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Da war sie wieder mal, die berühmte Achterbahnfahrt, auf die Sportmannschaften gerne ihre Fans mitnehmen. Dieses Mal verantwortlich: die Philadelphia Flyers. Diese hatten in Spiel 2 der Best-of-7-Serie in der zweiten Runde der Playoffs der Eastern Conference gegen die New York Islanders eigentlich alles im Griff.

Die Mannschaft von Coach Alain Vigneault legte ein blitzsauberes erstes Drittel hin und hatte zur ersten Pausensirene mehrere Dinge erreicht. Sie hatten sich eine scheinbar komfortable 3:0-Führung gegen einen Gegner herausgeschossen, an dem sie sich in Spiel 1 noch die Zähne ausgebissen hatten. Und sie hatten mit Semyon Varlamov den Torhüter bezwungen, der sie in Spiel 1 noch zur Verzweiflung gebracht hatte.
Doch zur Hälfte der Spielzeit nahm die Achterbahn schließlich Fahrt auf. "Die Islanders haben sich gut zurückgekämpft", befand der Trainer der Flyers. "Aber wir haben am Ende trotzdem noch einen Weg gefunden, zu gewinnen." Was sich hier vielleicht etwas nüchtern liest, hatte aber doch eine gewisse Dramatik.
"Das Spiel hätte natürlich nicht in die Verlängerung gehen dürfen", meinte Flyers-Stürmer Sean Couturier nach der Partie. Damit spielte er auf den späten Ausgleich an, den das Team noch kassierte. Jean-Gabriel Pageau nutzte ein Turnover in der Verteidigungszone der Flyers und ließ dem guten Carter Hart im Tor keine Chance.

NYI@PHI Sp2: Pageau aus Handgelenk zum späten Remis

Zu dem Zeitpunkt war das Momentum endgültig auf Seiten der Islanders, die sich nach dem ersten Drittel und der Auswechslung ihres Stammkeepers, den Thomas Greiss nach dem 0:3 vertrat, zusammenrissen, sich in die Partie hineinbissen und den Flyers fortan das Leben schwer machten.
"Wir hätten in der Lage sein sollen, das Ergebnis über die Zeit zu bringen", meinte Couturier weiter. Vor dem dritten Gegentor habe er einfach einen Weg finden müssen, die Scheibe zu klären, sagte er selbstkritisch. Aber er fand gut, wie das Team zurückgekommen sei. "So, wie wir das schon die ganze Saison gemacht haben. Wir sind wieder stark aus der Kabine gekommen. Das war die Antwort, die wir gebraucht haben."
Aus Couturiers Sicht war die Leistung der Flyers in Spiel 2 "ein Schritt nach vorne". Das Forechecking habe ihm besonders gut gefallen. "Wir haben uns auch einige Chancen herausgespielt. Das teilweise ganz gut ausgesehen."
Die Islanders hatten in der regulären Spielzeit sogar noch die große Möglichkeit, die Partie komplett zu drehen. Denn die Flyers meinten, dass dem Treffer eine Abseitsstellung vorausgegangen sei, und Coach Vigneault nahm eine Challenge. Die Schiedsrichter sahen das jedoch anders, und so mussten die Flyers die Schlussphase der regulären Spielzeit noch in Unterzahl überstehen. "Die Challenge war meine Entscheidung. Es war falsch. Das war mein Fehler", räumte Vigneault ein.
Aus Sicht von Sturmkollege Kevin Hayes war der Sieg umso wichtiger, als dass bereits am nächsten Tag (7 p.m. ET; Fr. 1 Uhr MESZ, NHL.tv) die dritte Partie der Serie in der Scotiabank Arena von Toronto, der Hub City der Eastern Conference, auf dem Programm steht. "Es war ein wichtiger Sieg, vor allem vor dem Hintergrund, dass wir gleich wieder gegeneinander spielen. Wir haben eine gute Antwort gegeben. Es fühlt sich gut an. Aber wir wissen auch, dass New York morgen alles versuchen wird", meinte Hayes. Der Angreifer hatte mit seinen beiden Treffern im ersten Drittel wesentlichen Anteil daran, dass die Flyers schon früh vom Sieg träumen durften. Beide Male überwand er Varlamov am kurzen Pfosten.
Dass die Flyers am Ende die Jubeltraube auf dem Eis bildeten, lag an einem der jungen Verteidiger des Teams. Philippe Myers nahm sich an der blauen Linie einfach mal ein Herz, zog ab und war mit diesem Schuss der Einzige, der Greiss überwinden konnte. "Ich habe den Puck bekommen, habe eine Schussbahn gesehen und versucht, die Scheibe aufs Tor zu bringen. Das ist ein gutes Gefühl", beschrieb der 23-Jährige die entscheidende Szene des Spiels. Und Couturier meinte: "Das sind die Tore, die wir in den Playoffs brauchen."

All diese jungen Verteidiger wie Myers oder auch Travis Sanheim (24) hätten eine solide Leistung abgeliefert, befand Flyers-Goalie Carter Hart. "All diese Jungs sind gute Spieler. Und als Torwart sind die Verteidiger deine besten Freunde. Es macht Spaß ihnen zuzusehen", meinte der Keeper weiter. Und auch die Entwicklung sei schön zu beobachten.
Die Vorlage zu dem Tor hatte Couturier gegeben, der damit seinen Fehler vor dem 3:3 wieder ausbügelte. "Sein Wille ist unbestritten. Er hatte vor dem Tor schon eine gute Möglichkeit. Er ist ein sehr guter Spieler", lobte Vigneault den Stürmer.
Nicht auszudenken, was eine Niederlage nach einer 3:0-Führung in den Köpfen der Flyers angerichtet hätte. Speziell nach der Pleite im ersten Spiel der Serie. So aber haben sie sich gerade noch mal aus dem Schlamassel befreit. Und auch das Momentum ist nun wieder auf der Seite des Teams, das als Nummer eins in der Eastern Conference gesetzt ist. "Wir müssen das Momentum nun in das morgige Spiel transportieren. Da müssen wir wieder bereit sein", meinte Myers. Er wusste aber auch gleich, dass die Leistung aus Spiel 2 dann schon nicht mehr zählt. "Irgendwie müssen wir es aber auch schaffen, das Spiel zu vergessen."