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Ab dem 1. November nimmt NHL.com/de mit seiner 31 in 31 Serie jedes Team genauer unter die Lupe. Von den wichtigsten Geschehnissen und Spielern bis hin zu Stärken und Schwächen, bieten wir eine umfassende Bestandsaufnahme der Klubs in der Liga.
In dieser Ausgabe geht es um die Edmonton Oilers.

Bei den Edmonton Oilers kommt es in der kommenden Saison 2020/21 zu einer interessanten Kombination: Zum NHL-Top-Scorer Leon Draisaitl gesellt sich mit Dominik Kahun ein weiterer deutscher Shootingstar. Ob die beiden auch in einer Reihe spielen werden, ist noch nicht zu beurteilen, doch beim Blick in die Vergangenheit dürfte Oilers-Trainer Dave Tippett nicht zweimal überlegen…
Bilanz 2019/20: 37-25-9, 5. Platz in Western Conference
Postseason 2020: Stanley Cup Qualifikationsrunde, 1:3 gegen die Chicago Blackhawks
Trainer: Dave Tippett, 2. Saison
Zugänge: C Dominik Kahun, D Tyson Barrie, C Seth Griffith, G Anton Forsberg, C Alan Quine, C Kyle Turris, RW Jesse Puljujärvi, RW Adam Cracknell, D Filip Berglund
Abgänge: RW Tomas Jurco, D Matt Benning, RW Andreas Athanasiou, D William Lagesson, D Mike Green, C Markus Granlund
Zwei Deutsche in einer Sturmreihe? Dieses Experiment hatte es bei den Oilers schon 2018/19 gegeben. Damals wurde zeitweise Tobias Rieder (19/20: Calgary Flames, 20/21: Buffalo Sabres) an die Seite von Draisaitl gestellt. Zumindest Rieders Produktivität konnte das nicht beleben - der Landshuter blieb torlos und steuerte elf Assists bei.
Vor elf Jahren: Ein "Duo Infernale" in Mannheim
Mit Kahun könnte nun alles anders werden. Dass die beiden eine gute Chemie haben, zeigte sich schon im Juniorenbereich: Drei Jahre lang, von 2009/10 bis 2011/12 spielten Draisaitl und Kahun Seite an Seite beim Mannheimer ERC in der Schüler-Bundesliga sowie bei den Jungadlern in der DNL. Mit durchschlagendem Erfolg!
In der Saison 2009/10 sammelte Draisaitl in 31 Spielen 114 Scorerpunkte (48 Tore, 55 Assists), Kahun in 32 Partien deren 137 (59 Tore, 78 Assists). Es folgte ein noch berauschenderes Jahr: 2010/11 kam Draisaitl auf 223 Scorerpunkte (113 Tore, 110 Assists) in 34 Spielen, Kahun auf 237 Punkte (81 Tore, 156 Assists) in 35 Partien - schier unwirkliche Statistiken. Auch in der Spielzeit 2011/12, der ersten vollen in der deutschen Elite-Junioren-Liga DNL, riss die Produktivität nicht ab: Draisaitl schloss mit 68 Punkten (27 Tore, 41 Assists) in 43 Spielen, Kahun mit 69 Punkten (24 Tore, 45 Assists) in 44 Partien ab.

Top-10-Spielszenen der Oilers ... bis jetzt

Kahun: "Natürlich ist es etwas Besonderes"
Nun sind Draisaitl und Kahun wiedervereint. "Mit Leon habe ich ständig Kontakt", verdeutlicht Kahun. "Wir haben häufiger miteinander gesprochen und uns auch geschrieben. Als es jetzt mit den Oilers konkreter wurde, haben sich die Gespräche noch intensiviert. Wir freuen uns sehr, dass wir in einer Mannschaft zusammenspielen können. Wir kennen uns schon länger, haben in der Jugend zusammengespielt und zusammengewohnt. Natürlich ist es jetzt auch etwas Besonderes, dass wir in der NHL in einer Mannschaft zusammenspielen können."
Kahun war zu Beginn der Free-Agent-Periode vom Restricted zum Unrestricted Free Agent geworden, weil er kein qualifiziertes Angebot seines bisherigen Arbeitgebers, den Buffalo Sabres erhielt. In Edmonton unterschrieb er für ein Jahr und 975.000 US-Dollar jährliches Gehalt.
Damit bekommt Kahun im Winter schon sein viertes NHL-Trikot in zweieinhalb Jahren übergestreift. Der 25-Jährige wurde 2018 von den Chicago Blackhawks unter Vertrag genommen und wechselte vor der Saison 2019/20 via Trade zu den Pittsburgh Penguins. Während dieser Spielzeit wurde der Linksschütze dann von den Stahlstädtern an die Niagarafälle transferiert. Für die Blackhawks (13-24-37), Penguins (10-17-27) und Sabres (2-2-4) absolvierte Kahun insgesamt 138 NHL-Spiele und markierte dabei beachtliche 68 Scorerpunkte (25 Tore, 43 Assists).

BUF@PHI: Kahun verwertet Olofssons Zuspiel

Die Symbiose mit Draisaitl
Durch die Symbiose mit Draisaitl ist ihm durchaus zuzutrauen, seine Produktivität auf ein neues Level zu heben. Kahun und Draisaitl dürften sich schnell verstehen. Womöglich sogar blind - wie vor einem Jahrzehnt: Der eine weiß, wie und wohin sich der andere auf dem Eis bewegt. Beide haben eine gute Technik und Übersicht, sind clevere Passgeber und wissen, wo das Tor steht. Zusammen mit einem hart-arbeitenden Zwei-Wege-Stürmer könnte so eine gefährliche NHL-Reihe entstehen.
Immerhin ist Draisaitl kein geringerer als der wertvollste Eishockey-Spieler der Welt. Dies wurde gleich doppelt bestätigt: Mit dem Gewinn der Hart Trophy (MVP, von Sportjournalisten gewählt) und des Ted Linday Awards (MVP, von Mit- und Gegenspielern gewählt) schrieb der ebenfalls 25-Jährige deutsche Eishockey-Geschichte. Doch damit nicht genug der Superlative: Auch die Art Ross Trophy für die meisten Scorerpunkte (43-67-110) darf sich der Mittelstürmer jetzt in den Trophäenschrank stellen.
Diese Titel zu verteidigen, mag unrealistisch klingen - doch galt das vor einem Jahr auch für den ursprünglichen Gewinn dieser Prestigeobjekte. Die oberste Priorität hat das für Draisaitl aber ohnehin nicht. "Ich spiele Eishockey, um den Stanley Cup zu gewinnen und mit der Mannschaft erfolgreich zu sein", stellte Draisaitl klar. "Früher oder später wird es klappen." Vielleicht mit einem bekannten Gesicht an seiner Seite?

Leon Draisaitls Performance gg. Chicago