Skip to main content

In Nashville entstand etwas Großes

In Tennessee gibt es nun eine Eishockeyhochburg und Josi leistete seinen Beitrag dazu

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Ein ohrenbetäubender Jubel brandete am frühen Sonntagabend des 7. Mai 2017 in der Bridgestone Arena von Nashville, Tennessee unter dem Großteil der gut 17.000 Besucher auf. Die Farbe Gelb und ein Meer von wehenden weißen Playoff-Handtüchern beherrschte die Szenerie.

"Meine Ohren pfeifen immer noch. Ich übertreibe da keineswegs", sagte Ryan Johansen, der Schütze des 2-1 Game Winners, im Anschluss von Spiel 6 der Western Conference Zweitrundenserie zwischen den Nashville Predators und den St. Louis Blues gegenüber den ihn umringenden Pressevertretern. Die Predators waren kurz zuvor mit einem 3-1 Heimerfolg zum ersten Mal in ihrer Teamhistorie in ein Conference Finale eingezogen.

'Stand with us' ist das Motto der Franchise aus Tennessee, was auch gut und gerne als Titel einer nordamerikanischen Soul-Größe wie Ben E. King, gecovert von Willy DeVille durchginge. Der US-Bundesstaat Tennessee ist für einiges bekannt, für guten Rock'n'Roll, für gute Country-Musik, für Whiskey und nun auch für ein verdammt gutes Eishockey, das dort den Fans geboten wird.

Die 'Nashvillians' sind mittlerweile verrückt nach der schnellsten Mannschaftssportart der Welt. Die Geschichte der NHL hat uns gelehrt, dass es nicht leicht ist in einem Binnenstaat der Südstaaten eine Franchise zu etablieren - im Nachbarstaat Georgia wurde in Atlanta zweimal erfolglos der Versuch unternommen - doch in Nashville scheint es nicht nur zu klappen, sondern, einhergehend mit dem sportlichen Erfolg, funktioniert es auch.

Video: STL@NSH, Sp6: Johansen trifft bei Konter per Rückhand

General Manager David Poile und Cheftrainer Peter Laviolette haben in den vergangenen drei Jahren seit Mai 2014 eine Mannschaft zusammengestellt, welche die Massen begeistert und international Aufmerksamkeit, vor allem auch in der Schweiz, auf sich zieht.

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Predators, zurückgehend bis auf Spiel 6 in der ersten Runde der vergangenen Playoffs, neunmal in Folge zuhause ungeschlagen sind. In der Bridgestone Arena springt der Funke von den Rängen aufs Eis und treibt die Spieler an.

Gegenüber NHL.com beschrieb es Linksaußen Austin Watson ganz genau: "Wir können schon fünf Minuten bevor wir auf das Eis gehen die Fans hören. Das ist ein unglaubliches Gefühl. Die Zuschauer treiben einen an. Du spürst die Energie und davon profitieren wir."

Die Predators sind die einzige Mannschaft in den Stanley Cup Playoffs 2017, die noch keine Heimpartie verloren hat.

Mit Roman Josi hat sich ein Eishockeyspieler aus der Alpenrepublik zu einem Führungsspieler der Predators entwickelt. Dahingestellt sei, ob dies auch mit dem Weggang seines namhaften Verteidigerkollegen und ehemaligen Teamkapitän Shea Weber zu den Montreal Canadiens im Sommer 2016 zu tun hatte. Auf jeden Fall steht Josi nun häufiger im Rampenlicht, und beweist dabei immer wieder, dass er nicht nur auf dem Eis eine hochprofessionelle Einstellung zu seinem Sport hat.

Der 26-Jährige Verteidiger ist einer der wichtigsten Bausteine im Team von Laviolette, bei dem der Mannschaftsgeist an erster Stelle steht. Josi war am Sonntagabend wieder einmal überragend. Zwar bekamen seine Kollegen Ryan Ellis, Mattias Ekholm und P.K. Subban mehr Eiszeit als er, doch der Berner nutzte seine Einsatzminuten äußerst effektiv. Das 1-1 Ausgleichstor markierte er nach 35 Sekunden im zweiten Drittel selbst und den Empty Netter von Calle Jarnkrok bereitete er mit vor.

Video: STL@NSH, Sp6: Josi schließt Ekholms präzisen Pass ab

Als Josi nach der gewonnenen Partie und dem 4-2 Seriensieg gegenüber NHL.com äußerte, dass es ein 'großartiges Gefühl' sei, meinte er nicht an erster Stelle die Freude über seine persönliche Leistung, sondern das Weiterkommen der Mannschaft. Josi wies das für seinen Treffer geerntete Lob von sich. "Das war ein genialer Pass. ich habe nur versucht ihn zu versenken. [Mattias Ekholm] hat großartig vorbereitet. Das Verdienst gehört ihm."

In den zehn Partien der diesjährigen Playoffs erzielte der Schweizer Blueliner vier Tore und vier Assists. Fünf Scorerpunkte gelangen ihm gegen die Blues, womit er die teaminterne Scorerwertung in dieser Serie zusammen mit Ellis anführt.

Elvis Presley lebte in Memphis, Jack Daniels kommt aus Lynchburg und der Schweizer Verteidiger Roman Josi macht sich einen Namen in Nashville - einer neu entstandenen Eishockeyhochburg in der NHL.

Subban hat die Messlatte schon einmal vorgegeben: "Die Erwartung ist der Stanley Cup. Wir haben heute einen großen Schritt für diese Organisation und diese Stadt gemacht, doch unser ultimatives Ziel ist der Stanley Cup. Wir haben hart gearbeitet, um uns in eine gute Ausgangsposition zu bringen."

Warum sollte ihnen das nicht gelingen? Sie sind angesichts ihres bisher erreichten euphorisch, sie behalten selbst nach Rückständen ihre Coolness, schalten nicht auf ein bedingungsloses Hurra-Eishockey um, sondern bleiben ihrem System treu und schließlich ist ihnen auch die Unterstützung des begeisterungsfähigen Umfelds sicher.

Im Western Conference Finale werden die Nashville Predators auf den Gewinner der Zweitrundenserie zwischen den Anaheim Ducks und den Edmonton Oilers treffen.

Mehr anzeigen