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Bob Gainey wird auf Händen getragen

Ein Bild und 1000 Worte: Die Montreal Canadiens lassen 1979 ihren Conn Smythe Trophy Gewinner hochleben

von Bernd Rösch @nhlde / NHL.com/de Chefautor

Im Deutschen gibt es die Redewendung 'Ein Bild sagt mehr als tausend Worte'. NHL.com/de holt an jedem dritten Samstag im Monat ein berühmtes Eishockeyfoto aus den Archiven hervor und beschreibt es in 1000 Wörtern.

 Heute: Bob Gainey gewinnt zum vierten Mal hintereinander den Stanley Cup

 

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Halb zogen sie ihn, halb sank er hin. Die Arena am Cabot Square bebte mal wieder in seinen Grundfesten, wie schon so oft in den 70er-Jahren. Das überwältigende Gefühl den Stanley Cup gewonnen zu haben, vermischte sich mit jenem für immer und ewig unschlagbar zu sein.

Der Mann mit der Nummer 23 auf dem Rücken des weißen Heimjerseys hievt ihn in die Höhe, zeigt ihn den abertausenden Fans im weiten Rund und vermittelt ihnen 'auf dieses Team konntet ihr in den vergangenen Jahren setzen und ihr werdet es auch in der Zukunft können'.

Im Überschwang der Emotionen konnte sich am 21. Mai 1979 keiner der Anwesenden vorstellen, dass irgendjemand anders in der Lage sein wird, ihnen jemals den silbernen Pokal streitig zu machen. Man brauchte in keine Gesichter sehen, es war nicht notwendig ein Logo abzulichten. Jubelnde Spieler und der Pokal reichten aus, um zu erkennen, dass es sich um die Montreal Canadiens handeln muss, die so ausufernd jubeln. Welches andere Team sollte es denn sonst sein als der Seriensieger?

Am 21. Mai 1979 bezwangen die Canadiens im altehrwürdigen Montreal Forum die New York Rangers mit 4:1 in Spiel 5 des Stanley Cup Finales und feierten ihren 22. Titelgewinn, es war ihr vierter in Folge. Kurioserweise hatten die Canadiens trotz ihrer zahlreichen Championships zuletzt 1968 die Trophäe vor heimischer Kulisse im Forum überreicht bekommen.

Doch in der Endspielserie von 1979 hatten sie gegen den Original-Six-Rivalen nur das erste Aufeinandertreffen verloren, dann ließen sie ihm keine Chance mehr. Nach 161 zu 103 Schüssen und 19 zu 11 Toren in den fünf Aufeinandertreffen war es erneut geschafft. Mit einer beeindruckenden Dominanz beherrschten die Canadiens das Geschehen in der NHL.

Von Torwart Ken Dryden über die Verteidiger Guy Lapointe und Larry Robinson, hin zu Jacques Lemaire, Guy Lafleur, Steve Shutt und Kapitän Yvan Cournoyer, der damalige Kader der Canadiens liest sich wie das 'Who is Who' des Eishockeysports. Alle wurden sie in die Hockey Hall of Fame aufgenommen.

Von seinen namhaften Teamkollegen auf den Schultern getragen wird Bob Gainey, der als MVP der Playoffs mit der Conn Smythe Trophy ausgezeichnet wurde, nachdem er es in den 16 Playoffpartien überraschend auf sechs Tore und zehn Assists gebracht hatte. Auch in diesem Spiel hatte er sich mit dem Treffer zur 3:1-Führung als Torschütze auszeichnen können, nachdem eine gute halbe Stunde absolviert gewesen war. Gainey war nicht der geborene Topscorer, sondern einer der besten 2-Wege-Spieler seiner Zeit.

"Sein Forechecking war wirklich außergewöhnlich", sagte Scotty Bowman, Gaineys Trainer in Montreal für sechs Spielzeiten. "Er war so schnell, dass er auf den Verteidiger Druck auszuüben vermochte und dann auch rechtzeitig wieder zurückkam. Als Back-Checker war er immer enorm stark. Er konnte den Gegner über das gesamte Eis verfolgen. Er lief meilenweit, immer und immer wieder. Man hatte den Eindruck, als würde er niemals müde werden."

