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Die NHL-Saison 1992/93 liegt 30 Jahre zurück. NHL.com/de nimmt dies zum Anlass, in einer Serie an eine denkwürdige Spielzeit in der langen Ligageschichte zu erinnern.

In dieser Ausgabe: Die Montreal Canadiens gewinnen als bisher letztes Team aus Kanada den Titel
Vor 30 Jahren waren die Stanley Cup Playoffs besonders spektakulär. Die Liga lieferte schier endlos viele Geschichten, an die man sich auch Jahrzehnte später noch gut erinnert. Da war zum einen das spektakuläre Aus der Pittsburgh Penguins. Der große Favorit und Titelverteidiger scheiterte damals sensationell am krassen Außenseiter New York Islanders, bei denen der Deutsche Uwe Krupp im Kader stand.
Und natürlich bleibt diese K.o.-Phase auch deshalb besonders präsent, weil am Ende mit den Montreal Canadiens das bisher letzte Team aus Kanada den Stanley Cup gewinnen konnte. Hier mit dabei war der spätere Schweizer Paul DiPietro. Grund genug uns diesen beiden Erfolgsgeschichten in der finalen Ausgabe unserer kleinen Serie über die Spielzeit 1992/93 näher zu widmen.

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Eine der unbestritten besten Playoff-Serien in der Geschichte der Liga lieferten sich die Islanders und Penguins in der zweiten Runde. New York erreichte in dieser Saison die Playoffs als Dritter in der damaligen Patrick Division. Am Ende standen für das Team eine Bilanz von 40-37-7 und 87 Punkten in den Büchern. Angeführt wurde die Mannschaft von der ersten Reihe mit Pierre Turgeon (132 Punkte), Steve Thomas (87 Punkte) und Derek King (76 Punkte). Mit Kapitän Patrick Flatley, Brian Mullen, Ray Ferraro, Tom Kurvers und Abwehrspieler Krupp verfügten die Islanders über einen erfahrenen Kader.
Hinzu kamen junge Spieler wie Brad Dalgarno, Marty McInnis, Tom Fitzgerald, Travis Green, Scott Lachance, Dennis Vaske, Darius Kasparaitis und Rich Pilon. New York hatte mit Glenn Healy und Mark Fitzpatrick zudem ein solides Torhütergespann und wurde vom legendären Al Arbour trainiert.
Nach einem Weiterkommen gegen die Washington Capitals zum Playoff-Auftakt bekamen Krupp und seine Mitstreiter mit dem großen Favoriten aus Pittsburgh zu tun. Der Deutsche Verteidiger, der heute in der DEL als Trainer der Kölner Haie aktiv ist, erinnert sich noch immer gerne an diese Zeit. "Ich erinnere mich sehr gut an die Duelle mit Pittsburgh zu meiner Zeit bei den Islanders. Die Penguins hatten die beste Mannschaft, Scotty Bowman als Trainer und man konnte jede Menge Superlative anwenden, um diese Truppe zu beschreiben", sagte Krupp exklusiv gegenüber NHL.com/de.

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Die Penguins waren der zweimalige Stanley Cup Champion. Pittsburgh belegte mit 119 Punkten und einer Bilanz von 56-21-7 nach der Hauptrunde den ersten Platz in der Liga. Der Kader der Penguins war prominent besetzt. Zum Kern des Teams gehörten Mario Lemieux, Jaromir Jagr, Rick Tocchet, Larry Muprhy, Kevin Stevens, Ron Francis, Joe Mullen, Ulf Samuelsson und Tom Barrasso. Es war schwer vorstellbar, dass die Islanders dieses Spitzenteam ohne ihren besten Spieler Turgeon schlagen würden, der sich in der Serie gegen Washington zuvor verletzt hatte.
Die Penguins hatten ihrerseits zuvor die New Jersey Devils in fünf Spielen besiegt, und fast jeder in der Eishockeywelt hat einen ähnlichen Ausgang in dieser Serie vorausgesagt. Doch es sollte anders kommen. Die Islanders gewannen Spiel eins mit 3:2. Pittsburgh zeigte eine Reaktion und entschied die kommenden beiden Duelle für sich. Vor Spiel vier wollten die Penguins mit einem Sieg die Serie in den Griff bekommen, um sie in Spiel fünf zu Hause zu beenden. Doch die Islanders hatten andere Pläne. Die Widerstandsfähigkeit, die New York in der Serie gegen Washington gezeigt hatte, kam im Nassau Coliseum wieder zum Tragen. Es war ein wildes Hin und Her, bei dem sich beide Teams gegenseitig die Tore schenkten, aber New York setzte sich in Spiel vier mit 6:5 durch.
Obwohl die Islanders großen Mut und Entschlossenheit bewiesen und diese Serie zu einer Best-of-Three-Serie machten, gab es noch immer kaum jemanden, der ihnen ein Weiterkommen zugetraut hätte. Diese Tendenz wurde noch bestärkt, als Pittsburgh in Spiel 5 einen 6:3-Heimsieg errang. Danach ging es zurück nach Long Island, wo die Penguins die Serie beenden und ins Eastern Conference Finale einziehen wollten. Erneut entwickelte sich im sechsten Kräftemessen beider Kontrahenten ein ereignisreiches Spiel, das die New Yorker mit 7:5 gewannen und so ein alles entscheidendes siebtes Spiel erzwangen.

