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AHL-Debüt für deutschen Youngster Tiffels

Kölner Jungstürmer kam in der vergangenen Woche zu seinen ersten beiden Profi-Einsätzen

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Wie machen sich die deutschsprachigen Spieler in der American Hockey League? Welche Akteure stehen vor dem Sprung in die NHL? Wer wurde von seiner Organisation nach unten geschickt und wer erhielt den erhofften Anruf eines NHL General Managers? Jeden Sonntag wirft NHL.com/de einen Blick auf die nordamerikanischen Minor Leagues und beantwortet diese und noch viele andere Fragen.

Kaum ein deutscher Eishockeyfan kann sich an die Ereignisse vom 16. Mai nicht mehr erinnern. Die deutsche Eishockeynationalmannschaft der Herren traf bei der Heim-WM 2017 auf die lettische Landesvertretung. Es war der entscheidende Showdown in der Gruppe A. Dem Sieger winkte das Viertelfinale, der Verlierer sah dem vorzeitigen Turnier-Aus entgegen.

Die Fans erlebten eine entsprechend rassige Partie, die erst im Penaltyschießen, im Duell Mann gegen Mann, entschieden werden sollte. Beide Kontrahenten nominierten jeweils drei Schützen und die ersten fünf scheiterten allesamt an den glänzend aufgelegten Schlussleuten. Weil die Letten ihr Pulver schon verschossen hatten, konnte die deutsche Auswahl mit ihrem dritten Schützen den sprichwörtlichen Sack zumachen.

Selten zuvor lag eine derartige Anspannung in der Luft der Lanxess Arena. Als der blutjunge WM-Neuling Frederik Tiffels das Eis betrat und in Richtung Bullykreis glitt, wo die Scheibe zum Penaltyschuss bereitlag, trieben die 18.797 Zuschauer den Lautstärkepegel in die Höhe.

Der gebürtige Kölner Tiffels fokussierte sich, machte drei vier große Schritte und nahm das Spielgerät auf. Von links zog Tiffels vor das Tor von Elvis Merzlikins, der bis dahin der mutmaßlich beste Goalie des Turniers war und versenkte die Scheibe mit einem frechen Schuss durch die Hosenträger im lettischen Tor. Markerschütternd war der Freudenschrei der deutschen Fans und Collegespieler Tiffels wusste, dass er sich in diesem Moment auf der ganz großen Eishockeybühne einen Namen gemacht hatte. 

Spätestens seit diesem Tag stand Tiffels Name auf den Zetteln der ganz großen Clubs. Knapp einen Monat später unterschrieb der Linksschütze einen NHL-Einstiegsvertrag bei den Pittsburgh Penguins, die ihn beim NHL Draft 2015 in der sechsten Runde (Nummer 167) ausgewählt hatten.

Nach drei Vorbereitungsspielen für den amtierenden Stanley Cup Champion im September, trat Tiffels seinen Dienst beim Farmteam, den Wilkes-Barre/Scranton Penguins, in der American Hockey League an. Doch dort, wo zuletzt so talentierte Spieler wie Jake Guentzel, Conor Sheary und Scott Wilson den letzten Schliff erhielten, hatte der Kölner, der dem Nachwuchs des Krefelder EV entsprang, einen holprigen Start.

Drei Mal in Folge stand Tiffels nicht im Wilkes-Barre/Scranton-Aufgebot und erst beim vierten Saisonspiel kam er zu seinem Debüt. Am 15. Oktober war Tiffels jedoch auf Anhieb Teil der Starting Six. Beim 6:1 Sieg gegen Syracuse durfte er in einer Sturmreihe neben Teamkapitän Tom Kostopoulus und Center Jean-Sebastien Dea wirbeln. Zwar blieb Tiffels ohne Scorerpunkt und Torschuss, doch das Penguins-Trainerteam vertraut weiterhin in sein unzweifelhaft vorhandenes Talent. Auch am 20. Oktober agierte Tiffels gegen die Laval Rocket, dem Farmteam der Montreal Canadiens, im ersten Sturmblock.

Während sich der Marktoberdorfer Markus Eisenschmid einen Assist für die Rockets sicherte, schaffte Tiffels auch beim 6:5 Overtimesieg seiner Farben keinen Eintrag auf dem Spielberichtsbogen. Doch eine erste AHL-Bilanz sollte noch nicht aufgestellt werden, denn auch Bundestrainer Marco Sturm bricht eine Lanze für Tiffels: "Wir haben bei der WM alle gesehen, was Freddie für ein toller Spieler ist und was für Fähigkeiten in ihm stecken", erzählte Sturm. In ihm steckt wirklich viel Potenzial.

"Trotzdem ist Nordamerika eine neue Erfahrung für ihn", mahnte Sturm zur Geduld. Er ist noch jung und muss viel lernen. Wir werden sehen, wie und ob er sich behaupten kann."

Der Vertrag des 22-jährigen Linksaußen läuft noch bis zum Ende der Spielzeit 2018/19. Tiffels hat erst zwei Spiele Profieishockey hinter sich und noch genügend Zeit, sich für die NHL zu empfehlen.

Dies schaffte in der vergangenen Woche beispielsweise Frederick Gaudreau. Die Neuentdeckung der Nashville Predators, die im Stanley Cup Finale 2017 groß auftrumpfte und drei Tore gegen die Penguins erzielte, begann die neue Spielzeit bei den Milwaukee Admirals. Gaudreau, der der erste Spieler seit John Harms (1944) war, der seine ersten drei NHL-Tore in einem Stanley Cup Finale erzielte, legte dort einen ordentlichen Saisonstart hin. In drei Spielen für die Admirals gelangen ihm vier Punkte (1 Tor, 3 Assists).  

Die wichtigsten Ergänzungen der vergangenen Woche:

Kyle Connor (LW), von den Manitoba Moose zu den Winnipeg Jets
Frederick Gaudreau (RW), von den Milwaukee Admirals zu den Nashville Predators
Brendan Lemieux (LW), von den Manitoba Moose zu den Winnipeg Jets
Denis Malgin (C/W), von den Springfield Thunderbirds zu den Florida Panthers
Zane McIntyre (G), von den Providence Bruins zu den Boston Bruins
Markus Nutivaara (D), von den Cleveland Monster zu den Columbus Blue Jackets
Matt Puempel (LW), von den Hartford Wolf Pack zu den New York Rangers
Matt Read (LW), von den Lehigh Valley Phantoms zu den Philadelphia Flyers
Harri Sateri (G), von den Springfield Thunderbirds zu den Florida Panthers
Ryan Sproul (D), von den Grand Rapid Griffins zu den Detroit Red Wings

Die wichtigsten Streichungen der vergangenen Woche:

Christoph Bertschy (RW), von den Minnesota Wild zu den Iowa Wild
Jonny Brodzinski (RW) von den Los Angeles Kings zu den Ontario Reign
Trevor Carrick (D) von den Carolina Hurricane zu den Charlotte Checkers
Thomas Chabot (D), von den Ottawa Senators zu den Belleville Senators
Maxime Lagace (G) von den Vegas Golden Knights zu den Chicago Wolves
Andrei Mironov (D) von den Colorado Avalanche zu den San Antonio Rampage

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