Helmut De Raaf, 2026 NHL Global Series Germany

Wer Eishockey schon länger als 25 Jahre verfolgt, dem ist der Name Helmut De Raaf definitiv ein Begriff, auch wenn der jetzt 64-jähige Deutsche bis heute seinem Sport treu geblieben ist. De Raaf hat sich nach dem Ende seiner aktiven Karriere, in der er als Torhüter insgesamt neun Mal Deutscher Meister wurde, als Trainer und zuletzt im Nachwuchsbereich einen Namen gemacht. Seit 2014 ist er Director of Development der Red Bull Academy in Liefering bei Salzburg, wo junge Eishockeyspieler ab 14 Jahren idealerweise zu Profis ausgebildet werden sollen. Berühmte Absolventen sind unter anderem die NHL-Spieler, Verteidiger Noah Dobsen von den Montreal Canadiens und Stürmer JJ Peterka von den Utah Mammoth.

WPG@UTA: Peterka taucht frei vor dem Tor auf und verwandelt mit viel Geduld

De Raaf ist Mitglied der deutschen Eishockey Hall of Fame. Er spielte von 1980 bis 1983 bei der Düsseldorfer EG und wechselte dann zum, bei den DEG-Fans verhassten Rivalen, den Kölner Haien, wo er zwischen 1983 und 1988 viermal die Deutsche Meisterschaft gewann. Danach wechselte er zurück zur DEG, wo er bis 1996 spielte und den Gewinn fünf weiterer Meisterschaften verzeichnen konnte. In den 1990er Jahren war er deutscher Nationaltorhüter. Bereits während er ab 1998 noch eine Backup-Rolle bei den Adler Mannheim inne hatte, trainierte er von 1999 bis 2013 die Jungadler Mannheim und hatte dort unter anderem Leon Draisaitl, dem heutigen deutschen Superstar der Edmonton Oilers, unter seinen Fittichen.

Logisch, dass der gebürtige Neusser und langjährige Einwohner von Düsseldorf, die Meldung, wonach die NHL Global Series Germany 2026 im Dezember in seiner Heimatstadt stattfinden wird, mit großem Interesse aufgenommen hat. Aber er war auch überrascht, wie er im kürzlich geführten exklusiven Interview in der Red Bull Academy mit NHL.com/de offenbarte.

Düsseldorfer Helmut De Raaf über die NHL Global Series Germany 2026

Wie hast du es aufgenommen, dass die NHL Global Series Germany 2026 nach Düsseldorf kommt?

„Ehrlich gesagt war ich überrascht, weil Düsseldorf kein Erstliga-Klub mehr ist. Es ist eine tolle Stadt und sehr zentral. Ich bin dort aufgewachsen, habe viele Jahre dort gespielt. Es ist für die Stadt eine Riesenbereicherung die Global Series dort zu haben. Andere Städte wären auch prädestiniert gewesen und waren sicher von vielen auf der Rechnung, wie Berlin, Mannheim, Köln und jetzt auch München. Es freut mich aber für Düsseldorf. Das Eishockey dort ist in den letzten Jahren stagniert mit dem Tiefpunkt des Abstiegs und etwas in die Nische gerutscht. Und die Global Series ist eine enorme Chance, auch für die DEG, wieder etwas aus diesem Schattendasein herauszutreten.“

Ein Hauptargument für Düsseldorf war sicher, dass Tim Stützle in der Nähe geboren und in Krefeld groß geworden ist und jetzt mit den Ottawa Senators kommt …

„… ach so. Ja, aber Leon Draisaitl ist in Köln geboren, das liegt auch in der Nähe und da wäre Düsseldorf die Mitte zwischen beiden gewesen.“

TBL@OTT: Tim Stützle trifft und liefert zwei Assists beim 6:2-Erfolg der Senators

Aber Leon Draisaitl nach Düsseldorf zu schicken, wäre vielleicht nicht der ideale Plan gewesen?

„Ich glaube aber inzwischen ist es so, dass diese große Rivalität, wie ich sie damals zu meiner Zeit, als ich gespielt habe, erlebt habe, ist nicht mehr ganz so groß, da die DEG jetzt in der zweiten Liga ist und die Haie weiterhin in der Spitze der DEL kämpfen. Dadurch hat es etwas nachgelassen. Zu früheren Zeiten war das etwas ganz anderes.“

ANA@EDM, GM 5: Draisaitl lauert im Powerplay in seinem Wohnzimmer und versenkt einen Onetimer

Wie war das damals von der DEG zu den Haien und wieder zurück zur DEG zu gehen?

