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NHL-Dynastien: Die Flyers der 1970er-Jahre

Unsere Serie der herausragenden Dynastien der Ligageschichte beschäftigt sich heute mit dem Team aus Philadelphia

von Robin Patzwaldt / NHL.com/de Autor

Als der Puck am 1. Januar 2017 beim Eröffnungs-Bully des NHL Centennial Classic in Toronto erstmals auf das Eis fiel, da eröffnete die National Hockey League zugleich offiziell die Feierlichkeiten rund um ihren 100. Geburtstag. Im Jahre 1917 gegründet, ist die Ligageschichte inzwischen reich an Eishockeygeschichten und Ikonen des Sports, spielten schier unzählige Teams und Aktive in ihr eine große Rolle.

An jedem Samstag während des gesamten Jahres 2017, wird NHL.com/de die herausragenden Personen und Teams dieser 100-jährigen Geschichte an dieser Stelle vorstellen.

Innerhalb dieser Reihe tauchen wir auch ein in eine Serie der herausragenden Mannschaften, welchen es gelang zu echten Sportdynastien ihrer Generation heranzureifen, ihre Zeit in der Liga zu dominieren. In dieser Ausgabe: Die Philadelphia Flyers der 1970er-Jahre.

Die Flyers-Franchise wurde in ihrer frühen Phase unter dem Namen 'Broad Street Bullies' berühmt, und das obwohl sie im Rückblick 'nur' zwei Stanley Cup-Titel gewinnen konnte. Jedoch erlangte das Team in den 1970er-Jahren tatsächlich einen solchen Ruhm unter den Eishockeyfreunden, dass es auch als heimliche Vorlage für den Film 'Slapshot' galt, in dem die fiktiven 'Charlestown Chiefs' ihr Schicksal durch extrem hartes und körperbetontes Schicksal herumzureißen versuchten.

Und die 'Chiefs' der NHL, das waren damals eben die Flyers aus Philadelphia. Grund genug also um hier heute auch einmal einen kurzen Rückblick auf ihre besonders prägenden Jahre in unserer Serie über die großen NHL-Dynastien zu wagen.

Die Jungs von der 'Broad Street' waren vor gut 40 Jahren ohne Zweifel das gefürchtetste Team der Liga. Und das nicht nur, weil es ihnen gelang sich den Stanley Cup der Jahre 1974 und 1975 zu sichern. Ihr aggressiver Spielstil sicherte ihnen tatsächlich Angst und Schrecken der Gegner. Und das in einem Ausmaß, wie man es sich heute so gar nicht mehr wirklich vorzustellen vermag.

Ihr Anführer und bester Spieler war Bobby Clarke, der vergleichsweise ruhige Trainer Fred 'The Fog' Shero, legendäre 'Tough Guys' des Teams waren seinerzeit Dave 'The Hammer' Schultz, Andre 'Moose' Dupont und Bob 'Hound Dog' Kelly.

Die Flyers kamen ursprünglich als ein Expansion-Team des Jahres 1967 in die Liga. Das Team von Eigentümer Ed Snider, einem örtlichen Geschäftsmann, schaffte es direkt in seinen ersten beiden Spielzeiten in die Playoffs der besten Eishockeyliga der Welt.

Dort bekam man es dann jedoch jeweils mit den St. Louis Blues zu tun, unterlag diesen jeweils sehr klar. Es war jedoch gar nicht das frühe sportliche Scheitern selber, sondern vielmehr die Art und Weise wie das Team vom Gegner dominiert wurde, man quasi auf dem Eis herumgeschupst wurde, welches einen extrem prägenden Eindruck bei den Verantwortlichen des Teams hinterlassen sollte. Diese bittere Erkenntnis sorgte nämlich dafür, dass man selber zukünftig einen körperbetonteren Stil spielen lassen wollte. General Manager Keith Allen sollte das Team entsprechend umbauen, was er dann auch voller Tatendrang erfolgreich tat.

 

In den folgenden Jahren wählte Allen beim NHL Entry Draft in erster Linie Spieler, welche nicht nur gut Eishockey spielen konnten, sondern sich auch entsprechend körperlich zur Wehr setzen konnten. Die Aktiven Schultz, Kelly, Don Saleski kamen so unter anderem nach Philadelphia.

