Foto Marcel Meinert Tom Kühnhackl Stanley Cup

Sky Deutschland ist seit Ende September 2021 offizieller, neuer Fernseh-Partner der NHL in Deutschland. Der Abo-TV-Anbieter erwarb umfangreiche Übertragungsrechte an der National Hockey League (NHL) und wird die Liga in den Saisons 2021/22 bis einschließlich 2024/25 in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Liechtenstein und Südtirol live übertragen. Mit der Live-Übertragung von rund 300 Spielen pro Saison wird Sky seinen Kunden in den kommenden vier Spielzeiten mehr Begegnungen der NHL anbieten als jemals zuvor im deutschen Fernsehen gezeigt wurden.

Außerdem überträgt Sky regelmäßig den NHL Saturday und NHL Sunday, in dessen Rahmen Spiele an den Wochenenden zur europäischen Abendzeit stattfinden. Bei den Übertragungen in Deutschland kommen regelmäßig auch deutsche Kommentatoren zum Einsatz. Einer davon ist Marcel Meinert, den Sky-Zuschauer bereits seit Jahren durch Übertragungen u.a. aus den Bereichen Fußball und Tennis kennen dürften. Seit ein paar Monaten lebt Meinert seine NHL-Leidenschaft jetzt auch als Livekommentator bei Sky am Mikrofon aus.
NHL.com/de hat sich in dieser Woche mit dem erfahrenen Sportjournalisten ausgetauscht und ihn zu den Hintergründen seiner Eishockey-Leidenschaft und den ersten Erfahrungen am NHL-Mikrofon exklusiv befragt.
Hallo Marcel! Schön, dass du dir für uns etwas Zeit nimmst! Du bist ja sportlich sehr vielseitig interessiert. Welchen Ursprung hat denn Deine Eishockey-Leidenschaft?
Ich muss zugeben, dass ich als gebürtiger Schleswig-Holsteiner zunächst mit Eishockey nicht so fürchterlich viel am Hut hatte. Bei uns gab es mit Timmendorfer Strand eigentlich nur einen nennenswerten Verein und dementsprechend auch quasi keine Eishallen. So habe ich das Geschehen nur sporadisch im Fernsehen verfolgt. Als dann aber 2002 die Hamburg Freezers gegründet wurden, war Eishockey im Norden plötzlich ein Riesenthema. Das Premierenspiel der Freezers in der Color-Line-Arena gegen den deutschen Meister aus Köln war lange im Voraus ausverkauft, aber irgendwie habe ich am Abend des Spiels doch noch Tickets bekommen und hatte einen sensationellen Platz. Es war ein überragendes Spiel, Hamburg mit Bobby House, Jeff Tory und Jesse Belanger gewannen mit 5:4 - und ich war hellauf begeistert. Als ich dann 2007 zu Premiere kam und nach Landshut gezogen bin, bin ich ziemlich schnell mit dem EVL in Kontakt gekommen. In den letzten 15 Jahren war ich zeitweise Stadionsprecher, bin aber in erster Linie als Medienbeauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der DEL2-Mannschaft und des Nachwuchses zuständig.

hamburg freezers

Seit wann interessierst du dich für die NHL? Wie kam es zu deiner Begeisterung für die Liga?
Seitdem ich in den 1990ern die NHL-Serie von EA Sports mit großer Begeisterung gespielt habe. Die Colorado Avalanche mit Patrick Roy, Peter Forsberg und Uwe Krupp oder die Detroit Red Wings mit Sergei Fedorov, Brendan Shanahan oder Steve Yzerman waren meine Mannschaften. Und natürlich habe ich auch den Film "Mighty Ducks" gesehen. Seit meiner Zeit in Landshut beschäftige ich mich aber deutlich intensiver mit der Liga - was natürlich vor allem mit Marco Sturm, Tom Kühnhackl und Tobi Rieder zusammenhängt. 2016 hatte ich die Ehre den großen Empfang von Tom nach seinem Stanley Cup Triumph in Landshut moderieren zu dürfen. Er hat den Pokal in seine Heimat gebracht und hat ihn auch gleich den Nachwuchsspielern im Verein gezeigt - das war wirklich eine Riesensache.
Warst du schon einmal bei Spielen vor Ort live mit dabei?
Nein, das Vergnügen hatte ich bisher leider noch nicht. Aber da gäbe es schon eine ganze Reihe von Zielen, die ich spannend fände. Wahrscheinlich wäre ich beim ersten Spiel gar nicht so wählerisch und würde versuchen, quasi jede Gelegenheit zu ergreifen, wenn ich mal wieder in Nordamerika bin. Wenn ich mir es aussuchen könnte, wäre sicherlich der Madison Square Garden oder auch der TD Garden in Boston erste Wahl. Las Vegas wäre aber auch sehr reizvoll.

