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In Winnipeg entstand etwas Großes - ein Jumbo

Die Jets stürmen von Sieg zu Sieg und liegen nun sogar punktgleich an der Ligaspitze

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Die Winnipeg Jets machen ihrem Beinamen alle Ehre, vor allem, wenn sie im heimischen Bell MTS Place auflaufen oder besser gesagt losgelassen werden. Bei einem Strahlflugzeug wird die angesaugte Luft verdichtet, erwärmt und durch Treibstoff entzündet, wodurch das Gemisch mit hoher Geschwindigkeit die Düse verlässt.

In Winnipeg feuert sich das Team in der Kabine an, die Spieler betreten einzeln, begleitet vom Startgeräusch eines Düsenflugzeugs, das Eis des weiten Runds und wenn dann der Eröffnungsbully gefallen ist, gibt es, einer Explosion gleich, kein Halten mehr.

Als Exempel dient der 5:0-Auftritt gegen die Ottawa Senators am Sonntag, als die Jets nach sechs Spielminuten des innerkanadischen Duells bereits mit 2:0 in Front lagen und das Spiel nicht mehr aus der Hand gaben. Mit ihrem sechsten Heimsieg in Folge sind die Jets gerade dabei ihre Franchisebestmarke aus der Spielzeit 2006/07 von sieben doppelten Punktgewinnen hintereinander einzustellen.

"Ganz ehrlich, seitdem ich in der Liga bin, war das vermutlich die dominanteste Vorstellung, die ich gesehen habe. Von der ersten Minute an haben wir das Kommando übernommen. Ich glaube bis zu einem bestimmten Punkt im Spiel, als das Torschussverhältnis 40:15 oder so ähnlich lautete, waren wir gefühlt die ganze Zeit über in ihrem Drittel. Der Leistungsunterschied war so groß. Wir haben gar nichts zugelassen", kommentierte der dreifache Scorer (1 Tor, 2 Assists) Center Mathieu Perreault, gegenüber NHL.com die gewonnene Galavorstellung, durch die sich die Jets die ligaweite Tabellenführung mit den Tampa Bay Lightning teilen.

Noch beeindruckender wirkt das Geleistete, wenn man ins Detail geht: Am 29. Oktober wiesen die Jets sieben Punkte Rückstand auf die St. Louis Blues und den Lightning aus - Mannschaften, die zu diesem Zeitpunkt, als Tabellenführer der beiden Conferences, das Maß aller Dinge waren. Sogar die Senators, also jenes Team, das zuletzt eine kräftige Lektion erteilt bekam, hatte noch drei Zähler mehr auf dem Konto als die Überflieger aus Manitoba.

Die Superlative ziehen sich durch alle Mannschaftsteile: Aus ihren vergangenen 18 Auftritten gingen die Jets mit einer Bilanz von 13-3-2 heraus - kein Team sammelte mehr Punkte! 69 Mal versenkten die Jets den Puck im gegnerischen Netz - so oft wie sonst niemand! Über ein Drittel ihrer Powerplaysituationen schlossen die Jets mit einem Torerfolg ab - die Powerplayquote von 34,4 Prozent ist Ligabestwert!

Rechtsaußen Patrik Laine ist Winnipegs effizientester Mann im Überzahlspiel. Mit seinen acht Powerplaytreffern liegt der 19-jährige Finne, gleichauf mit Tampa Bay Center Steven Stamkos und Filip Forsberg von den Nashville Predators, auf dem ersten Platz.

 Video: OTT@WPG: Laine per Schlagschuss im PP

Unter den besten fünf Scorern der NHL befinden sich mit Rechtsaußen Blake Wheeler (7 Tore, 28 Assists) und Center Mark Scheifele (14 Tore, 20 Assists) gleich zwei Akteure, die ihr Zuhause in der Hauptstadt Manitobas gefunden haben und sich dort sichtlich wohl fühlen.

Und wie schaut es in der Defensive aus?

In Winnipeg ist Lernfähigkeit angesagt. In ihren letzten dutzend Auftritten kassierten die Jets nur dreimal vier oder mehr Gegentore. Ihre Erfolgsquote im Penalty Killing verbesserte sich auf 83,3 Prozent, nachdem sie in den 15 Saisonauftritten zuvor nur 76,4 Prozent betrug. Der Gegentrefferschnitt verringerte sich in den gleichen Zeitspannen von 3,00 auf 2,17.

Schließlich konnte Schlussmann Connor Helleybuck gegen die Senators sogar seinen ersten Saison-Shutout einfahren. Mit einer Fangquote von 92,5 Prozent und einem Gegentrefferschnitt von 2,31 liegt der 24-jährige US-Amerikaner mittlerweile sogar vor ganz großen Namen seines Fachs, wie den Vezina-Trophy-Gewinnern Braden Holtby (91,9 %, 2,63) und Henrik Lundqvist (91,7 %; 2,66).

Seit fast drei Jahren steht Paul Maurice als Verantwortlicher hinter der Bande. Der 50-jährige Eishockeylehrmeister verfolgt ein langfristiges Konzept, das seine ersten Früchte trägt. Der Kader wurde in der Sommerpause nur punktuell verändert. Es wurden nicht die großen Stars verpflichtet, sondern mit Steve Mason ein Schlussmann, der die Backup-Rolle einnimmt, mit Matt Hendricks ein solider Center für die vierte Sturmformation und mit Dmitry Kulikov ein Verteidiger, dessen Qualitäten weniger in der Offensive liegen, sondern der hinten abräumt.

Maurice hat immer wieder betont, dass man den Wert Hendricks nicht an seinen Zahlen (3 Tore, 3 Assists) messen darf: "Man kann nicht gewinnen, wenn man nur eine Sorte an Spielern hat. Er [Hendricks] spielt so wie er spielt seit Anbeginn seiner Karriere und es gibt Keinen in unserer Kabine, der dir nicht erzählen würde, welch wichtige Rolle er bei uns einnimmt und was er alles für unser Team leistet."

Auch wenn nur kleine Puzzleteile fehlen, erst sie machen aus einem unfertigen Werkstück ein Kunstwerk oder eben aus Jets einen Jumbojet.

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