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Deutschland hat bei der IIHF Weltmeisterschaft in Finnland (Helsinki und Tampere) in der Gruppe A den vierten Sieg in Folge im fünften Spiel eingefahren: Gegen Italien zeigte sich das DEB-Team am Freitagnachmittag taktisch perfekt auf den Gegner eingestellt, zündete ein Torfeuerwerk und feierte einen 9:4-Erfolg. Am Abend stand ein Abstiegs-Krimi in Gruppe B auf dem Spielplan: Österreich traf auf Lettland und holte einen weiteren, womöglich in der Endabrechnung wichtigen Punkt.

Deutschland - Italien 9:4
Bundestrainer Toni Söderholm gönnte Torwart Philipp Grubauer (Seattle Kraken), Verteidiger Korbinian Holzer und Stürmer Leo Pföderl eine Verschnaufpause und brachte dafür die nachnominierten Leon Gawanke und Lukas Reichel (Chicago Blackhawks / Rockford IceHogs) sowie Dustin Strahlmeier als Backup. Im Tor erhielt Mathias Niederberger den Start. Tim Stutzle (Ottawa Senators) fehlte damit weiterhin verletzt. Einziger NHL-Profi im deutschen Aufgebot war Abwehrspieler Moritz Seider (Detroit Red Wings).
Italiens Plan, den Gegner an die Banden zu drängen, dort aufzureiben und lange ohne Gegentor zu bleiben, ging nicht auf. Deutschland zeigte sich perfekt auf seinen defensiv-eingestellten Kontrahenten eingestellt und lieferte mit schnellen Beinen, präzisen Pässen und einer Menge Spielwitz ein sehr unterhaltsames Eishockey-Spiel ab.
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Auch die ersten Tore ließen nicht lange auf sich warten. Den Anfang machten zwei WM-Debütanten mit ihrem jeweils ersten WM-Tor: Alexander Karachun traf aus der Drehung zum 1:0 (6.), nur 76 Sekunden später startete Kai Wissmann ein starkes Solo über den rechten Flügel, stach von der Grundlinie Richtung Torkreis, legte sich dabei den Puck von der Vor- auf die Rückhand und stellte per Tunnel auf 2:0 (7.).
Als auch noch Yasin Ehliz einen Schuss von Dominik Bittner erfolgreich mit dem Schlägerschaft abfälschte und auf 3:0 erhöhte (14.), reagierten die Italiener mit einem Torwartwechsel: Backup Justin Fazio löste den in der Schweiz ausgebildeten Starter Davide Fadani ab. Doch auch der neue Goalie geriet sofort unter Dauerdruck und musste hinter sich greifen: Daniel Fischbuch traf vom linken Faceoffkreis ins linke Eck zum 4:0 (18.). Gawanke hatte gar noch das 5:0 auf dem Schläger, setzte die Scheibe aus Slot-Position aber an den linken Pfosten (20.).
Mit viel Spielfreude ging Deutschland auch ins zweite Drittel und überzeugte dort einmal mehr im Powerplay: Ein scharfer Pass von Marcel Noebels vollendete Reichel per Tip-in zum 5:0 (26.). Danach kam Italien auf die Anzeigetafel, als Tommaso Traversa gekonnt und unhaltbar zum 1:5 abfälschte (26.). Doch auch das konnte die Deutschen nicht bremsen, die weiterhin konsequent offensiv nach vorne spielten und alle vier Reihen ausrollten. Die auffälligste aber blieb die Noebels-Reichel-Fischbuch-Reihe, die für das nächste Tor
verantwortlich zeichnete: Reichel servierte von hinter der Grundlinie für Fischbuch, der ins linke Eck traf - 6:1 (35.).
Die Deutschen hatten im dritten Drittel ihren Torhunger weiterhin noch nicht gestillt: Ehliz (42.) und Karachun (43.) waren jeweils nach einem Querpass zur Stelle und erhöhten auf 8:1. Dann aber zeigte Italien Moral und ein Lebenszeichen: Ein Alleingang von Luca Frigo (48.) sowie ein Abfälscher von Daniel Mantenuto (50.) brachten die Italiener bis auf 3:8 heran.
Die DEB-Mannschaft beeindruckte das aber nur wenig. Vielmehr durfte mit Samuel Soramies der nächste WM-Debütant sein erstes Tor schießen und staubte zum 9:3 ab (58.). Das letzte Wort hatte noch einmal Italien: Alex Petan stellte aus spitzem Winkel auf den 4:9-Endstand (60.) und machte so ein 13-Tore-Festival perfekt.
