seidenberg_raffl_split

NHL.com/de blickt auf bedeutende deutschsprachige Spieler zurück, die ihre Schlittschuhe für einzelne Franchises geschnürt haben. In dieser Folge die Philadelphia Flyers.

Im Herbst 2003 traf sich im Trainingscenter der Philadelphia Flyers eine Gruppe Eishockeyreisender mit einem jungen deutschen Spieler, der versuchte, sich in der NHL zu etablieren und seine ersten Lorbeeren in der stärksten Eishockeyliga der Welt zu verdienen. Dennis Seidenberg sein Name. Der Schwenninger freute sich über den Besuch aus Deutschland, beantwortete ohne jegliche Starallüren Fragen und verschenkte sogar großzügig zwei seiner Schläger, die er zuvor noch signiert hatte.
Sich bei den Flyers als Stammverteidiger durchzusetzen, ist eine Herausforderung, die nicht leicht zu bewältigen ist, wie Seidenberg zugab, der in seinen ersten zwei Jahren in Philadelphia auch immer wieder für die Philadelphia Phantoms, dem AHL-Farmteam der Flyers, auflaufen musste.

seidenberg

Beim NHL Draft 2001 hatten sich die Flyers in der sechsten Runde an insgesamt 172. Stelle für den deutschen Verteidiger entschieden und ihm im Sommer 2002 mit einem Einstiegsvertrag ausgestattet. Seidenberg packte die Chance am Schopfe und lieferte am 10. Oktober 2002 auswärts beim 2:2-Unentschieden gegen die Edmonton Oilers in seiner ersten NHL-Begegnung einen Assist ab - zum 2:0-Führungstreffer von keinem geringeren als John LeClair.
In seiner Rookie-Saison 2002/03 bestritt Seidenberg 58 Partien für die Flyers, brachte es dabei auf 13 Punkte (4 Tore, 9 Assists) sowie einen +/-Wert von +8 und wurde in das NHL YoungStars Roster beim All-Star Game 2003 berufen. In der darauffolgenden Saison 2003/04 kam Seidenberg zu fünf NHL-Einsätzen, während des Lockouts 04/05 gewann er mit den Phantoms den Calder Cup und am 20. Januar 2006 wurde er zu den Arizona Coyotes transferiert.
Folge uns auf [Facebook und Twitter für exklusiven Inhalt und NHL-Neuigkeiten!]
In insgesamt 92 Spielen für die Flyers erzielte Seidenberg sechs Tore und 14 Assists. Weitere NHL-Stationen von Seidenberg waren die Carolina Hurricanes, Florida Panthers, Boston Bruins, mit denen er 2011 den Stanley Cup gewann, und die New York Islanders.
Auch ein Schweizer Verteidiger begann seine NHL-Karriere in Philadelphia. Die Flyers wählten beim NHL-Draft 2008 in der ersten Runde an 19. Stelle Luca Sbisa aus, und bereits in der darauffolgenden Spielzeit 2008/09 kam der in Ozieri, Italien geborene Blueliner zu seinen ersten Auftritten im Dress der Flyers. 39 Partien bestritt Sbisa für Philadelphia, ehe er am 26. Juni 2009 zusammen mit Joffrey Lupul und zwei Erstrundenpicks (2009, 2010) im Tausch gegen Chris Pronger und Ryan Dingle an die Anaheim Ducks transferiert wurde. Sbisa ist mittlerweile für die Winnipeg Jets aktiv.

PHI@WPG: Sbisa erhöht den Spielstand mit Schuss

Auf eine gemeinsame Zeit mit Sbisa im Kader der Flyers kann Philadelphias erster Spieler aus Österreich zurückblicken. Rechtsaußen Andreas Nödl, von den Flyers beim NHL Draft 2006 in der zweiten Runde an Nummer 39 gezogen, absolvierte 39 Partien in seiner Rookie-Saison 2008/09 und erzielte hierbei ein Tor und drei Assists für die Flyers. Im Jahr darauf kam Nödl zu zehn Einsätzen (ein Assist), doch 2010/11 stellte er mit 22 Punkten (11 Tore, 11 Assists) in 67 Spielen seine NHL-Karrierebestmarke auf. Im November 2011 wurde der Wiener auf die Waiverliste gesetzt und von den Carolina Hurricanes ausgewählt.
Aus Philadelphia gar nicht wegzudenken ist der Villacher Michael Raffl, der als ungedrafteter Spieler am 3. Juni 2013 bei den Flyers unterschrieb und seither für sie auf Punktejagd geht. Von Craig Berube, Dave Hakstol, Scott Gordon bis Alain Vigneault, jeder der vier Coaches unter denen Raffl in Philadelphia trainierte, wusste die Arbeitseinstellung und das Können des Linksaußen zu schätzen. Raffl weist in 470 Spielen für die Flyers eine Ausbeute von 152 Punkten (78 Tore, 74 Assists) aus.

Weitere deutschsprachige Spieler in Philadelphia waren der Schweizer Verteidiger Mark Streit (2013-17: 274 Spiele, 30 Tore, 110 Assists) sowie der deutsch-kanadische Torwart Rob Zepp. In zehn Saisoneinsätzen 2014/15 brachte es der ehemalige deutsche Nationaltorwart auf eine Bilanz von 5-2-0 mit einer Fangquote von 88,8 Prozent und einem Gegentrefferschnitt von 2,89.
Der erste Spieler aus dem deutschsprachigen Raum, für den sich die Flyers bei einem NHL Draft entschieden haben, war 2001 der österreichische Torhüter Bernd Bruckler in der fünften Runde an Nummer 150. Der Weg in die NHL blieb ihm ebenso verwehrt wie dem deutschen Stürmer Marcel Noebels (Draft 2011, 4. Rd., Nr. 118) und dem Eidgenossen Center Kevin Romy (Draft 2011, 4. Rd., Nr. 108).