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Auf die Frage, ob er sich schon jemals so gut gefühlt habe, wenn er zwischen den Pfosten stand, schaute Darcy Kuemper bei der Pressekonferenz nach dem 4:2-Erfolg seiner Arizona Coyotes gegen die Colorado Avalanche in Spiel 3 der Best-of-7-Serie der ersten Playoff-Runde der Western Conference fast schon etwas verlegen zur Seite. Entsprechend bescheiden fiel dann auch die Antwort des Keepers aus: "Ich gehe einfach nur da raus und versuche, einen Schuss nach dem anderen abzuwehren, mich auf den nächsten Save zu konzentrieren. (…) Wir haben heute einen guten Job in der Verteidigung gemacht. Aber ich denke, das machen wir in jedem Spiel. Das macht meine Aufgabe viel einfacher."

Nun, die Aufgabe in Spiel 3 gegen die Avalanche hat Kuemper mit Bravour gemeistert. 51 Schüsse feuerte das Team aus Denver auf seinen Kasten ab. Alleine jeweils siebenmal versuchten es Nathan MacKinnon und Cale Makar. 49 Mal hatte der Goalie das bessere Ende für sich. Das bedeutete gleichzeitig die Einstellung seines Karrierebestwerts an Saves in einem Spiel. Das erste Mal, dass er diese Marke erreichte, ist noch gar nicht so lange her: Es war am 7. August in Spiel 4 der Qualifikationsrunde gegen die Nashville Predators.
Die Anzahl von 51 Schüssen zeigt, in welche Richtung das Spiel hauptsächlich lief. Colorado dominierte die Partie über weite Strecken, doch egal, was MacKinnon und seine Mitstreiter auch versuchten, Kuemper hatte in der Regel die passende Antwort parat.
Und wenn sich das Geschehen einmal direkt vor ihm abspielte, warf er sich ins Getümmel und sicherte im Butterfly-Stil noch die Linie ab. Es hätten sogar noch mehr Paraden für Kuemper zusammenkommen können: Die Coyotes hatten am Ende 27 geblockte Schüsse zu verzeichnen. Entsprechend fielen auch die Glückwünsche der Mitspieler nach der Schlusssirene etwas ausführlicher aus als gewöhnlich. Selbst Kuempers Stellvertreter Antti Raanta konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, als er ihm mit der Fanghand den Helm tätschelte.

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Er fühle sich gut, meinte Kuemper. Der 30-Jährige machte bei der Pressekonferenz auch einen relativ entspannten Eindruck. "Wir haben heute einen guten Job gemacht", befand der Kanadier. "Wir haben hart verteidigt. Aber wir haben auch mehr Zeit in der eigenen Zone verbracht, als wir wollten", analysierte der Keeper, den die Minnesota Wild 2009 in der sechsten Runde an zehnter Stelle im NHL Draft gezogen hatten. Und er fügte hinzu: "Wenn wir so verteidigen, geben wir uns selbst die Möglichkeit, das Spiel zu gewinnen."
Viel Lob für den Keeper gab es natürlich auch von den Mitspielern. "Er hat heute eine ganze Reihe hervorragender Saves gezeigt", meinte zum Beispiel Brad Richardson. Der Routinier sorgte mit seinem Treffer zum 2:1 für die Coyotes gut eine halbe Minute vor der zweiten Drittelpause für die erneute Führung seines Teams. Derek Stepan hatte im ersten Drittel dafür gesorgt, dass Arizona in dieser Serie zum ersten Mal überhaupt gegen Colorado vorne lag. Das waren übrigens auch die einzigen beiden Treffer, die Pavel Francouz, der Philipp Grubauer um Tor der Avalanche vertrat, kassierte. Die Schüsse von Taylor Hall und Lawson Crouse gingen jeweils ins leere Tor, als Colorado in der Schlussphase verzweifelt versuchte, die Partie zumindest noch auszugleichen. Francouz hatte am Ende 19 Saves zu Buche stehen.
"In den Phasen der Partie, in denen wir einen entscheidenden Save gebraucht haben, hat er sie geliefert", sagte Coyotes-Stürmer Derek Stepan. Und er ging sogar noch einen Schritt weiter: "Ohne ihn wären wir jetzt nicht in dieser Position. Wir brauchen ihn auch weiter in dieser Form." Dass die Coyotes am Ende bei der Überlegenheit der Avalanche mit einem blauen Auge davongekommen sind, sah der Schütze des 1:0 ganz nüchtern: "In dieser Phase der Saison zählt nur das Ergebnis."
Mit dem war Avalanche-Coach Jared Bednar selbstverständlich nicht zufrieden: "Wir haben den Puck nicht wirklich gut geschossen." Er hatte nach der Partie aber auch schon eine Lösung parat. "Wir müssen Kuemper mehr die Sicht nehmen. Wenn er die Schüsse sieht, halt er sie auch. Er hat einen super Abend erwischt. Da muss man vor ihm und den Coyotes schon den Hut ziehen." Am Ende hätten seine Spieler einfach keinen Weg gefunden, mehr Tore zu schießen.

Kuempersführt Coyotes zu Sieg gegen Avalanche

Arizonas Trainer Rick Tocchet auf der anderen Seite kam bei der Betrachtung der Partie natürlich auch nicht umhin, ein paar Worte über seinen Keeper zu verlieren: "Wir sind glücklich, Darcy im Tor zu haben. Er ein super Spiel gemacht." Es sei ein sehr wichtiger Sieg für sein Team gewesen. Bei einer Niederlage wäre Colorado auf 3:0 nach Siegen davongezogen. Das wäre wohl schon so etwas wie die Vorentscheidung in der Serie gewesen.
Tocchet, 1992 als Spieler Stanley Cup-Sieger mit den Pittsburgh Penguins und als Aktiver fast 1300-mal auf NHL-Eis, schaute auch schon ein bisschen voraus: "Wir müssen mehr Offensive generieren, können es uns nicht erlauben, einfach nur den Puck wieder abzugeben."
Die Erleichterung ob des Sieges war ihm anzumerken. "In den Playoffs kann alles passieren. Wir müssen einfach bereit sein, müssen noch drei, Colorado noch zwei Spiele gewinnen. Wir werden uns jetzt nicht auf die Schulter klopfen, müssen noch besser spielen."
Seinen Torwart kann er damit allerdings wohl nicht gemeint haben. "Er ist in den vergangenen Jahren einer der besten Keeper." Deshalb sei er auch nicht überrascht ob der Leistung, die Kuemper abgeliefert habe. "Er ist ein Anführer, ist einer, für den es die Kameraden genießen, zu spielen." Das können sie wieder am Montag (23.30 Uhr MESZ, NHL.TV) in Spiel 4 der Serie unter Beweis stellen.