Im Jahre 1971 kam ein weiteres entscheidendes Puzzlestück zum Team, als man den ehemaligen Rangers Verteidiger Fred Shero verpflichtete um zukünftig das Traineramt zu bekleiden. Er war damals gerade einmal 46 Jahre alt und als eine Art moderner Spielertrainer, der halt selber noch sehr nah an den Aktiven war, die ideale Ergänzung des jungen Teams. Das passte!

Zu einem weiteren Kernstück des Teams entwickelte sich ein Spieler namens Bobby Clarke. Der Center entpuppte sich im Laufe der Zeit als Herzstück des Teams. Nach drei Jahren in der NHL hatte sich Clarke bereits erfolgreich zum 35-Tore-Mann entwickelt. Er war furchtlos. Und das als Führungsspieler. Die ideale Verstärkung eines angehenden Spitzenteams also.

Clarke glänzte als Spieler auch bei der 1972er 'Summit Series' gegen die Sowjetunion, einem Eishockeyvergleich in Zeiten des 'Kalten Krieges', der in Übersee bis heute legendär ist. Von den dabei erworbenen Erfahrungen profitierte er anschließend im Ligawettstreit mit den Flyers.

Kronjuwel der sich aufbauenden Dynastie-Mannschaft der Franchise war dann Torhüter Parent, der zwei der stärksten Spielzeiten auf das Eis legen sollte, welche die Ligageschichte jemals hervorgebracht hat.

Der erste Titelgewinn der Franchisegeschichte gelang Philadelphia gegen die Bruins, welche um Spieler wie Orr, Esposito, Derek Sanderson und andere Granden der Branche herum aufgebaut waren. Die Flyers galten seinerzeit als Underdog bei den Finalspielen, doch ihre Kampfkraft konnte vom Gegner letztendlich nicht gebrochen werden. So wurde man am Ende das Expansion-Team der NHL, welchem es am schnellsten gelingen sollte einen Stanley Cup-Titel zu erringen.

Zur Legende der damaligen Flyers gehörte übrigens auch eine Sängerin namens Kate Smith. Es entstand nämlich im Laufe der Zeit das Gerücht, dass die Flyers quasi unschlagbar seien, wenn sie das Lied 'God Bless America' im alten 'Spectrum' vor einem Spiel zum Besten gab. Egal ob persönlich vorgetragen, oder auch nur per Videoeinspielung. Vor Finalspiel Sechs des Stanley Cup-Finales 1974 stand die Statistik der Flyers mit ihrer Mithilfe bei immerhin 36-3-1. So etwas nennt man wohl einen Glücksbringer.

Nach der ersten erkämpften Meisterschaft waren die Flyers endgültig der 'Feind Nummer Eins' der gesamten Liga, was sie in der Hauptsache eben ihrem überaus aggressiven Stil 'zu verdanken' hatten.

Dank der schnellen Fäuste von Schultz, Kelly und Dupont konnte man sich jedoch auch weiterhin erfolgreich der meisten Attacken auf dem Eis erwehren. Ihr vorauseilender Ruf führte damals sogar zu einigen Scharmützeln körperlicher Art außerhalb der NHL-Eisflächen. Es sprach sich zudem herum, dass man Teile des Teams recht häufig in einer Bar namens 'Rexy's' in Süd-Jersey antreffen konnte. Auch dort soll es häufiger mal richtig 'zur Sache' gegangen sein.

Nach dem zweiten Titelgewinn im Folgejahr 1975, gegen die Buffalo Sabres übrigens, blieben die Jungs aus 'Philly' noch längere Zeit ein echtes NHL-Erfolgsteam, gewann auf ihre typische Art viele, viele Spiele.

Es bildete sich in diesen Jahren ein eindeutiger Ruf, der der Franchise noch heute anhaftet, auch wenn das Ganze nun bekanntlich ja schon einige Jahrzehnte zurückliegt, die Franchise seither den Erfolgen von damals vergeblich hinterher hetzt.

Tolle Persönlichkeiten, körperbetontes Eishockey, dazu sportlicher Erfolg. Das taugt natürlich zur Legendenbildung. Und daher gehören die Flyers der 1970er-Jahre eben auch natürlich mit in diese Serie der herausragenden NHL-Dynastien.

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