Damit ist Deutschland bereits vorzeitig für das Viertelfinale qualifiziert.
Lettland - Österreich 4:3 SO
Arturs Silovs parierte in 65 Minuten 29 von 32 Schüssen und wehrte vier von fünf österreichischen Versuchen im Penaltyschießen ab. Damit sicherte er Lettland einen 4:3-Sieg und einen wichtigen Zusatzpunkt in einem harten Duell zwischen zwei Mannschaften, die noch im Abstiegskampf stecken. Lettland ist mit fünf Punkten Sechster in der Gruppe, Österreich liegt mit vier Punkten einen Rang dahinter und drei Punkte vor Großbritannien auf dem letzten Platz, dem Abstiegsrang.
Nikolajs Jelisejevs und Roberts Bukarts trafen im Shootout für Lettland gegen Österreichs Bernhard Starkbaum. Dominique Heinrich war der einzige österreichische Schütze, der Silovs bezwingen konnte. Starkbaum, der zum dritten Mal in fünf Spielen für Österreich auflief, hielt 17 von 20 lettischen Schüssen.
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Das Spiel begann etwas schleppend mit einem torlosen ersten Drittel. Nach etwas mehr als einer Minute im zweiten Drittel eröffnete Österreich den Torreigen: Thomas Raffl bediente Benjamin Nissner, der seinen Schuss aus kurzer Distanz in steilem Winkel über den Handschuh von Silovs lenken konnte. Etwas mehr als vier Minuten später erzielte Lettland den Ausgleich, als Janis Jaks vom Punkt einen One-Timer von Rudolf Balcers perfekt vorbereitete. Lettland hatte zwei Powerplay-Chancen und ging bei der zweiten kurz vor der Spielmitte in Führung. Doch nur 1:34 später glich Österreich ebenfalls in einem Powerplay aus. Heinrich netzte einen perfekt platzierten Schlagschuss ein. Noch vor Ende des Drittels ging Lettland wieder in Führung, als Balcers seinen zweiten Treffer in diesem Spiel erzielen konnte.
Österreich hatte im dritten Drittel 15:3 Schüsse, konnte aber nur einmal zum Ausgleich treffen. Dies geschah, als Nissner einen One-Timer von Killian Zundel vorbereitete. Der Schuss wurde von Raffl ins Netz abgefälscht. Die Österreicher witterten das Momentum und drängten auf mehr, was allerdings trotz guter Chancen nicht gelingen sollte.
Österreich hatte zu Beginn der Verlängerung eine fantastische Chance, das Spiel für sich zu entscheiden, als ein Schuss vom Punkt an Silovs vorbeiging und am Rande des Tores liegen blieb. Schließlich konnte Silovs den Puck sichern. Etwa eine Minute später schoss Ronalds Kenins auf der anderen Seite einen Schuss an den Torpfosten.
Die Verlängerung endete mit Chancen auf beiden Seiten in den letzten 10 Sekunden. Zuerst versuchte es Rihards Bukarts für Lettland mit einem Wraparound und dann überlistete Paul Huber bei einem Breakaway für Österreich Silovs und traf weniger als eine Sekunde vor Schluss nur den Außenpfosten.
Weitere Spiele am Freitag:
Gruppe A
Kasachstan - Slowakei 3:4
Juraj Slafkovsky, einer der heißen Kanidaten beim NHL Draft 2022, traf per Penalty und steuerte einen Assist für die Slowakei zum 4:3-Sieg gegen Kasachstan bei. Mit dem Sieg beenden die Slowaken ihre drei Spiele andauernde Niederlagenserie. Die Kasachen stehen mit fünf Niederlagen in der regulären Spielzeit bei null Punkten. Adam Liska erzielte ebenfalls ein Tor und eine Vorlage, und Martin Fehervary und Andrej Kollar steuerten je einen Treffer bei. Für Kasachstan erzielte Kirill Pankyukov zwei Tore, und auch Dmitri Shevchenko war erfolgreich.
Gruppe B
Großbritannien - Finnland 0:6
WM-Gastgeber Finnland machte es in Tampere deutlich und fegte Großbritannien mit 6:0 vom Eis. Niklas Friman (7.), Juuso Hietanen (12.), Valtteri Filppula (27.), Joel Armia (Montreal Canadiens, 29.), Saku Maenalanen (50.) und Toni Rajala (56., im Powerplay) schossen die Tore für Suomi.