Zwischen 1978 und 1981 bekam er viermal in Folge die Frank J. Selke Trophy als defensivstärkster Stürmer der Liga überreicht, was bis heute keinem Spieler mehr gelang.

"Was ich an dieser Auszeichnung, immer am meisten geschätzt habe, war, dass sie nach Herrn Selke benannt wurde", sagte Gainey. "Er glaubte immer stark daran, dass ein solcher Spielstil Anerkennung finden muss."

Die Reverenz erwies ihm auch die russische Trainerlegende Viktor Tikhonov während des Canada Cup 1981: "Diese Nummer 23 im Team von Montreal, dieser Mr. Gainey, ist mit seinen technischen Fähigkeiten der beste Spieler auf der Welt."

Seine gesamte NHL-Karriere über, von 1973/74 bis 1988/89, war der aus Peterborough, Ontario stammende Gainey den Canadiens treu geblieben. In seinen letzten acht Jahren in Montreal trug er voller Stolz das 'C' als Teamkapitän der Frankokanadier auf der Brust und bekam den Beinamen "Le Capitaine". 1986 gelang ihm mit dem Klub seines Herzens in fünf Spielen gegen die Calgary Flames sein fünfter Stanley Cup Gewinn.

In insgesamt 1160 Spielen für das Traditionsteam brachte es Gainey auf 239 Tore und 262 Assists sowie auf 25 Tore und 48 Vorlagen in 182 Playoff-Partien - nicht schlecht für einen Defensiv-Stürmer.

"Für ihn wäre es nie ein Problem gewesen, 20 Tore zu erzielen. Er hätte vermutlich in der Offensive noch mehr produzieren können, aber seine Rolle und seine Aufgaben waren andere. Er hatte die Verantwortung gegen die besten Außenstürmer der anderen Mannschaften zu spielen. Das hat er getan und das hat ihm gefallen", war sich Bowman sicher.

"Alles, was mir in meiner Spielerkarriere passiert ist, war wie ein Traum. Alles, wovon ich geträumt habe, ist auch eingetreten, doch das hätte ich mir nicht zu träumen gewagt", zeigte sich Gainey im September 2007 gerührt, als er davon erfuhr, dass am 23. Februar 2008 ein Banner mit seiner Trikotnummer unter das Hallendach des Bell Centre gehievt werden würde. Nur 15 an der Zahl sind es in der Franchisegeschichte des 1909 gegründeten Klubs.

Auch nach seiner aktiven Spielerlaufbahn blieb Gainey dem Eishockeysport treu. Er war Trainer der Minnesota North Stars / Dallas Stars (1990/91 bis 1995/96), ehe er den Posten als General Manager der Organisation übernahm. Mit ihm als GM gewannen die Stars 1999 die begehrte Trophäe. Im Mai 2003 übernahm Gainey den Posten als GM der Canadiens. Während dieser Zeit fungierte er zweimal als Interimstrainer (2005/06, 2008/09) nachdem er im Januar 2006 Claude Julien und im März 2009 Guy Carbonneau entlassen hatte. Seit Oktober 2014 ist Gainey Teamberater der St. Louis Blues.

Die Fotografie mit Gainey und dem Cup gelang zu besonderer Berühmtheit, weil sie das Ende einer Ära darstellt. Auch wenn die Canadiens in 1986 und 1993 noch zwei weitere Male den Cup gewinnen sollten, ihre Vorherrschaft mit zehn Championships in den 15 Jahren von 1965 bis 1979 (1965, 1966, 1968, 1969, 1971, 1973, 1976-79) war gebrochen. Lemaire, Cournoyer und Dryden hingen 1979 ihre Schlittschuhe an den Nagel und der Meisterschafts-Coach Scotty Bowman heuerte bei den Buffalo Sabres an.

Die 79er-Finalserie war die letzte zwischen zwei Original-Six-Teams und die bis dato einzige zwischen den Rangers und Canadiens. 

Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.

So endet die Ballade von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahre 1779.

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