Leon Draisaitl

Leon Draisaitl blickt mit Vorfreude und Respekt auf die bevorstehende Aufgabe in der Stanley Cup Qualifikationsrunde. Die Edmonton Oilers treffen am Samstag in Spiel 1 ihrer Best-of-5-Serie auf die Chicago Blackhawks (21 Uhr MESZ; NHL.tv). Beide Kontrahenten befinden sich nach der langen Pause wegen der Coronavirus-Pandemie in guter Verfassung. Die Oilers bezwangen am Dienstag in einem Testspiel die Calgary Flames mit 4:1 und die Blackhawks triumphierten am Mittwoch mit 4:0 gegen die St. Louis Blues. Vieles spricht daher für eine spektakuläre Serie im Rogers Place von Edmonton.

Für Draisaitl ist es die zweite Postseason mit den Oilers. 2017 hatte er mit der Mannschaft die zweite Runde der Stanley Cup Playoffs in der Western Conference erreicht. Dort unterlagen sie den Anaheim Ducks knapp mit 3:4. Der Kölner legte starke Auftritte hin und brachte es auf 16 Punkte (6 Tore, 10 Assists) aus 13 Einsätzen. "Es waren meine ersten Playoffs. Dabei habe ich gelernt, was in solchen Spielen funktioniert und was nicht", sagte Draisaitl am Donnerstag bei einer Video-Pressekonferenz. Die Erkenntnisse von damals könnten ihm daher in den anstehenden Partien helfen, selbst wenn die Situation diesmal vollkommen anders sei.

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Für den Qualifikationsgegner aus Chicago hat der Oilers-Stürmer lobende Worte parat. "Die Blackhawks sind eine sehr erfahrene Mannschaft. Wir werden sie auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen. Jeder, der an der Qualifikation teilnimmt, ist aus einem guten Grund dabei", meinte Draisaitl, der beim Test gegen die Flames einen Treffer vorbereitete. Auf ihm und Connor McDavid lastet die Hauptverantwortung in der Offensive der Oilers. Wenn sie nicht treffen und ihre Mitspieler nicht entscheidend einsetzen können, wird es für gewöhnlich schwierig für Edmonton, ein Match zu gewinnen.

Entlastung haben die beiden Topscorer der Oilers in den letzten Wochen der Hauptrunde durch Kailer Yamamoto erhalten. Nach seinem Saisondebüt am 31. Dezember legte er ein fulminantes Vierteljahr hin und kam bis zur Unterbrechung am 12. März auf 26 Punkte (11 Tore, 15 Assists) aus 27 Partien. Der Rechtsaußen avancierte zum Sturmpartner von Draisaitl. "Er war großartig und hat unserem Team enorm geholfen. Die Chemie zwischen uns stimmt. Es macht Spaß mit ihm zu spielen", lobte der Gewinner der Art Ross Trophy seinen Teamkollegen.

Nach Ansicht von Draisaitl ist es jedoch nicht nur die Offensive, die über Wohl und Wehe bei den Oilers entscheidet. "Natürlich mögen es die Fans, wenn wir viele Tore schießen. Die sind ja auch wichtig für den Erfolg. Aber das führt manchmal dazu, dass die Jungs in der Defensive nicht die Anerkennung bekommen, die sie verdienen. Leute wie Adam Larsson oder Kris Russell haben die gesamte Saison über einen hervorragenden Job gemacht. Wir verdanken ihnen eine ganze Menge", sagte er.

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Oilers-Trainer Dave Tippett sieht es genauso. Die Balance zwischen Offensive und Defensive müsse stimmen, sonst werde man nicht erfolgreich sein. "Ich erwarte deshalb von unseren Spielern, dass die Arbeit auf beiden Seiten des Eises ordentlich erledigt wird", machte er deutlich. Dass Draisaitl und McDavid bei alldem noch einmal mehr in der Verantwortung stehen, verhehlte der Coach nicht. "Connor und Leon wissen, was wir von ihnen erwarten und sie kennen darüber hinaus ihren Status in der Liga. Ihnen ist klar, dass sie gerade in entscheidenden Spielen härter gecheckt werden als andere. Entsprechend härter müssen sie sich zur Wehr setzen."

Eine äußerst wirksame Waffe besitzen die Oilers mit ihrem Powerplay. Vor allem dann, wenn Draisaitl und McDavid bei Überzahl gemeinsam auf dem Eis stehen. Nach einer Kombination der beiden bei numerischer Überlegenheit fiel auch das 2:0 beim Testspiel gegen die Flames. Mit einer Erfolgsquote von 29,5 Prozent hatte Edmonton in dieser Saison das mit Abstand beste Powerplay aller 31 NHL-Vertreter. Mit 44 Powerplay-Punkten stand Draisaitl auf Platz 1 der Liga, gefolgt von McDavid auf Rang 2 mit 43. Diese Werte dürften den Blackhawks einiges an Kopfzerbrechen bereiten.

Dennoch betrachtet Tippett die Special Teams lediglich als "gute Zusatztools", um eine Begegnung zu gewinnen. Der Schlüssel zum Sieg liege im Spiel fünf gegen fünf. "Dafür müssen wir bereit sein", hob er im Hinblick auf das erste Aufeinandertreffen mit den Blackhawks hervor.