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Stell dir vor, du bist das NHL-Schlusslicht und liegst Mitte des 3. Drittels auswärts mit 1:4 zurück. Viele Chancen wurden den San Jose Sharks am Dienstagabend in der UBS Arena wohl nicht mehr eingeräumt, doch am Ende siegten die Gäste mit 5:4 n.V. bei den New York Islanders. Dieses wilde Comeback machte ein Hattrick von Tomas Hertl überhaupt erst möglich. In der Overtime sorgte schließlich William Eklund für Entsetzen auf Long Island.

SJS@NYI: Hertls Hattrick verhilft den Sharks zu einem Comeback-Sieg

Eine unglaubliche Aufholjagd

In Auswärtsspielen hatten die Sharks vor diesem Spiel eine desaströse 1-11-0-Bilanz. Aus den ersten zehn Spielen auf fremdem Eis gelang nie mehr als ein Treffer.

Auch bei den Islanders lag San Jose bis Mitte des dritten Drittels noch mit 1:4 zurück. Dann aber sorgte die Reihe um den deutschen Mittelstürmer Nico Sturm (13:03 Minuten Eiszeit, drei Torschüsse, 50 Prozent Bullys, +1) für die Wende, als Reihenkollege Kevin Labanc einen Schuss von Nikita Okhotiuk zum 2:4 abfälschte (52.).

„Der zweite Treffer hat uns einen Funken Hoffnung gegeben“, so Sharks-Trainer David Quinn. „Die Reihe um Sturm, Labanc und (Justin) Bailey hat einen richtig guten Job gemacht, war beim Forechecking erfolgreich, hat den Puck nach oben gebracht, wo Okhotiuk eine Bombe loslässt, die wir gut verdecken konnten.“

Die Aufholjagd nahm daraufhin ihren Lauf: San Jose zog schon früh den Torwart für einen zusätzlichen Stürmer und ging voll ins Risiko. Hertl fand einen freiliegenden Puck am rechten Pfosten und staubte zum 3:4 ab (57.). Erneut bei gezogenem Goalie parkte Hertl erneut vor dem rechten Pfosten ein und erwischte dort den Rebound auf einen Schuss von Eklund, um zum 4:4 auszugleichen (58.). Für Hertl war es der sechste Hattrick seiner NHL-Karriere und der erste seit dem 8. Januar 2022.

Somit hatten die Sharks bereits einen Punkt sicher, doch das Momentum trug die Kalifornier auch noch durch die Verlängerung, wo fünf Sekunden vor dem Ablauf der Zeit das nicht mehr für möglich geglaubte Comeback perfekt gemacht wurde: Mikael Granlund zog mit einer Einzelaktion zwei Gegenspieler auf sich und ließ den Puck für Eklund liegen, der aus dem Hintergrund abzog und zum 5:4 traf (65.).

SJS@NYI: Eklund entscheidet das Spiel in der Overtime bei noch fünf Sekunden auf der Uhr

„Ich war einfach nur erschöpft, wenn ich ehrlich sein soll“, schnaufte Eklund nach dem Spiel durch. „Ich wollte nur ein wenig Geschwindigkeit aufnehmen, dann hat Granlund einen unglaublichen Drop-Pass gespielt. Ich habe versucht, den Puck aufs Tor zu bringen, und er ist reingegangen.“

Zweiter Auswärtssieg der Saison

Erst zum dritten Mal in der Franchise-Geschichte gelang es San Jose, einen Drei-Tore-Rückstand im dritten Drittel noch in einen Sieg zu drehen. Zuvor hatten das die Sharks am 8. Dezember 2010 bei den Philadelphia Flyers sowie am 23. April 2019 in Spiel 7 der 1. Runde der Stanley Cup Playoffs gegen die Vegas Golden Knights geschafft.

In der laufenden Saison war es erst der zweite Auswärtssieg für San Jose (2-11-0). Irgendetwas scheint im Wasser im Bereich um New York City anders zu sein, denn aus den jüngsten drei Partien bei den New Jersey Devils (6:3), New York Rangers (5:6) und New York Islanders (5:4 n.V.) erzielten die Sharks immer mindestens fünf Tore und holten vier von sechs möglichen Punkten.

„Wir fühlen uns gut innerhalb der Mannschaft, denn wir haben in diesem Jahr schon viel zusammen durchgemacht. Dieser Sieg hat mir gezeigt, dass wir es können. Bereits im letzten Spiel sind wir beinahe gegen ein richtig gutes Team zurückgekommen. Heute ist es uns tatsächlich gelungen. Das fühlt sich richtig gut an“, sagte Hertl.

Für die Sharks geht es nun auf die Etappen fünf und sechs eines Sechs-Spiele-Roadtrips, der mit Auswärtsspielen bei den Detroit Red Wings und Vegas Golden Knights enden wird.

Blankes Entsetzen bei den Islanders

Lange Gesichter gab es dagegen bei den Islanders, die zum dritten Mal in den letzten vier Spielen einen Vorsprung im dritten Drittel hergaben. „Das ist unakzeptabel“, sagte New Yorks Stürmer Brock Nelson. „Vier, fünf Minuten vor Schluss sind wir zu Hause zwei Tore vorne. Da sollten wir zwei Zähler aufs Punktekonto buchen und weitermachen.“

Die Islanders haben in dritten Dritteln in dieser Saison ein Torverhältnis von 17:34 und eine Overtime-Bilanz von 1-5. „Ich habe keine Worte dafür“, war New Yorks Kapitän Anders Lee entsetzt. „Es ist einfach richtig schlecht.“

Die Sharks (7-17-2) haben die Rote Laterne in der NHL an die Chicago Blackhawks weitergereicht. Die Islanders (10-7-7) belegen den letzten Wildcard-Rang in der Eastern Conference.

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