„Ich kam damals aus dem Nachwuchs in die Herrenmannschaft der DEG und hatte meine erste Saison. Wir waren in dieser Saison nicht sehr erfolgreich gewesen. Damals kam mit Heinz Weisenbach ein neuer und sehr erfahrenen Trainer nach Düsseldorf. Und der meinte, dass wir einen erfahreneren Torhüter benötigen. Er hat mir klar gesagt, dass ich Talent und eine Zukunft hätte, aber nicht bei der DEG. Das habe ich akzeptiert, dass er mir das so klar gesagt hat. Und da musste ich nicht lange überlegen, als ich ein Angebot der Kölner erhielt, die ein Topteam waren. So hat es fünf Jahre in Köln mit vier Meisterschaften sehr gut funktioniert.

Als ich 26 war, musste ich mich nach diesen tollen Jahren entscheiden, ob ich meine ganze Karriere in Köln bleiben will oder mich noch einmal verändere. Und da bin ich wieder nach Düsseldorf zurück. Meine komplette Familie kam schließlich aus dieser Region. Ich muss im Nachhinein sagen, dass der erste Wechsel sehr geräuschlos war, da es weniger interessiert hat, wenn ein junger Torwart wechselt, aber als ich die ersten Meisterschaften mit Köln gewonnen hatte, stand ich mehr im Fokus. Und bei den Spielen mit Köln in Düsseldorf, die immer mit über 10.000 Zuschauern ausverkauft waren, musste ich mir schon anhören, dass da ein Judas und Verräter im Tor steht. Aber solche Dinge haben mich weniger belastet, sondern eher motiviert. Das war immer etwas, was zu meinem Spiel dazu gehörte. Man hat sich gegenseitig gebraucht, es war immer so eine Art Hassliebe. Die Leute haben sich daran erfreut, dass die Kölner in Düsseldorf Alt trinken mussten und die Düsseldorfer in Köln das Kölsch. Meines Wissens wurden auch nie gewisse Grenzen überschritten. Es war immer auf einem angenehmen und unterhaltsamen Niveau.“

Die NHL hat angekündigt, mindestens die nächsten drei Jahre, mit der NHL Global Series nach Deutschland zu kommen. Wie findest du dieses Engagement der NHL in Deutschland?

„Ich habe viele Sachen erlebt, als die NHL da war. Ich war schon in Köln und Berlin. Es war immer ein Hype. Es ist schön anzusehen, wie die Fans aus dem ganzen Land und sogar aus Mitteleuropa daraus ein Fest machen. Man sieht nicht nur deutsche Fans, sondern sie kommen aus der Schweiz, aus Tschechien und von überall her. Selbst aus Ländern wie Niederlanden oder Belgien, wo man jetzt nicht so mit Eishockey oder NHL verbindet. Diese Spiele bringen einfach diese Leute zusammen, was unglaublich toll ist. So sind auch Freundschaften entstanden, die jahrelang anhalten und sich immer bei diesen Spielen treffen. Das ist ein sehr schöner Event, wo man Eishockeyfans aus ganz Europa zusammenbringt.“

Inwiefern könnte es auch ein Boost für die Ausbildung sein?

„Das ist schwierig. Natürlich bringt immer alles, was in der Öffentlichkeit steht, etwas. Je mehr Aufmerksamkeit man hat und in den Medien vertreten ist, desto mehr profitiert die Ausbildung davon. Wenn Kinder das sehen, dann wollen sie diese Sportart verfolgen und teilweise auch selber spielen. Häufig sind es natürlich auch die Eltern, die sich für Eishockey interessieren und ihre Kinder dazu bringen. Aber es ist in Deutschland nicht unbedingt das Thema der Rekrutierung in den letzten Jahren seit dem Gewinn von Silber bei Olympia 2018. Das hat schon einen Schub gebracht. Das Problem sind mehr die Ausbildungsstandard als die Rekrutierung. Man wird vom Verband sehr gut gefördert. Die Zahl der Kinder, die Eishockey spielen steigt. Ein Problem ist, dass es ein sehr teurer Sport ist, aber das größte Problem sind die Ausbildungsstandard für die Ansprüche, die man hat.“

Wirst du im Dezember dabei sein, wenn der NHL-Puck in Düsseldorf fällt?

„Wenn ich das mit meiner Arbeit in der Akademie vereinbaren kann, wovon ich allerdings ausgehe, da der Dezember immer etwas ruhiger ist, dann werde ich die Möglichkeit nutzen, mir die Spiele live vor Ort anzuschauen. Ich freue mich schon sehr darauf.“

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