t mobile arena

Darf ich fragen, welchem NHL-Team bzw. Teams du besonders die Daumen drückst und warum? Was verbindet dich mit diesen?
Ich glaube "Daumendrücken" wäre zu viel gesagt. Ich verfolge sicher einige Teams etwas intensiver als andere, zum Beispiel so Traditionsmannschaften wie die Boston Bruins oder die New York Rangers, vor allem natürlich auch die Teams der deutschen Spieler, um über deren Entwicklung auf dem Laufenden zu sein. Durch den Gewinn des Stanley Cups von Tom Kühnhackl mit Pittsburgh gehören natürlich auch die Penguins dazu. Und auch die Entwicklung der neueren Standorte, wie in diesem Jahr Seattle verfolge ich interessiert.
Wer ist für dich der Favorit auf den Gewinn des Stanley Cups 2022 und warum? Welche Teams haben dich im bisherigen Saisonverlauf positiv überrascht, oder vielleicht auch enttäuscht?
Das finde ich in diesem Jahr auch aufgrund von Corona wirklich ganz besonders schwer einzuschätzen. Außerdem finde ich, dass die Leistungsdichte an der Spitze schon sehr hoch ist, deshalb habe ich auch keinen klaren Favoriten. Mit Titelverteidiger Tampa - die Lightning zeigen mittlerweile aber auch den einen oder anderen Wackler - Florida, Colorado, Las Vegas, eventuell auch Carolina gibt's da einen größeren Favoritenkreis - und irgendein "Dark Horse" wird sicher auch noch dazu stoßen. Aus deutscher Sicht hoffe ich natürlich auch, dass sich Edmonton mit Leon Draisaitl wieder berappelt.
Sehr angetan bin ich davon, was Gerard Gallant mit den New York Rangers gemacht hat. Minnesota punktet auch konstant und Nashville haben wohl auch nicht allzu viele an der Spitze der Western Conference erwartet, auch Anaheim macht momentan einen richtig guten Job.
Zu den Enttäuschungen zählen sicher die Islanders. Mal sehen ob die nach der langen Auswärtsserie zu Saisonbeginn, die so doch mehr beeindruckt hat, als erwartet, noch so richtig in Schwung kommen. In Chicago, wo wir jetzt hoffentlich Lukas Reichel häufiger auf dem Eis sehen werden, Winnipeg oder Seattle hat man sich schon etwas mehr erhofft, und das Montreal nach dem Stanley-Cup-Finale so abstürzt, ist natürlich bitter. Aber es ist nun mal eine Saison mit sehr vielen Unwägbarkeiten.

NYR@LAK: Zibanejads Tip-In nach Chytils Pass

Hast du direkten Kontakt zu Spielern aus dem deutschsprachigen Raum?
Wir sind natürlich über die Redaktion und auch ich bin über mein eigenes Netzwerk, das sich über die Jahre aufgebaut hat, immer mal wieder mit verschiedenen deutschen Spielern und auch Kollegen und Kolleginnen in Deutschland oder den USA in Kontakt, um möglichst gut informiert zu sein.
Verfolgst du auch andere Eishockey-Ligen intensiv?
Natürlich verfolge ich die PENNY DEL, am Intensivsten aber, durch meinen Job beim EVL, natürlich die DEL2. Dadurch bin ich bei vielen Spielen in Landshut im Stadion.
Was sind aus deiner Sicht die größten Unterschiede zwischen der NHL und anderen Ligen?
Die Antwort ist zwar nicht besonders originell, aber letztlich ist es natürlich die Schnelligkeit. In der NHL passiert alles in einem unfassbar hohen Tempo und mit enormer Intensität. Und um da mitzuhalten, musst Du als Spieler natürlich nicht nur körperlich in herausragender Verfassung, sondern auch technisch unheimlich beschlagen sein. Dazu kommt die enge Taktung mit 82 Spielen in der regulären Saison. Die NHL ist schon aus gutem Grund die beste, härteste und schnellste Liga der Welt.
Ähnliches: [Dennis Seidenbergs 4. NHL-Blog 2021/22]
Du kommentierst für Sky ja auch schon seit längerer Zeit andere Sportarten, u.a. Fußball. Welche Unterschiede zur NHL siehst du da?
Die NHL-Spiele sind ebenfalls richtig gutes Sport-Entertainment - aber das gilt ja quasi für alle US-Sportarten. Und die Zuschauerzahlen in den Arenen belegen ja auch eindeutig, dass die Liga und der Sport trotz Corona nichts von seiner Attraktivität verloren. Für mich als Kommentator ist Eishockey natürlich eine besondere Herausforderung, weil so ein Spiel natürlich eine ganz andere Dynamik hergibt, als beim Fußball oder Tennis - man muss quasi immer auf alles vorbereitet sein.
Was würdest Du Dir für Eure Übertragungen in der Zukunft wünschen?
Ich finde, dass wir einen wirklich guten Start hingelegt haben und mit rund 300 Live-Spielen im Jahr den Eishockey-Fans ein tolles Angebot machen können - und das bis mindestens 2025. Natürlich wollen wir uns immer weiter verbessern und haben da für die Zukunft sicher noch einige Ideen, die wir nach und nach umsetzen werden. Wir haben ja zum Beispiel im ersten Saisonspiel mit einem Co-Kommentator gearbeitet. Das ist immer ein Mehrwert für die Fans.
Vielen Dank für das nette Interview, Marcel!