeit auf des Messers Schneide. Mit den Philadelphia Flyers bewegte er sich meistens unter dem ominösen Strich in der NHL-Tabelle. Der Wechsel zu den Penguins am 1. März kam ihm daher nicht ungelegen. Dabei hatten ihn die Flyers zunächst zu den Tampa Bay Lightning transferiert, die ihn jedoch eine halbe Stunde später an den amtierenden Champion weiterreichten.

Allerdings lief es dort für den 39-jährigen Routinier nicht wie erhofft. Während er in Philadelphia zu den unumstrittenen Leistungsträgern gehörte, musste er in Pittsburgh zuletzt sogar mehrfach mit einem Platz auf der Tribüne vorliebnehmen. In der Hauptrunde bestritt Streit 19 Begegnungen für die Penguins und erzielte dabei sechs Scorer-Punkte (ein Tor, fünf Vorlagen). In den Playoffs lieferte er bei seinen drei Einsätzen im Conference-Finale gegen die Ottawa Senators zwei Torvorlagen.

Trotz der schwierigen persönlichen Situation kommt Streit kein Wort der Klage oder Resignation über die Lippen. "Die Penguins sind eine großartige Organisation und ein tolles Team", sagte er am Sonntag zu NHL.com/de. Nach seinen starken Darbietungen gegen die Senators hofft Streit, dass er auch im Laufe der Finalserie gegen die Predators zum Zuge kommt und seinem Kumpel Josi nicht nur von den Rängen aus zuschauen muss.

Video: ANA@NSH, Sp3: Josi erzielt im PP die späte Führung

"Wir verstehen uns sehr gut. Ich habe mit Roman 2009 die gesamte Weltmeisterschaft gespielt. Seitdem verbringen wir im Sommer fast jeden Tag zusammen, wenn wir beide zu Hause in Bern sind. Vor mir zu Roman sind es gerade einmal fünf Minuten mit dem Fahrrad. Das nutzen wir natürlich und spielen oft Tennis oder machen anderen Sport miteinander", erzählte Streit über die Freundschaft. Wegen der aktuellen Umstände ruhe diese jedoch für die nächsten zwei Wochen. "Wir machen jetzt erst einmal eine Pause und reden nach dem Finale wieder miteinander", sagte Streit mit einem Augenzwinkern.

Roman Josi bestätigte gegenüber NHL.com/de die von Streit angekündigte Funkstille. "In den nächsten zwei Wochen werden wir leider keine Freunde sein", meinte er mit einem Lächeln. "Wir hätten nicht einmal im Traum daran gedacht, dass wir uns einmal in einem Stanley-Cup-Finale gegenüberstehen würden. Ich denke, es wird viel Spaß machen", fügte Josi hinzu. Er freut sich, dass mit Yannick Weber ein weiterer Schweizer auf Seiten der Predators in den Endspielen dabei sein wird. Er ist häufig der Dritte im Bunde, wenn sich Streit und Josi in Bern zum Training oder anderen Unternehmungen treffen. Bei dieser einmaligen Konstellation ist es jammerschade, dass am Ende nicht alle drei Spieler ihren Namen auf dem Siegerpokal wiederfinden können.

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