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Und darin lagen die Außenseiter vier Minuten vor Schluss dank der Tore von David Volek, Thomas und Benoit Hogue mit 3:1 in Führung. Es schien, als würde das unwahrscheinlichste Szenario eintreten. Pittsburgh gelang knapp vier Minuten vor Schluss jedoch der Treffer zum 2:3. In der Schlussphase fand der zweifache Titelverteidiger mit Glück und Geschick noch einen Weg zum 3:3-Ausgleich. In der erforderlichen Verlängerung fanden sich Ferraro und Volek plötzlich in einem Zwei-gegen-Eins-Spiel wieder. Der Rest war Eishockey-Geschichte. Die Islanders eliminierten den Top-Favoriten auf die Meisterschaft mit 4:3-Siegen und machten so den Weg für die Canadiens zum Titel frei.
Montreal gelang es im Frühjahr 1993 eine Hauptrunde mit 102 Punkten in einen Stanley Cup Titel zu verwandelten. Das Team hatte in dieser Spielzeit mit Jacques Demers einen neuen Trainer, nachdem es zuvor von Pat Burns geleitet worden war. Demers leistete gute Arbeit mit dem Team, das eine Ausbeute von 48-30-9 erreichte. Diese Bilanz reichte aus, um den dritten Platz in der Adams Division zu erreichen. Neuzugang Vincent Damphousse und Kirk Muller führten die Offensive an. Damphousse war mit 39 Toren und 58 Assists der erfolgreichste Torschütze, während Muller 37 Tore und 57 Assists beisteuerte. Patrick Roy war der Mann zwischen den Pfosten bei den Canadiens, obwohl er mit eine Fangquote von 89,4 Prozent bis zur K.o.-Phase nicht wirklich zu überzeugen vermochte.
Die Playoffs begannen mit einem Erstrundenmatch gegen die Quebec Nordiques. Der Start in dieser Auseinandersetzung verlief für die Canadiens nicht nach Wunsch, da sie die ersten beiden Spiele verloren. In der Folgezeit konnte sich das Team deutlich steigern und vier Spiele in Folge gewinnen. In der zweiten Runde taten sich die Canadiens wesentlich leichter, als sie die Buffalo Sabres glatt aus dem Weg räumten. Es erwartete die Canadiens dann der Sieger der Serie zwischen den Penguins und den Islanders. Montreal gewann die ersten drei Spiele des Conference Finals gegen die Islanders. Den New Yorkern gelang es die Auseinandersetzung durch einen Erfolg im vierten Kräftemessen zu verkürzen, doch die Canadiens machten den Sack in Spiel 5 zu und zogen in das Stanley Cup Finale ein.
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Hier galt es sich im Duell mit Superstar Wayne Gretzkys und seinen Los Angeles Kings durchzusetzen. Die Vertretung aus Montreal hatte zu diesem Zeitpunkt seit 1986 keinen Titel mehr gewonnen. Der Erfolgshunger in der kanadischen Eishockeymetropole war dementsprechend groß.
Spiel eins verlief nicht nach dem Geschmack der Canadiens. Sie verloren 1:4. Doch das Team rappelte sich auf und gewann erneut vier Begegnungen in Folge, und holte dadurch den Stanley Cup. Drei dieser Spiele wurden erst in der Verlängerung entschieden. Muller war der Held der Serie, denn sein Tor zum 2:1 in Spiel 5 brachte den endgültigen Sieg. Der junge Goalie Roy wurde zum Playoff-MVP ernannt und erhielt die Conn Smythe Trophy. Der damals 27-Jährige hatte sich mit einer Fangquote von 92,9 Prozent in den entscheidenden Wochen deutlich gesteigert und einen großen Anteil am Sieg des Teams. Die anschließenden Feierlichkeiten sollten in die Eishockeygeschichte eingehen.
Der Kanadier DiPietro, der später durch seine Heirat mit einer Schweizerin selbst Schweizer Staatsbürger wurde, gehörte mit zum Siegerteam. In der Hauptrunde kam er 29 Mal, sowie in 17 Playoff-Begegnungen zum Einsatz. Er erinnerte sich kürzlich bei den Kollegen von Watson.ch an diese unglaublichen Stunden bzw. Tage und Wochen: "Die Feierlichkeiten dauerten 14 Tage. Zwei Wochen lang von einem Empfang zum nächsten. Feiern ohne Ende. Nach 14 Tagen war ich fix und fertig. Ich zog mich in das Haus meiner Eltern in Sault St. Marie zurück und brauchte einen Monat, um mich vollständig erholen zu können."