Die Seattle Kraken werden in der Saison 2021/22 offiziell zum 32. Franchise der NHL. In den Tagen vor dem Expansion Draft am 21. Juli berichtet NHL.com/de über Teams, die neu zur Liga stießen. In dieser Ausgabe: Seattles Eishockeygeschichte.
Seattles Weg vom ersten Stanley Cup eines US-Teams zur NHL-Mannschaft
Die Kraken treten in einer Stadt mit reicher Eishockeygeschichte in große Fußstapfen

© Marissa Baecker/Getty Images
In wenigen Tagen werden die Seattle Kraken im Expansion Draft den Kern ihrer Mannschaft für ihre erste NHL-Saison aus Spielern von 30 NHL-Teams formen. Sie dürfen aus jedem bestehenden Kader einen Spieler wählen. Ausgenommen sind nur die Vegas Golden Knights, die selbst erst seit vier Jahren in der Liga spielen.
Seattle ist nicht unbedingt als Eishockey-Hochburg bekannt und in den vergangenen Jahrzehnten gab es aus der Stadt im Nordwesten der USA diesbezüglich kaum große Nachrichten. Dabei hat die Stadt eine reichhaltige Geschichte in diesem Sport und in der Bevölkerung herrscht eine große Begeisterung für Eishockey.
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1915 wurde mit den Seattle Metropolitans das erste professionelle Team in der Stadt gegründet. Sie traten in der Pacific Coast Hockey Association an, deren Meister jährlich gegen den Meister der National Hockey Association um den Stanley Cup spielte. Die Geschichte der Metropolitans ist kurz, aber ruhmreich. In ihrer nur neunjährigen Existenz spielten sie drei Mal gegen den Vertreter der NHA um den Cup.
1917 kam es zum größten Erfolg Seattles. Die Metropolitans gewannen den Cup mit 3:1 Spielen gegen die Montreal Canadiens. Nach einem 8:1-Sieg der Canadiens im ersten Spiel der Serie, dominierte Seattle die restlichen Begegnungen mit 6:1, 4:1 und 9:1. Damit wurden sie zur ersten US-Amerikanischen Mannschaft, die den Stanley Cup gewann. Einige ihrer Spieler sicherten sich wichtige Plätze in den Geschichtsbüchern des Sports.
Torwart Hap Holmes, die Stürmer Frank Foyston und Jack Walker wurden später in die Hockey Hall of Fame aufgenommen. Pete Muldoon, der damalige Präsident, Eigentümer, Manager und Trainer der Metropolitans, ist mit 29 Jahren und neun Monaten bis heute der jüngste Trainer oder Manager, der jemals den Cup gewinnen konnte.
Nach dem Erfolg von 1917 kämpften sie zwei weitere Male um den Stanley Cup. Ihre Serie im Jahr 1919 musste jedoch wegen der Spanischen Grippe vorzeitig beendet werden und der Pokal wurde in diesem Jahr nicht vergeben. 1920 unterlagen sie den Ottawa Senators in fünf Spielen. 1924 wurden die Metropolitans trotz ihrer Erfolge aufgelöst, da ihr Pachtvertrag für das Stadion nicht verlängert wurde und sie keine neue Arena finanzieren konnten.
Zwei Jahrzehnte lang mussten die Fans in Seattle daraufhin auf professionelles Eishockey verzichten. Erst 1944 schafften es die Seattle Ironmen in die Pacific Coast Hockey League. 1952 benannte sich das Team um und wurde zu den Seattle Bombers, die PCHL wurde zur Western Hockey League. Drei Jahre später nahmen die Bombers jedoch nicht länger am Spielbetrieb Teil, weil sie die Reisekosten nicht mehr finanzieren konnten.
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In der folgenden Saison versuchten sie als Seattle Americans den Neuanfang, nach weiteren drei Spielzeiten benannte sich die Organisation dann in Seattle Totems um und trug diesen Namen für die restlichen 17 Jahre bis 1975, als sie ihre Aktivitäten einstellte. 1959, 67 und 68 gewannen sie die Meisterschaft der WHL. 1975 wurde die Organisation aufgrund eines Schuldenbergs von zwei Millionen US-Dollar aufgelöst.
Zu dieser Zeit stand bereits eine NHL-Lizenz für Seattle ab der Saison 1976/77 im Raum. Tatsächlich wären die Pittsburgh Penguins damals aufgrund finanzieller Probleme beinahe nach Seattle verkauft worden, doch Vince Abbey, der damals für das NHL-Projekt in Seattle verantwortlich war, verpasste die Gelegenheit das Team bei einer Zwangsversteigerung zu erwerben. 1977 versuchte Abbey die California Seals, die damals in der NHL spielten, zu kaufen und nach Seattle zu holen, doch auch das gelang ihm nicht. Daraufhin entzog die Liga der Gruppe aus Seattle die Lizenz.
Ein weiterer Versuch ein NHL-Team nach Seattle zu holen scheiterte 1990, da sich die Gruppierung aus Seattle nicht mit der Liga auf die finanziellen Bedingungen einigen konnte. 2013 stand ein Verkauf der Phoenix Coyotes in Aussicht, da es Konflikte zwischen den Coyotes und der Stadt Glendale bezüglich eines Vertrags für ihre Arena gab. Die Streitigkeiten wurden jedoch beigelegt und Seattle musste weiterhin auf Eishockey auf der großen Bühne verzichten.
Am 4. Dezember 2018 war es dann endlich soweit. Das NHL Board of Governors bewilligte einstimmig die Aufnahme der Kraken. In der Saison 2021/22, 47 Jahre nach dem Ende der Totems, wird in Seattle wieder professionelles Eishockey gespielt.
Die Organisation ist sich der langen Eishockeygeschichte in der Stadt bewusst und lehnte das 'S' im Logo an das alte Markenzeichen der Vorgängerorganisation an. 105 Jahre nach dem Sieg der Metropolitans und 98 Jahre nach ihrer Auflösung wird Seattles Eishockey-Tradition wieder frisch aufgenommen und eine Mannschaft aus der Stadt kann in Zukunft erneut um den Stanley Cup kämpfen.

















