Kahuns schönste Tore für Penguins und Sabres

Es klingt zunächst mal ein bisschen merkwürdig in Zeiten des Coronavirus mit Kontaktbeschränkung und allem Drum und Dran. Aber Dominik Kahun, Eishockeyprofi in Diensten der Buffalo Sabres in der NHL, ist derzeit tatsächlich ein Pendler. Der 24-Jährige hält sich zurzeit in Deutschland auf.

Genauer gesagt: in München. Dort hat er von der Saison 2014/15 bis 17/18 beim EHC Red Bull München gespielt. Pendeln muss der deutsche Nationalspieler, wenn er zu den Eltern nach Regensburg fährt, wie er in einer Videokonferenz von NHL.com/de zusammen mit Leon Draisaitl (Edmonton Oilers), Tobias Rieder (Calgary Flames) und Philipp Grubauer (Colorado Avalanche) am Montag erzählt hat.

Eines der Hauptprobleme, das Profisportler dieser Tage haben: Wie halte ich mich fit? Nun, Kahun schöpft da auch die Möglichkeiten aus, auf die Freizeitsportler zurückgreifen: "Laufen, Radfahren, ein bisschen mit Gewichten trainieren", gibt er Einblicke. Natürlich könne er zu Hause kein klassisches Krafttraining wie im Fitnessstudio oder im Fitnessraum des Teams machen. "Ich arbeite daher viel mit dem eigenen Körper", verrät er.

Die Arbeit mit dem Schläger ist da schon etwas schwieriger. Aber da die NHL-Profis auch während der Corona-Zwangspause nicht das Gefühl für Schläger und Puck verlieren wollen, müssen schon mal die Haustiere als Trainingspartner herhalten. Doch während Draisaitl seinen Hund als härtesten Verteidiger, gegen den er jemals gespielt habe, bezeichnet, greift Kahun, der sich übrigens als großer Fan von sauren Gummibärchen outet, auf ein Familienmitglied zurück.

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"Ich hab' kein Haustier. Ich muss mir meiner Gegner irgendwie selbst bauen", sagt er und lacht. Er lege sich einfach Hindernisse auf den Boden. "Oder der Bruder geht ins Tor", verrät er.

Zocken auf der Konsole steht bei den Profisportlern auch ganz hoch im Kurs, um die Zeit zu überbrücken. Und da gesteht Kahun, dass er, wenn es an die Konsole geht, gar nicht mal Eishockey spielt. "Ich spiele eher FIFA", meint er. Allerdings muss er auch darauf gerade verzichten. Denn die X-Box ist in Amerika geblieben.

Allerdings erinnert er sich mit Draisaitl noch an die Zeiten, als die beiden bei den Jungadlern Mannheim in der DNL die Stürmer zur Verzweiflung gebracht haben. Kahun war bei 10/11 und 11/12 im Nachwuchsprogramm des Teams aus der Quadratestadt und spielte auch davor schon in der Schüler-Bundesliga von 2008 bis 2011 für den Mannheimer ERC. Zu DNL-Zeiten hätten sich Draisaitl und Kahun eine Wohnung geteilt. Und dann wurde abends fleißig Eishockey auf der Konsole gezockt, verraten die beiden. Ein kurzes Auflebenlassen der alten Zeiten habe es im vergangenen Jahr gegeben, als Kahun mit den Chicago Blackhawks in Edmonton gespielt habe. "Am Abend vorher war ich dann bei Leon, und dann haben wir ein Turnier gespielt."

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Apropos Mannheim. Darauf kommt die Sprache selbstverständlich, wenn es an den nächsten Draft geht, wenn sich die NHL-Klubs die besten Nachwuchstalente aus aller Welt aussuchen. Da haben mit Tim Stützle (Adler Mannheim), John-Jason Peterka (Red Bull München) und Lukas Reichel (Eisbären Berlin) drei Deutsche gute Chancen, zeitig einen Klub zu finden. "Was Stützle in der Saison gespielt hat, war unglaublich", hat Kahun die Leistungen des Mannheimers aufmerksam verfolgt. Generell sei das Trio auf einem sehr guten Weg. Der gebürtige Mannheimer und ehemalige Jungadler Marc Michaelis habe sich seinen Profivertrag bei den Vancouver Canucks redlich verdient. "Er hat sein Ding durchgezogen. Er hat sich Jahr für Jahr gesteigert. Das habe ich dann immer bei der WM gemerkt, wenn wir uns gesehen haben. Ich kann mir vorstellen, dass er es in Vancouver schaffen wird."

Natürlich beachtet auch Kahun das Kontaktverbot. Weshalb er, wenn er nicht gerade bei seiner Familie ist, viel Zeit alleine verbringt. Die Frage nach dem Teamkollegen, mit dem er gerne in der Selbstquarantäne wäre, drängt sich da förmlich auf. Das Problem: In Buffalo kennt Kahun die Teamkameraden noch nicht so gut. Na ja, zumindest nicht alle. Henri Jokiharju ist dagegen schon ein alter Bekannter noch aus gemeinsamen Tagen bei den Blackhawks. Mittlerweile sind Kahun und der finnische Verteidiger bei den Sabres wieder in der gleichen Umkleidekabine. Mit ihm hätte er keine Schwierigkeiten, die Quarantäne rumzubekommen. Und aus der deutschen Nationalmannschaft? Da ist die Wahl einfacher. Da wären Draisaitl, Rieder und Grubauer erste Wahl.

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Für die Landsleute hat Kahun nur Lob übrig. Draisaitl sei im Zusammenspiel mit Connor McDavid kaum aufzuhalten. "Das habe ich schon mit Chicago und Pittsburgh erlebt", erinnert er sich. Grubauer habe sich zu einem Top-Torwart der NHL entwickelt. Und Rieder spiele bei den Flames eine gute Rolle, speziell in Unterzahl habe er seine Qualitäten und sei da auch torgefährlich.

Selbstverständlich vermisse er, dass derzeit kein Eishockey gespielt werden kann. "Ich wäre froh, wenn's wieder losgeht", betont er. Umso mehr, da er ja erst sechs Partien für seinen neuen Verein, die Sabres, nach dem Trade absolviert hat. Am 24. Februar, als noch die Wenigsten an eine Sperrung der Hallen dachten, schickten ihn die Pittsburgh Penguins im Tausch für Conor Sheary und Evan Rodrigues nach Buffalo. Die Sabres sind mittlerweile die dritte Station in der NHL für den Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2018 von Pyeongchang. Die Chicago Blackhawks verpflichteten Kahun zur Spielzeit 18/19 als Free Agent. In der Sommerpause wurde er dann im Tausch für den finnischen Verteidiger Olli Maata zu den Penguins geschickt. Mittlerweile ist er in Buffalo gelandet. In 138 NHL-Partien hat er bislang 25-mal getroffen und 43 Vorlagen gegeben.

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Es sei eine schwierige Zeit gewesen, rund um den Trade von Pittsburgh nach Buffalo, reflektiert er. Die Penguins seien gerade auf einer Auswärtstour gewesen, und auch die Sabres seien gerade auf einem Roadtrip gewesen. "Ich hatte nur einen Koffer dabei", erinnert er sich. "Dann sei er aber von den neuen Teamkollegen super aufgenommen worden. Und auch mit dem neuen Coach Ralph Krueger, den er aus den Jahren zuvor schon kannte, habe er sich gleich gut verstanden. "Er hat mir sofort alles erklärt, wie sie es sich hier vorstellen. Da hat man dann gar nicht lange Zeit, um zu überlegen." Aber am Ende sei es auch in Buffalo nur Eishockey, meint der Linksschütze.