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Der Kampf um den Stanley Cup 2022 ist in vollem Gange. Während die Spannung auf dem Eis zunimmt, lässt NHL.com/de die Postseason-Geschichte der NHL hochleben und gründet die erste European Player Playoff Hall of Fame Class 2022. Da der Erfolg in den Playoffs das entscheidende Kriterium ist, und die Auswahl aus einem großen Pool qualifizierter Spieler besteht, ist die Aufgabe gewaltig.
In dieser Ausgabe die Nummer 1 bei den Torhütern.

Dominik Hasek (119 Playoff-Spiele; 65-49; GAA 2,02; Fangquote 92,5 Prozent; 14 SO)
Hasek war mehr als nur ein erfolgreicher Torwart. Der Dominator, so lautete sein Spitzname, hat das Torwartspiel einst revolutioniert. Er machte den sogenannten "Butterfly-Stil" salonfähig, indem er unorthodox agierte. In seinem Tor turnte er herum, schmiss sich auf den Rücken und klärte die Schüsse notfalls sogar mit dem Kopf. Kurzum: Er tat alles, um ein Tor zu verhindern.
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Nach ihm wurde sogar die "Hasek Rolle" benannt. Dabei lässt der am Boden liegende Goalie seine Torhüterkelle los und greift mit der freien Hand über den Kopf, um so den Puck abzuwehren.
Der Journalist Michael Farber von der us-amerikanischen Sportzeitschrift "Sports Illustrated" brachte zu Hasek einen treffenden wie auch lustigen Vergleich zu der US-Sitcom "Seinfeld": "Er neigt dazu, so zu spielen, wie Kramer Seinfelds Wohnung betritt. Und zwar mit einem Mix aus flatternden Armen und wilden Gesten, was irgendwie trotzdem eine perfekte Logik hat."
Der eine oder andere Torwart-Kollege empfand den Stil als merkwürdig. "Er war so unbeholfen", sagte Martin Brodeur. "So etwas hatte ich noch nie von einem anderen Torwart gesehen. Ich konnte es zuerst gar nicht glauben. Ich dachte, das wäre Glück. Ich dachte, er ist ein Torwart, der einfach Glück hat."

Playoff-Penaltys von 2000 bis 2009

Doch es war kein Glück! Im Gegenteil: Hasek war so gut, dass er nicht nur sechs Mal mit der Vezina Trophy als bester Torwart ausgezeichnet wurde. Er ist auch der letzte Akteur, der in zwei aufeinanderfolgenden Jahren (1997 und 1998) mit der Hart Memorial Trophy als wertvollster Spieler geehrt wurde. Damit nicht genug: Hasek ist der einzige Goalie in der Geschichte der NHL, der diese Auszeichnung verteidigte.
Der aus dem tschechischen Pardubice stammende Schlussmann besaß die Fähigkeit, in wichtigen Spielen sein ohnehin schon hohes Niveau zu steigern. Belief sich seine karriereweite Save-Quote in der regulären Saison bereits auf starke 92,2 Prozent, steigerte er diesen Wert in den Playoffs noch einmal auf 92,5 Prozent.
Zweimal gewann er mit den Detroit Red Wings den Stanley Cup, und zwar in den Jahren 2002 und 2008. Besonders 2002 brillierte er: In sechs Playoff-Spielen blieb er ohne Gegentor und stellte somit einen Rekord für die meisten Shutouts in einer Playoff-Spielzeit auf. Dieser Wert wurde bis heute lediglich von Brodeur übertroffen, der in der Saison 2002/03 sogar auf sieben Shutouts kam.

dominik hasek stanley cup 0705

Insgesamt gewann Hasek in seiner Karriere 65 Playoff-Spiele. Dass es nicht mehr Siege wurden und er "nur" auf Platz 12 der ewigen Bestenliste steht, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass er lange auf sein Debüt in der NHL warten musste und daher nur 119 Spiele in der Postseason bestreiten konnte.
Hasek wurde zwar bereits beim NHL Draft 1983, er war damals 18 Jahre alt, an Position 199 von den Chicago Blackhawks ausgewählt. Als er für jene Franchise allerdings zu seinem ersten Spiel kam, war er fast 26 Jahre alt. Es gelang ihm in keiner der ersten beiden Spielzeiten, Stammtorwart zu werden. Lediglich 25 reguläre Saisonspiele bestritt er für die Blackhawks.
1992 wechselte Hasek im Austausch gegen Stephane Beauregard zu den Buffalo Sabres. Dort sammelte er zwar fleißig individuelle Auszeichnungen - er heimste neben der Hart Memorial Trophy auch zwei Mal in Folge den Ted Lindsay Award ein - blieb aber ohne Stanley Cup. Dies holte er nach, als er zu den Red Wings gewechselt war.

Hasek

Ursprünglich hatte Hasek nach der verletzungsgeplagten Saison 1999/2000 bereits seinen Rücktritt angekündigt, entschied sich aber für eine Fortsetzung der Karriere und ging ein Jahr später nach Detroit. Dort stellten seine Teamkameraden fest, dass er im Alter von damals 35 Jahren nichts an Ehrgeiz verloren hat.
Trainingseinheiten wurden ähnlich zielstrebig absolviert wie ein Playoff-Spiel. Sein damaliger Mitspieler Henrik Zetterberg erinnert sich: "Jeden Tag kam er zum Training und versuchte, jeden Puck zu stoppen. Da gab es keine Ausreden. Er hat die ganze Zeit alles gegeben. Er wurde richtig wütend, wenn man im Training ein Tor gegen ihn geschossen hat."
Im Finale um den Stanley Cup setzte er sich im Jahre 2002 mit den Red Wings gegen die Carolina Hurricanes 4:1 durch. Eine Woche später erklärte Hasek erneut seinen Rücktritt, kehrte aber nach einer einjährigen Auszeit wieder nach Detroit zurück. Überhaupt schienen ihn die Red Wings nicht loszulassen: Nach einem kurzen Intermezzo bei den Ottawa Senators in der Saison 2005/2006 heuerte Hasek einmal mehr in Detroit an.
Seine letzte Spielzeit in der NHL endete erneut mit dem Titelgewinn. Hasek ging als Nummer 1 in die Playoffs, agierte aber weniger konstant als in früheren Spielzeiten, sodass Chris Osgood in der weiteren K.O.-Phase den Vorzug erhielt. Hasek erlebte von außen mit, wie die Red Wings sich in der Finalserie über sechs Spiele gegen die Pittsburgh Penguins durchsetzten.

DET_Hasek_2002

Vom Eishockey ablassen konnte er noch immer nicht. Im April 2009 kündigte er im Alter von 44 Jahren ein weiteres Comeback an. Diesmal nicht in der NHL, sondern bei seinem Heimatverein HC Eaton Pardubice. Der Erfolg gab ihm Recht: Hasek gewann die tschechische Meisterschaft. Danach hing er noch eine Saison bei HK Spartak Moskau in der KHL an, ehe er seine Laufbahn endgültig beendete.
Seit dem Jahre 2014 ist Hasek Mitglied der Hockey Hall of Fame und seit 2015 der IIHF Hall of Fame. Außerdem ist der heute 57-Jährige stolzer Vater: Seine Tochter Dominika Haskova ist die Leadsängerin der tschechisch-norwegischen Elektropop-Band We Are Domi, die Tschechien beim Eurovision Song Contest 2022 vertrat.