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Die Anaheim Ducks haben sich am Donnerstag aus den Stanley Cup Playoffs 2026 verabschiedet. Sie taten dies erhobenen Hauptes und unter dem Beifall ihrer Fans, auch wenn die ausschlaggebende 1:5-Heimniederlage in Spiel 6 der Zweiten Runde der Western Conference gegen die Vegas Golden Knights deftig ausfiel. Die Kalifornier gehörten zweifelsohne zu den positiven Überraschungen in dieser Spielzeit. In der regulären Saison schafften sie durch den 3. Platz in der Pacific Division erstmals seit 2018 wieder den Sprung in die Postseason. Dort schalteten die Ducks in Runde 1 die Edmonton Oilers nach sechs Aufeinandertreffen mit 4:2 aus. Mit diesem Gesamtergebnis zogen sie im Anschluss gegen die Golden Knights den Kürzeren.

VGK@ANA, Sp6: Golden Knights, Ducks treffen sich nach der zweiten Runde zum Handschlag

Die Gründe für das Aus

Nach dem furiosen Auftakterfolg gegen die Oilers bekam Anaheims junge Mannschaft von einem extrem erfahrenen und ausgebufften Kontrahenten die Grenzen aufgezeigt. In den Reihen von Vegas befanden sich zwölf Stanley Cup Champions. Elf davon gehörten zur Meistermannschaft des Klubs von 2023. Die mangelnde Routine der Ducks machte sich gerade in Schlüsselmomenten bemerkbar.

Als Knackpunkt der Serie gegen die Golden Knights erwies sich die Niederlage in Spiel 5 in Vegas. Zuvor hatten die Ducks einen ihrer zwei Auftritten in der T-Mobile Arena für sich entschieden. Im fünften Duell lag ein weiterer Sieg im Bereich des Möglichen. Drei Minuten vor Schluss erzielte Anaheim den 2:2-Ausgleich. Aber das Team vermochte es nicht, das Momentum zu nutzen und mit dem so wertvollen dritten Erfolg in der Serie im Gepäck die Heimreise anzutreten. In der Overtime kassierten die Ducks nach fünf Minuten das 2:3, was ihnen nicht nur an diesem Abend den Stecker zog. Im darauffolgenden Spiel 6 hatten sie den Golden Knights nichts mehr entgegenzusetzen.

ANA@VGK, GM 5: Dorofeyev fasst einen abgefälschten Querpass aus der Luft ab und erzielt den OT-Winner

Zur mentalen Müdigkeit nach der unglücklich verlorenen Begegnung in Vegas gesellte sich nun noch die körperliche hinzu. Die Ducks mussten ihrem mit großem physischem Aufwand betriebenen Forechecking kräftemäßig Tribut zollen. Damit hatten sie die Grundlage geschaffen, um die Oilers aus dem Wettbewerb zu kegeln. Aber gegen die Golden Knights waren sie zum Schluss einfach zu platt, um die Checks sauber zu Ende zu bringen.

Ein wichtiger Faktor, um sich gegen einen von den Voraussetzungen her übermächtigen Gegner zu behaupten, sind die Special Teams. Die funktionierten gegen die Golden Knights auf beiden Seiten des Eises allerdings nur bedingt. Im Powerplay konnten die Ducks lediglich vier von 22 Gelegenheiten in einen Treffer ummünzen, was eine Quote von 18,2 Prozent entsprach. Erschwerend hinzu kam, dass sie sich bei eigener Überzahl sogar zwei Gegentore einhandelten. Beim Penalty Killing klingelte es fünfmal im Gehäuse von Anaheim. Bei zehn Strafzeiten hielten sie sich schadlos. Das waren 66,7 Prozent der Unterzahlsituationen.

In Spiel 6 gegen die Golden Knights verdichteten sich die Probleme von Anaheims Special Teams wie unter einem Brennglas. Erst kassierten sie bei eigenem Powerplay einen Shorthander zum 0:2 und danach beim Penalty Killing das 0:3 – beides im ersten Drittel. Danach waren die Partie und die Serie zugunsten von Vegas entschieden.

Und noch ein wenig Arithmetik, mit der sich das Ausscheiden der Ducks erklären lässt: Der Durchschnitt der erzielten Tore und der Gegentore befand sich gegen Vegas nicht auf einem Niveau, das einen ins Western Conference Finale bringt. 2,16 Treffer (insgesamt 13) und 3,5 Gegentreffer (21) wies die Statistik in diesen zwei Bereichen aus.

Was für die Zukunft optimistisch stimmt

Das Entwicklungspotenzial der jungen Mannschaft ist enorm. Das Erreichen der Playoffs nach sieben Jahren Abstinenz sollte für sie nur der erste Schritt gewesen sein. Das exzellente Scouting und die guten Griffe in die höheren Regale beim NHL Draft in den vergangenen Jahren machen sich bezahlt.

Zu den Nachwuchsleuten, die sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten in den Vordergrund gespielt haben, zählen Torhüter Lukas Dostal (NHL Draft 2018, 3. Runde, 85. Stelle), die Verteidiger Jackson LaCombe (2019, 2. Runde, 39. Stelle), Olen Zellweger (2021, 2. Runde, 34. Stelle) sowie die Stürmer Leo Carlsson (2023, 1. Runde, 2. Stelle), Mason McTavish (2021, 1. Runde, 3. Stelle) und Beckett Sennecke (2024, 1. Runde, 3. Stelle). Mit Cutter Gauthier (2022, 1. Runde, 5. Stelle) zogen die Ducks im Januar 2024 ein weiteres Toptalent bei einem Trade mit den Philadelphia Flyers an Land. Er avancierte mit zwölf Punkten zum teaminternen Topscorer in den diesjährigen Playoffs. Dieses Sextett könnte in ein paar Jahren das Gerüst für einen Triumph im Stanley Cup bilden.

EDM@ANA, Sp6: Gauthier nutzt die Überzahl zum 3:1 im ersten Drittel

Als Glücksgriff erwies sich ferner die Verpflichtung von Trainer Joel Quenneville im Mai vorigen Jahres. Der mittlerweile 67 Jahre alte Coach führte die Ducks gleich im ersten Jahr seiner Amtszeit in die Playoffs zurück. In seiner Doppelrolle als verständnisvoller Großvater auf der einen und gestrenger Herbergsvater auf der anderen Seite ist der ideale Mann, um den Haufen der jungen Wilden bei den Ducks zu bändigen und voranzubringen.

Dass Quenneville weiß, wie man einen Stanley Cup Champion baut, hat er bei den Chicago Blackhawks bewiesen, die er dreimal zum Titelgewinn führte. Und die Florida Panthers haben bei ihren zwei Erfolgen ebenfalls von der Aufbauarbeit des Trainerfuchses profitiert, auch wenn er die Ernte seines Schaffens nicht selbst einfahren konnte.

Die größte Herausforderung für die Ducks in der Saison 2026/27

Mit dem Einzug in die zweite Playoff-Runde und die über weite Strecken starken Auftritte in der K.o.-Phase hat Anaheim die Messlatte für die kommende Spielzeit gesetzt. Sollte die Mannschaft diese unterschreiten, dürfte das als Rückschritt gewertet werden. Vor allem im Umfeld, dessen Erwartungshaltung nach vielen dürren Jahren höher geworden ist.

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